Arbeitslose Ost/West

Die Regierungsriege der Bunten Republik ist derzeit wohl kaum auf Rosen gebettet. Die Große Koalition ist kaum mehr als ein Bolzplatz, auf dem Egomanen ihren Mut am Koalitionsgegner zu kühlen suchen. Die Umfrageergebnisse (zumindest bei den alten, verbrauchten Parteien) streben mit einiger Zähigkeit dem Keller zu. Im Sekundentakt lösen sich taktische Plänkeleien gegenseitig ab, weil es an strategischen Zielen fehlt. Bis auf ein Wimmern, daß sie sich wieder – womit haben wir das verdient? – zur Wahl stellen werde, hat Frau Kanzler sogar das Reagieren komplett eingestellt, das sie früher einmal als probates Mittel anstelle des Agierens praktizierte.
Rechtzeitig zum Jahrestag der Deutschen Einheit und vor der anstehenden Landtagswahl in Bayern (für die offenbar magische Wunderzeichen vom Himmel her erhofft werden) ist der Ost/West-Einheitsbericht vorgelegt worden. Viel heiße Luft, wohl um ein bißchen Wind unter die räudigen Federn des Bundesadlers zu bringen. Wer genau schaut, findet kaum mehr als nichtssagende Schulterschluß-Parolen.
Aber es lassen sich auch gediegene Mängel in statistischen Grundfertigkeiten finden! So gibt es zur Arbeitslosigkeit folgende Aussage: »Bei der Arbeitslosenquote betrug demnach die Differenz zum Westen Anfang der 2000er Jahre noch mehr als 10 Prozentpunkte, 2017 nur noch 2,3 Prozentpunkte« (Quelle: Weser-Kurier). Freilich fehlen alle möglichen Angaben, um diese Behauptung zu verifizieren. Bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) lassen sich ein paar fehlende Angaben ermitteln (Quelle: BA):Erwerbspersonen & Arbeitslose
Zwar fehlt in der verwendeten Datenquelle (ab 1991) die Ost/West-Aufschlüsselung, aber es läßt sich aus anderen demographischen Angaben zumindest abschätzen, daß es 2017 etwa 43,9 Mio. Erwerbstätige gegeben haben müßte, von denen im Westen 1,81 Mio. und im Osten 0,69 Mio. als arbeitslos klassifiziert waren. In Prozenten sind das 5,2 (West) und 7,5 (Ost), also eine Ost/West-Differenz von (wie im Einheitsbericht angegeben) 2,3 %.
Die Unterschiede der Quoten sind ja nun wahrlich nicht groß (5,2 %, 5,7 %, 7,5 %), nicht wahr. Aber sie belegen auch, daß auf 100 erwerbstätige Personen im Westen 5 Arbeits­lose kommen, während es im Osten 8 sind, also etwa 1,5-mal mehr Arbeitslose. In der Realität ist offenbar der Unterschied gar nicht so geringfügig, wie er allzu gern mit manipulativem Impetus dargestellt wird.
Und noch eine „Kleinigkeit” fällt auf. Mit den BA-Daten ermittelt man nämlich für das Jahr 2000 einen Pool im Umfang von etwa 40,2 Mio. Erwerbstätigen. Bis zum Jahr 2017 ist diese Anzahl, so belegen es die Daten, um insgesamt 9,1 % (etwa 0,5 % pro Jahr) gestiegen. Und das in einer Zeit sinkender Bevölkerungszahl: Honi soit qui mal y pense.

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