Wahrheit

Lange, lange bevor ich Machiavelli (bzw. seine in „Il Principe” niedergelegten Empfehlungen) verinnerlichte, hatte ich instinktiv begriffen, daß man die Wahrheit gefälligst zu verstecken und im Inneren zu verbergen habe, als ob es sich um die fauligen Symptome einer ekligen Krankheit handele. Das begann schon während der jungen Kinderjahre, wenngleich ich es damals längst nicht hätte so formulieren können.

Wenn ich mir heute vergegenwärtige, daß ein Dienstherr (Onkel Hotte als Bundesinnenminister) im wesentlichen nur genau eine Formulierung von H.‑G. Maaßen für inakzeptabel hält und folglich als Grundlage für einen existentiellen Vertrauensentzug nimmt, empfinde ich mein Wahrheitskonzept als massiv bestätigt: »Aus meiner Sicht war dies für linksradikale Kräfte in der SPD […] der willkommene Anlass, um einen Bruch dieser Regierungskoalition zu provozieren« (Quelle: t-online.de).
Merke: Die Wahrheit ist nur willkommen, um egoistische Machtgelüste zu befriedigen.

42 Kommentare zu „Wahrheit

        1. Es gibt nur den Begriff Wahrheit an sich … rein theoretisch, in der Wirklichkeit ist sie praktisch nicht vorhanden, weil je nach Perspektiefe verschieden. Der alte japanische Film „Rashomon“ stellt das ja sehr plastisch dar.

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        2. … den Filmtip gibst Du mir jetzt, da ich gerade aus der Stadt wieder zurück bin. ^_^

          Und ja, ich stimme zu: Wahrheit ist (nur) eine theoretische Kategorie; es gibt sie nur theoretisch (also im Rahmen jeweiliger Annahmen, sprich Einschränkungen). Doch das Erreichen einer partikulären (weil halt eingeschränkten) Wahrheit ist noch lange keine Wahrheit für den Rest der Welt. Meistens kürze ich solche langen Sätze auf handliche Formate ein, beispielsweise hier: Es gibt keine Wahrheit.

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    1. nicht alle sind reif für die Wahrheit. Manche sterben dran ohne sie verstanden zu haben. Deshalb muss sie manchmal geheim bleiben und später vielleicht verstanden werden, dann kann man besser sterben.

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    1. N…nein, das Gegenteil von Wahrheit ist mitnichten Lüge, wenngleich mit Lügen Unwahrheit „erzeugt” werden kann.
      Ich hätte mein Wahrheitskonzept lieben so verstanden gewußt: Die Wahrheit muß gesucht, bewahrt, kontexturell gesichert und vor allem im Inneren verschlossen bleiben, bis und niemals bevor ihr Publikmachen eine zwingende Notwendigkeit ohne Alternativen ist.
      Und dieses gegenwärtige politische Possenspiel hat mich darin nur ein weiteres Mal bestätigt. 🙂

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      1. Hmm,
        Ursache – Ursache – Wirkung …
        Ergo bist du der atemberaubende und effektive Wahrheitssucher, welcher seine Erkenntnisse lieber unter den Scheffel stellt, um bei Zeiten aus der D …?

        Sieh es mir nach, ich verdamme mich selbst für meine schwache Potenzial-Umsetzung…

        Wahrscheinlich bin ich in meiner Verwirrtheit schon der 99ste Affe.

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        1. Nein, nicht einmal der Scheffel. Den übers Licht zu stülpen, ist ja seinerseits ein wissensbasierter Akt. Oder ein gefühlsbasierter. Zumindest etwas, das Außenstehenden die Fährte weist zu etwas Verborgenem. Nein, ich sehe, ich suche zu begreifen, ich lerne fortwährend, ich sammle und habe keinerlei Ambitionen, mit den – ich weiß, daß ich nicht weiß – immer in Stückhaftigkeit verharrenden Erkenntnissen an die Öffentlichkeit zu treten. Es sei denn, die Umstände würden es erfordern (= moralischer Zwang); derartige Ereignisse sind aber höchst unwahrscheinlich, werden also vielleicht in Hunderten von Jahren auf der Tagesordnung stehen…

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        2. Die Fährte weisen, erstrecht zu etwas Verborgenem hat ja was, auch unter Psycho-Aspekten (verbotene Früchte).
          Was ich spannend wie progressiv empfinde ist das Verbinden von unseren Stückwerken… auch um etwas Neues und vielleicht auch Größeres zu erschaffen.

          Meinst du nicht, daß wir gerade in dieser Zeit(-Qualität) leben, wo wir loslegen dürfen?
          Ich spüre gerade diese Diskrepanz in mir und im Außen (Thema: Doppelmoral, -Standards etc) – meine „moralischen Zwänge“ sind derzeit besonders getriggert – die Umstände stehen vor der Tür und schreien…

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        3. Ja, das Gefühl kenne ich auch. Und „Unzufriedenheit” ist eine wirklich starke Agens für Veränderungen. Nur halte ich einschneidende Veränderungen ohne praktikable Alternativen für brandgefährlich oder verwegen oder wie auch immer. Es kann gutgehen, blindlings ins eiskalte Wasser zu springen. Doch ist es nicht erfolgsträchtiger, vorher eruiert zu haben, ob es neue Ufer überhaupt gibt, die sich schwimmend erreichen lassen? *grübel*

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        4. Grübeln wir, vielleicht auch wir zusammen; denn neben der Unzufriedenheit kommt zumindest bei mir das Gefühl und auch ein bißchen mehr auf, daß man gerade dabei ist, uns als Menschheit, als Volk, als Kulturen gerade den Boden unter den Füßen wegzieht.
          Austausch und Kommunikation kann niemals verkehrt sein. Danke für den Austausch bis hierhin,
          Raffa.

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        5. Ja, da stimme ich unumwunden zu: Gedankenaustausch ist notwendig, aber auch – wie bereits anzudeuten versucht – schwierig, wenn man seine eigenen Gedanken noch gar nicht fassen kann, um sie auf die Zunge zum Aussprechen zu legen. ^_^

          PS: Auch Dir vielen Dank bis hierher und hoffentlich auch weiter.

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    2. es gab mal einen der die Wahrheit nicht versteckte. Der war so unerträglich, dass man ihm Hände und Füsse durchbohrte. Aus diesem Grunde würde ich nicht so mutig sein und mich lieber von Lügen beuteln lassen. Eine gewisse Feigheit ist auch nur eine Art, das Leben zu überleben. Wer aber an ein gutes Jenseits glaubt, der stirbt auch für die Wahrheit, seine Wahrheit – ganz gleich wie reif oder unreif sie ist – in tausend Bombenfetzen. Und manche feiern ihn (sie) als Helden oder verdammen ihn (sie) als Mörder. Und manchmal muss gelogen werden, um das Wahre zu schützen und zu bewahren und das Wahre muss aufgedeckt werden, um den Gestank der Verlogenheit aus den Fenster zu jagen. Auch die Lüge hat ihren Wert, ohne die die Wahrheit nie verstanden würde, nie geschätzt, noch gesucht. Ein süsser Schmerz begleitet jeden Wahrheitssucher bis er sie gefunden hat, dann tarnt sie sich in eine Lüge, weil sie nicht gefunden werden will, sie will niemanden gehören und gehört auch niemanden, darin liegt ihre Vollkommenheit.

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      1. Ja, werte Astrolady,
        das ist auch eine Sichtweise aus dem menschlichen Spektrum, der letzten abertausenden Monde- doch derzeit schreien die Steine doch schon arg – ist der geistige Tod viel grausamer, so man auf seinen zäh erworbenen Geist „steht“.
        Der Wahrheit auf der Spur spüre ich keinen süßen Schmerz – Vorfreude auf den Frieden ist da eher der Treibstoff… und der braucht sich meineserachtens auch nicht tarnen. —
        Anders herum stehe ich dir bei, alles nur Einstellungssache.

        Hab Mut,
        Raffa.

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        1. Ha! Ist jetzt die Zeit für eine „philosophische Extrarunde”? 🙂
          Astrolady sieht – wenn ich das recht verstanden habe – die Verheißungen des Paradieses als treibende Kraft, um gegen Anfeindungen den Kampf für die Wahrheit aufzunehmen. Bei Raffa ist die ‘Vorfreude auf den Frieden […] da eher der Treibstoff’. Scheint es nicht so, als ob der Mensch ein Ideal brauchen würde, an dem er (♀♂) sein Tun und Denken ausrichtet? Und ist es letztlich dann nicht einigermaßen gleichgültig, wie oder was dieses Ideal gedacht ist? Hauptsache: unerreichbar, sonst wär’s kein Ideal.
          So ein Ideal dürfte nichts mit der Prozeßkette „Ziel setzen, streben, Ziel erreichen” zu tun haben; das Leben einer (durchaus auch, aber nicht notwendig) bewußt handelnden Person besteht aus unzähligen solcher Elementarprozesse. Doch darüber bzw. dahinter muß es noch einen Leitstern (das Ideal halt) geben. Und schon sind wir beim Sinn des Lebens! Wie gesagt: eine philosophische Extrarunde. ^_^

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        2. Ha, ja –
          jetzt kann man philosophieren und dabattieren, das ist zum Teil auch gar nicht so verkehrt. Der nächste Step wäre dann jedoch der, aus dem „Elfenbeinturm“ heraus zu gehen – rein ins Leben, ausprobieren, Erfahrungen sammeln, in die praktische Erkenntnis zu kommen. Eine meiner theoretischen, wie auch praktischen Erkenntnisse ist: Wissen – Tun – Weisheit. Der Clou ist meineserachtens ist nach all dem Theorethisieren, daß es ein Regulativ gibt. Getraut man sich sich, das herunter zu brechen, bleibt etwas, was wir nicht messen können und doch als „Kompaß“ in jedem wohnt: unbedingte Liebe — und da braucht man keine Ideologien und Weltanschaungen – die Liebe sowieso nicht.
          Der Weg dahin, wie in die Erkenntnis ist das Spannende und der „Spielplatz“ auf dem wir uns austoben können und dürfen.

          Habe ich mich irgendwie verständlich ausdrücken können? – es ist ehe ausreichend Platz für einen fruchtbaren Austausch. Her damit, auch wenn das Medium Blog dafür dann doch etwas limitiert scheint.

          Liebe Grüße,
          auf geht´s in die Extrarunden…
          Raffa.

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        3. Tja, Rapunzel, ruf dein ‘Ha!’ herunter [vom Elfenbeinturm]… 🙂

          Im übrigen würde ich eine Begrenzung auf zwanghaft x Zeichen für kontraproduktiv halten, die es auf so manchem Zwitschermedium wohl gibt. Glücklicherweise nicht bei WordPress, weshalb es m. E. durchaus auch für Extrarunden genutzt werden könnte und sollte… 🙂

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