Chronosphären

Im Moment lese ich den Roman Das Geheimnis der verlo­renen Zeit von John Wray. Auf Seite 286 von ins­gesamt 733 Seiten kann ich mich des Verdachts kaum noch erwehren, daß auf der letzten Seite des Buchs eine Bemer­kung zu lesen sein könnte, die etwa so klingt: Was du beim Lesen an Zeit verloren hast, ist gar kein Geheimnis; es klebt in Form unzäh­liger Augen­blicke an jeder Zeile dieses Buches.
Aber man soll ja kein Buch vor dem Abend loben. Oder war’s der Epilog?
Nein, ganz im Ernst. Der Roman ist getragen von der Aussage, daß die Zeit nicht etwa als ein lineares, sukzes­sives Etwas zu ver­stehen, sondern von rotie­render Natur sei. Daß sie kreist, in Sphären, in Chrono­sphären. Seltsamer­weise drängt sich, dieses lesend, sofort der Roman Die Sirenen des Titan von Kurt Vonnegut ins Erinnern. Es ist beinahe körper­lich spürbar, wie die Zeit bei ihm in Kreisen durch das von ihm literarisch bear­beitete chrono­synkla­stische Infun­dibulum strudelt. Von dort ist es für die Asso­ziations­kette nicht mehr weit bis zu Viktor Schauberger und seinen Strömungen, Wirbeln und Trichtern…
Und plötzlich ist die Lese­liste wie von Zauber­hand um minde­stens ein halbes Dutzend Bücher länger geworden.

27 Kommentare zu „Chronosphären

        1. … doch gerade eben überkommt mich der Verdacht, daß irgendwelche Pflegepersonen wegen solcher Leserbriefe schon mal vorsorglich nach den Jacken mit den langen Ärmeln fingern. 😉

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    1. O ja, die ersten knapp 40% des Romans sind von einer unverschämt köstlichen politischen Inkorrektheit, daß es die Verknüpfung mit einem physikalischen Thema scheinbar gar nicht bräuchte. Aber ich möchte den Roman wirklich nicht vor der letzten Zeile loben… 🙂

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  1. Na, ob wir da in nächster Zeit von der Flitzpiepe lesen werden – denn letztendlich geht er
    mit dem Schauberger durch die Decke.
    Doch wenn er einen Bogen schlägt, kann man diesem verschmitzten Flitze-Typen dann doch noch das Wasser reichen — oder bei Bedarf abgraben — was bei all der Wortklauberei nicht ganz so sch(m)erzlich ist.

    Viel Spaß noch bei der Reise,
    Raffa.

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        1. Großväterchen sagte immer: »Erst de Piep in Brand un dann dat Peerd ut dem Growe« [erst mal die Pfeife anstecken und dann (erst) das Pferd aus dem Graben (holen)]. Aber er hat für sin Piep immer Tabak verwendet, kein Wasser (nicht mal zum Löschen 😉 ). Andererseits hatte der Venedig-Marco zwar Wasser im Überfluß, nur eben keinen Tabak. Und das ist wahrlich ein Grund zum Heulen, weshalb er nahe am Wasser…  Oder wie, oder was?? ^_^

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    1. Vermutlich ist diese Frage mit einem Ja zu beantworten. Nein! Sie muß bejaht werden. Allein schon wegen der (möglichen) Nebenwirkungen des Lesens: Horizonterweiterung, Vorurteilsschwund, Anwachsen der Phantasie-„Drüsen”, unermeßlicher Wissensdurst etc. ^_^

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        1. Du kitzelst meine anthropologisch-philosophische Ader. Schon wieder!? Wer bin ich, zu einem Thema antworten zu wollen, an dem sich seit Tausenden von Jahren denkende Menschen die Zähne ausgebissen haben? Aber nein, da Du nach meiner Meinung gefragt hast: Bis auf wenigen Träumern/Idealisten gestehe ich kaum jemandem den ‘Drang nach Menschwerdung’ zu. Vielleicht stehen wir deshalb da, wo wir jetzt stehen, weil der Drang nach irgend etwas, sich aus dem Menschsein (und nicht erst seiner Werdung) abgeleitet bzw. gerechtfertigt wird? *grübel*

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    1. … da hege ich Zweifel! Allein schon aus dem Grund, daß es soetwas wie „falsche Bücher” gar nicht gibt. Wenn überhaupt, dürften diese Tarnschachteln diesen Namen tragen, in denen Pornokassetten unter dem Anschein hoher literarischer Bildung das Recht zugebilligt bekamen, in der gutbürgerlichen Schrankwand auf ihren nächsten Einsatz zu warten. Allerdings sind das lt. UNESCO-Definition ja gar keine Bücher

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