seelenlos

Indem der Mensch mit seiner Umwelt inter­agiert, verän­dert sich die Wahr­nehmung dieser seiner Umwelt. Und Inter­aktion findet schon dann statt, wenn sie mit fragenden, schul­meister­lichen, roman­tisch verträumten oder blinden Augen angeschaut wird oder man nur an sie denkt.
Wenn der schauende Mensch aber beseelt ist, muß er dann nicht einen Abglanz der Seele im Besehenen, also in der Umwelt finden? Und zwar in jedem bedachten Ding dieser Umwelt. Somit hätte jeder Mensch zumindest soviel Seele wie ein Stein; manche aber auch kaum mehr.

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11 Kommentare zu „seelenlos

  1. Ungerne schreibe ich dir meinen Senf und Teile einer Selbstgesprächs-Schleife:
    „Für ´nen Appel und ein Ei, für ein Räppelchen und eine Tüte Prestige“;
    tun viele Menschen der Neuzeit so einiges — eben auch ihre Seele verkaufen, verlieren, vergessen oder sicheben diese abknöpfen…

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        1. Huch, das ist die Stelle, wo man einen bedeutungsvollen Blick aufsetzen und Unverständliches brabbeln muß, um den Teufelskreis zu durchbrechen.
          Etwa so: Die Vergangenheit ist vergangen, wird aber im Jetzt ins Jetzt projiziert. Das Jetzt aber ist die Schnittstelle von Vergangenheit und Zukunft, die aber ihrerseits nicht existiert, da die Zukunft nur ein Feld von Variationsmöglichkeiten der am jetzt gespiegelten Vergangenheit ist.

          Alles klar!? 😀

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        2. „Seit ich Notenbanker geworden bin, habe ich gelernt,
          in großer Zusammenhanglosigkeit zu murmeln.
          Wenn ich Ihnen über Gebühr klar erscheine, müssen Sie falsch verstanden haben,
          was ich gesagt habe.“
          Alan, der Grünspan

          Gehe ich recht in der Annahme, das dein Arbeitsumfeld solche Auswirkungen hat?

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        3. So halb und halb. Mein zweiter Name ist – ich muß es zugeben –, obwohl es nicht im Paß steht: Unverstanden. Aber daß das Unverständnis von meinem Unverstand herrührt, muß ich vehement bestreiten … zumindest des öfteren. *breitgrins*

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  2. Auch Goethe vertrat die Auffassung, daß das Sehen kein einseitiger und passiver Prozess ist. Das Auge gibt etwas (Licht/Seele) von sich an den Umkreis und nimmt etwas aus dem Umkreis auf. Seelen-Interaktion. Die heutige Verwahrlosung des Umfeldes ist Ursache und zugleich Ausdruck innerer Verwahrlosung. Henne oder Ei? Die Schrecken der letzten 4 Kriege hinterließen ihre Spuren im Innen und Aussen und wurden nie geheilt. Wie ein Süchtiger spiralt die Menschheit, besonders, aber nicht nur die Deutschen, in die falsche Seelenhaftigkeit. In die Theatralik, die Besessenheit, die Ekstase, die Bestialität. Es gibt nur noch wenig Natur und Naturseele, die einem selbstverständlich begegnen kann. Man muß sie inzwischen schon aktiv suchen. Im Seelenhaften der Natur aber wird regeneriert, was uns tagtäglich entzogen wird. Auf dem täglichen Weg zu und von unseren täglichen Verrichtungen schweift das Auge nicht mehr über natürliche und kultürliche Landschaft, sondern wird in quirlende Rotatoren hineingesogen, folgt Stromleitungen, stößt sich an Betonhochbauten, wird geblendet von LED Sternen in hartem Blauweiß und Rot, angefixt von Spiegelglas und von Straßenströmungen mitgerissen. Die Seelen abgedämpft, vermissen sie das Lebendige auch nicht mehr. Sie glauben, sie bräuchten die Natur nicht. Es lebt sich doch auch ohne sie und ohne Seele. Es genügt, Emotionen zu haben.

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    1. … und doch habe ich mit dem Ausgangsartikel weniger den Sehprozeß (und dessen Physiologie) als vielmehr den Denkprozeß im Auge (soviel Wortspiel muß sein) gehabt.

      Allerdings frage ich mich, ob der Satz: »Es genügt, Emotionen zu haben« nicht auch auf ein Ei-Huhn-Dilemma hinweist.

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      1. Stichwort „emotionale Inkontinenz“.
        Mein Augenmerk lag auf dem Seelenhaften. Daß sich Seelenhaftes über das Auge, das Sehen, am offenSICHTlichsten austauscht und nährt. Sagt man das einem Wissenschaftsjünger, also den Pseudo-Anhängern der Wissenschaft, erhält man das Label: Spinner. Obwohl die echte forschende Wissenschaft, angefangen mit Goethe bis zur heutigen Molekularbiologie, sehr wohl Hinweise dafür hat, daß Austausch sogar im Physischen stattfindet. Wo etwas im Physischen existiert, muß es auch etwas im Geistigen geben. Das, womit man sich umgibt, formt und beeinflußt also das Denken genauso wie Du es geschrieben hast. Das versteinerte Denken. Aber es ist nicht der natürliche Stein, der über tausende von Jahren sich in irdisch-kosmischem Umfeld gebildet hat, dessen Einzelkristalle sich nach ihrer Art verfestigt und im Zusammenspiel verbunden haben, durch vielleicht Wasser geformt und poliert, von einer Baumwurzel umschlungen, vom Wind abgeschliffen wurde. Nein, es ist der im Industrieprozess gepresste, gemischte, unter Zeittakt und womöglich krankhaften Architektenwillen zusammengesetzte Baustoff, der den Seelenwesen keine Nahrung mehr geben kann. Im Gegenteil. Vielleicht sollte man anstatt versteinertes Denken „Baustoff-Denken“ sagen?

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        1. Ich möchte dafür plädieren, in diesem Zusammenhang keinen neuen Begriff etablieren zu wollen. Braucht es denn einen zusätzlichen Begriff, wo nicht der Begriff verstanden werden muß, sondern das, was er beschreiben soll. Nämlich – und hier denken wir wahrscheinlich in ähnlichen Bahnen –, daß es möglicherweise einen Unterschied macht, ob wir uns mit Dingen und Menschen umgeben, die gewissermaßen eine „geschichtliche Aura” mit sich tragen, oder mit solchen, deren Facetten durch uniforme Prozesse allen Glanz verloren haben.

          Und ja, ich stimme zu, die Wissenschaftler (btw: das ist mein Lieblingsoxymoron) geben sich mit sowas nicht ab, weil es nicht in das Schema ihrer vier Wechselwirkungen paßt…

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