Knobelei

Gibt es einen signi­fikanten Unter­schied, wenn auf einer Treppe, die immer im gleichen Dreh­sinn aufwärts strebt, der mitge­führte Ballast (Regen­schirm, Einkaufs­korb, Müll­eimer etc.) in der linken oder in der rechten Hand getragen wird?

24 Kommentare zu „Knobelei

  1. Das ist eine interessante physikalische Frage. Dazu fällt mir sofort die Zentrifugalkraft ein. Sie berechnet sich aus dem Produkt der Masse in kg, der Winkelgeschwindigkeit² omega² und dem Radius r. Der Einfluss des Tragearms ändert also den Radius und damit auch die Zentrifugalkraft. Doch ich glaube die biologische Ermüdung des Tragearms der last wird größer sein als der Unterschied.

    Ich weiß ja nicht wie groß dein Treppenhaus ist und welche Winkel in welcher Geschwindigkeit transportiert werden habe ich mal das Beispiel aus der Wikipedia genommen.
    Ein Autofahrer mit der Masse von 70 kg (≈700 N) fährt mit 15 m/s (54 km/h) durch eine Rechtskurve mit einem Radius von 75 m.

    Die Zentripetalkraft ist dann 210 N. Wenn den Fahrer einen Meter nach rechts verschieben, indem wir ein Auto aus England nehmen mit dem Faher auf der rechten Seite, verändert sich der Radius um 74 m. Die resultierende ist dann etwa 213 N. Der Unterschied ist also nur 3 N. Eine Masse von 300 g hat etwa die gleiche Gewichtskraft. Bei diesem Beispiel sollten wir uns eins bewusst sein, dass der Fahrer eine deutlich höhere Masse hat als dein Balast und er ist vermutlich auch deutlich langsamer unterwegs.

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    1. Ach, die Tante Wiki ist doch ein altes Plappermaul! 😉
      Andererseits würde der brexikal tangierte Zeitgenosse (♀♂) nicht nur auf der anderen Seite des Autos sitzen (siehe oben erwähnten 1m), sondern auch auf der anderen Straßenseite fahren. Oder eben doch auf der gleichen Straßenseite, dann aber in entgegengesetzter Richtung; damit wären wir dann aber auch schon bei der Corioliskraft… 😛

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      1. In meinem Beispiel meinte ich ein Brexitauto auf Straßen mit Rechtsverkehr. Dort wäre der Fahrer um etwa 1 m verschoben. Und das hat eien sehr kleinen Einfluss auf die Kraft.

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        1. Richtig, aber bei dem Beispiel wollte ich zeigen, dass der Kraftunterschied klein ist. Du kannst gern mal dein Treppenhaus vermessen und dann kann ich noch einmal rechnen.

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  2. 🏰 In alten Burgen wendelt es (von oben aus gesehen) gegen den Uhrzeigersinn treppab. Somit hat der rechtshändige Verteidiger der Anlage, der sich in den Bergfried geflüchtet hat, mehr Platz zum Ausholen mit dem Schwertarm, während die von unten nach oben stürmenden Angreifer, für die es sich treppauf betrachtet im Uhrzeigersinn empor wendelt, kaum Platz zum Herumfuchteln gibt. Die Invasoren sollten also ein Linkshänderhaufen sein, wenn sie ein Stück vom Kuchen abhaben wollen, denn dann haben sie auf dem „Tortenstück“ der jeweiligen Wendeltreppenstufe genauso viel Platz für ihren Schwertarm, wie die oben verteidigen Rechtshänderburgsassen. 🙂
    ⚔️ Gut, das war jetzt eine eher militärhistorische, als physikalisch-mathematische Antwort. Außerdem betrachtete ich lediglich Lasten in Schwertform… 😉 (und schwafele mal wieder einfach nur vor mich hin)

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    1. So erging es – ich phantasiere mal munter vor mich hin – wohl schon so manchem Lehrer beim Korrigieren einer Klausurlösung: Der Ansatz ist genial, die Durchführung ist genial, doch im letzten Satz fällt eine Formulierung, die über all die bisher gezeigte Genialität einen grauen Schatten wirft. 😐

      Ganz im Ernst, der Exkurs in waffenklirrende Wendeltreppenhäuser hat eine verblüffende Übereinstimmung mit den Gedanken, die ich mir zu dem Thema machte, freilich ohne Waffen, Klirren und Wendel. ;-) Allerdings dürfte das Ausholen und Rumfuchteln für beide Parteien eher ein Herumstochern sein.
      Was sagt denn eigentlich der Militärhistoriker zu Krummsäbeln auf engen Wendeltreppenstiegen? 😀

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        1. Ach, nichts gegen Pipi! Auch aus militärhistorischer Sicht nicht! Sie hat so manche „Schlacht” siegreich geschlagen: Esprit und Kraft (offenbar hat jeder Kulturkreis seine Brynhildr, aber das ist eine ganz andere Geschichte ^_^).
          Aprops Geschichte: ich bin mit der Wendeltreppe noch nicht im reinen. Unbestreitbar ist es für einen Rechtshänder auf einer nach rechts aufwärtswendelnden Treppe schwieriger, Schwerthiebe zu setzen, als es auf einer entgegengesetzt drehenden Treppe wäre. Der über ihm im Rückzug kämpfende Verteidiger hat da einen kleinen Vorteil, den er in gebückter Haltung nach unten stochernd in einen furiosen Sieg umwandeln können soll. Ist denn dieses Szenario (so widerspruchslos es auch sein mag) nicht schrecklich unwahrscheinlich? Nachdem bereits sämtlich Schutzvorrichtungen versagt haben, rettet sich eine Handvoll Leute in eine „Mausefalle”. Tür zu, und man hat Geiseln für eine etwa einwöchige Lösegeldforderung. Falls keine Tür da ist, ein wenig Stroh auf dem Treppenansatz anzünden und den türlosen Eingang zur Wendeltreppe vermauern. Der oben gefangenen Meute dürfte es egal sein, ob sie auf einer links- oder rechtsdrehenden Treppe nichts zu essen oder trinken bekommt.
          Aber steigen die meisten Leute nicht von links auf ein Pferd (falls sie nicht als Kombüsenofen verkleidet ins Turnier reiten, wo sie mit Hilfe von Seilzügen aufgesetzt werden), weil bei Rechtshändern das linke Bein etwas kräftiger ist? Wendeln die Treppen sich vielleicht deshalb so oft nach rechts-oben, weil sie sich so leichter ersteigen lassen? Ergonomik im Mittelalter… 😉

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        2. Ebenfalls eine sehr bestechende Theorie! 🙂
          Um sich mit der kindlichen Sturheit einer Greta, äh falscher Film, Pipi nochmals der Schwertarmtheorie zuzuwenden: Vielleicht rechneten die Erbauer nicht mit einer echten Belagerung oder gar Ausräuchern, sondern spekulierten eher auf durchreisende Gelegenheitsräuber bei ihrem bauprägenden Bedrohungsszenario – also auf ein Gelumpe, das sich den Burgsassen in den Bergfried nachsetzend bereits von der Wendelrichtung des Treppenhauses demoralisieren und zum Weiterziehen bringen ließe? Oder der Treppendrehsinn sollte nicht die feindliche Moral schwächen, sondern die eigene stärken: Quasi steingewordenes Pfeifen im Walde, die beruhigende Vorstellung, beim Endkampf einer Belagerung wenigstens noch raumgreifend bergab stochern zu können – das wird’s dann womöglich doch noch auf den letzten Metern „reißen“ können?! 😁

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        3. … ist schon so, jede Zehntelsekunde Zeitgewinn, und wenn sie über architektonische Raffinessen gewonnen wurde, kann letztlich Leben retten, weil die Verstärkung gerade dann auch schon eintrudelt (siehe Blüchers Ankunft bei Waterloo).

          Ach, beinahe hätte ich es vergessen: Haben ‘durchreisende Gelegenheitsräuber’ das Recht und/oder die Gelegenheit, Schwerter zu führen oder sind sie eher mit Dolch, Käsemesser oder Stilett gerüstet (dann wäre doch aber der „Hubraum” für den Schwertarm noch weniger relevant).

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    1. Oh, zuviel der Ehre! ☺
      Ja es stimmt, Menschen sind manipulierbar. Alle Menschen, auch ich (sofern hier nicht zufällig ein Bot textet, doch selbst der ist es…). Und es stimmt, daß Waffen gebraucht werden müssen, um nicht zu rosten und stumpf zu werden; zumindest geistige Waffen werden schärfer, wenn sie benutzt werden, was sie deutlich von den martialischen Waffen unterscheidet. Aber es stimmt nicht, daß ich eine Fernsehsendung bräuchte. Ich rede mit Menschen und manipuliere sie (ungewollt) zwangsläufig oder auch mit Absicht, aber nie, um sie vor einer geifernden Zuschauermeute bloßzustellen, die johlend und schenkelklopfend ein (mentales) Blutbad erwartet…

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  3. jeder vernünftige Mensch wird die Last mit der rechten Hand tragen, weil er den kürzesten Weg nehmen wird und dieser ist immer – in einer Wendeltreppe – innen. Die Last also außen tragen, sonst verlängert sich der Weg und damit die Zeit, die man für die Last aufbringen muss .. LG PP

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    1. Zwei Sätze und so viele Attribute?! 😉
      Ist also, werd die Last mit der linken Hand trägt, ein unvernünftiger Mensch? Haben wir Menschen einen Sinn für die Kürze eines Weges? Warum gibt es dann aber Prokrastination? Und welcher „Sinn” dominiert, der des kurzen Weges oder der der langen Zeit? Oder vielleicht doch der „Sinn” des effizientesten Energieeinsatzes? Doch geht es beim Treppensteigen nicht im wesentlichen um Hubarbeit: Whub = m·g·Δh? Wo hat sich bei dieser Energieform die „Parität” versteckt?

      Hmm, da fällt mir noch eine Frage ein, die aber vielleicht zur Auflösung der Knobelei führen könnte. Gibt es im oben genannten Zusammenhang einen Unterschied zwischen Wendeltreppen und ihren „kastenförmigen” Schwestern? 😉

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      1. Ich sagte es schon und es ist ganz einfach: Wenn eine Last bewegt werden soll, ist der kürzeste Weg der leichteste und der ist nun mal innen und innen ist halt auch die linke Hand. Und du kannst nicht innen gehen, wenn etwa ein Kasten Wasser in der linken Hand dich mehr in die Mitte zwingt 🙂

        PS: Kennst du die Ivo-Regel? Professor Ivo von der Uni Frankfurt, wo ich Germanistik studierte mit Schwerpunkt Linguistik, hat einmal betont: „Kritisiere niemals die Sprache eines anderen, sonst geht dem das Messer in der Hosentasche auf.“

        Mal eine Gegenfrage: Suchst du die Wahrheit oder suchst du Recht zu behalten? Oder aber bist du nur ein gewitzter Dummkopf, der einfach nur blufft wie so viele im Internet. Kommt mir fast ein wenig so vor .. 😉

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        1. Oh, was für eine Schelte!? Wenn ich Recht habe, bin ich (nur) ein gewitzter Dummkopf, der die Wahrheit sucht. Allerdings weiß ich nicht, wem jetzt das Taschenmesser aufklappt. Andererseits halte ich das Zuklappen eines Messers in der Hosentasche für eine deutlich bemerkenswertere (weil gefährlichere) Situation.
          Und nein, ich bluffe nicht; ich versuche lediglich, mein Gegenüber zum Denken anzuregen. Mitunter führt das zu Denkergebnissen, die als Bluffen (fehl)interpretiert werden… ^_^

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