Über den Schatten springen

Vor ein „paar Tagen” habe ich auf diesem Blog in einem Kommen­tar behauptet, daß es so ziemlich das Ein­fachste von der Welt sei, über seinen eigenen Schatten zu springen. Dummer­weise behauptet die vox popoli kate­gorisch das komplette Gegen­teil, es sei unmöglich.
Der „Beweis” hat aber nicht deshalb so lange auf sich warten lassen, weil er so schwer zu erbringen wäre, sondern weil ich lange gebraucht habe, um ein (halb­wegs) geeig­netes Photo zur Illu­stration zu knipsen.
Es muß keine Brücke sein; eine in der Höhe angebrachte Leuchte, deren Licht­kegel ungestört nach unten weist, tut’s allemal. Wer physisch (und nicht etwa nur symbo­lisch) über seinen eigenen Schatten springen möchte, muß sich direkt unter der Leuchte hindurch bewegen (in der obigen Abb. entlang der Geraden gAL). Im Punkt A sollte er (♀♂) zu einem kleinen Sprung ansetzen. Ein Hüpfer reicht nicht, da ja über den Schatten gesprungen werden soll. Im Punkt L (L wie Landung) ist die hero­ische Tat auch schon voll­bracht. Während der eigene Schatten im Punkt A hinter einem liegt, befindet er sich im Punkt L vor einem, d. h. im Gipfel­punkt G befindet sich der Proband über seinem eigenen Schatten, der soeben über­sprungen wird.
Damit es gelingt, jetzt noch ein paar Angaben zur „Dosierung”. Damit die Augen­zeugen auch Gele­genheit haben, das Experiment zu filmen, sollte die Sprung­parabel nicht zu klein gewählt werden. Sagen wir: Absprung­geschwin­digkeit etwa 15,6 km/h, Absprung­punkt A etwa 90 cm vor dem Lot-Fußpunkt der Leuchte und Absprung­winkel etwa 35°. Das reicht für eine Sprung­höhe von etwa 31,5 cm; ist also selbst für untrai­nierte Sport­muffel durchaus erreichbar.

14 Kommentare zu „Über den Schatten springen

    1. Die ‘gefühlsmäßige Seite’ hast Du m. E. gut dargestellt. Doch welchen Einfluß hat die soziale Prägung? Für viele ist doch „schneller, höher, weiter” die Lebensmaxime schlechthin. Wird denn oftmals bewußter Verzicht nicht zum Anlaß genommen, Mitmenschen als Versager, Feiglinge oder spinnerte Asketen zu etikettieren? Was macht das mit den Gefühlen, immer unter dem Druck zu stehen, Maximales anzustreben und möglichst schnell und direkt auch zu erreichen und zugleich Phasen des Rückzugs und der Regeneration als Schwäche oder als Tiefpunkt vorgehalten zu bekommen?

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        1. Ich wollte darauf hinaus, daß in Deinem Artikel die Überwindung des „inneren Schweinehundes” (also das über den eigene Schatten Springen) erscheint, als wäre es ein isoliertes, nämlich reinweg persönliches Problem. Und ich sorgte mich um den gesellschaftlichen Einfluß, der permantenten Maximalerfolg einfordert, was auf die Dauer weder gesund noch praktikabel sein kann.

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        2. Achso, okay. Danke für die weitere Ausführung.
          Zu dem Punkt, dass der Druck von außen nicht gesund ist, kann ich nur sagen, was ich immer wieder sage: Wir alle sind toll und unsere Schwächen gehören zu uns. Allerdings weiß ich aus eigener Erfahrung, dass das nicht immer hilft. Doch ich kann mich auch nicht irgendwo hinstellen und sagen: „Haltet diesen Druck aus! Werdet zu Außenseitern!“ Dann ist auch keiner glücklich.
          Ich kann nur jedem raten sich die richtigen „Wegbegleiter“ aussuchen, denn dann interessiert einen das Gerede der Außenstehenden meist nicht mehr so viel.
          Ich denke aber trotzdem, dass das überwinden des eigenen Schattens ersteinmal nur alleine geschafft werden kann. Okay, nein, man muss die Idee ersteinmal alleine haben. Denn richtigen Sprung kann man auch mit anderen zusammen machen.
          rahellyelli

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        3. Hmm, ich sehe da sehr viele Übereinstimmungen. Und selbstverständlich muß jeder selbst über seinen eigenen Schatten springen. Nur sollte es zu fragen erlaubt sein (und frei entschieden werden können), ob man bei jeder Gelegenheit dieses Bravourstück riskieren sollte, nur weil es andere pauschal verlangen…

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        4. Ja, das stimmt leider! Vor allem in unserer heutigen Welt, wo alles und jeder, alles und jeden mitbekommt. Wie kann man sich da noch eine eigene Meinung bilden und aus den „richtigen“ Gründen handeln. Vor allem: Was sind die richtigen Gründe?

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