Sprachretardation

Fragt man zur Abwechs­lung nicht Tante Wiki, sondern Onkel Konrad um Rat, findet man unter dem Punkt 4.a den Hinweis, daß es sich bei Sprache um ein „sich entwickelndes System [… handelt], das einer Sprach­gemein­schaft als Verstän­digungs­mittel dient”.
Was sagt es über unsere Gesell­schaft aus, die eben auch eine Sprach­gemein­schaft ist, daß die defini­torisch geforderte Entwicklung des Sprach­systems unüber­sehbar von Ratar­dation und Zerfall gekenn­zeichnet ist?

16 Kommentare zu „Sprachretardation

  1. Nun, im heutigen Zeitalter, mit der Möglichkeit der Dauerbeschallung und -Propaganda brauchen wir einen „Neuen Konrad“ oder auch einen Definator.

    Verzeih, ich verweise ein weiteres Mal auf „1984“ und das wohl nicht letztmalig.
    Deine Feststellung über den Zustand der Sprache kann ich natürlich beipflichten, so es ja auch die Blaupause, nicht nur bei der von mir vorgenannten Zahlenkombination, für das Handeln im Hintergrund ist (;-).
    Für viele scheint es verschwörerisch bis weit weit weggeholt, da wir derzeit in diesen Breitengraden einen wunderbaren babylonischen Mix ans Ohr gehaucht bekommen.
    Lassen wir dieses womöglich sich hier auftuende „Neben-Thema“ mal beiseite und gehen weiter:

    Kann es sein, daß da jemand die „Zeichen einer gewissen Zeit“ zurück drehen will?
    Zum einen über die Reduzierung von Sprache und letztendlich auch von Sprachen. So wird in Zukunft doch nur ein (Sklave), sorry Mensch benötigt, welcher mit möglichst wenig Vokabeln dienstbar und lebensfähig ist…

    Mein Verdacht geht in Richtung „eine Sprache“ und das Projekt ist mehr als in den Startlöchern weltweit.
    Die zarten Gemüter, welche zurecht den Knigge hochhalten mögen jetzt bitte wegschauen:

    Alles läuft auf diese, wie ich sie, als alter Anglistik-Student, immer nenne:
    „Fucking-Obey-Language“ hin. Eine wunderbare Sprache mit hervorragenden Imperativ-Fähigkeiten, wunderbar teuflischen Doppeldeutigkeiten (do you understand!!(;-)) und ebenfalls wunderbar einfacher Grammatik.

    Gerne darf man jetzt hier über mein akademisches Potential sinnieren, warum ich wohl diesen Studiengang gewählt habe.

    Alles Liebe,
    Raffa.

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    1. Ich muß in der Tat meine Schuld eingestehen: Ich hatte einfach nicht die Muße, einen Gedankenbogen zu spannen zwischen Klemperers LTI und Orwells Vision einer maximal reduzierten Sprache. Und ich gebe zu, daß ich die globale Vereinheitlichung der Sprache weg von Kommunikation hin zur rein funktionalen Befehlserteilung so nicht im Fokus hatte. Doch gerade in diesem Zusammenhang frage ich mich nun, ob sich nicht der nationale Chauvinismus als der rettende Strohhalm erweisen könnte, der die sprachliche Uniformierung aufhalten (wenn schon nicht verhindern) könnte.

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        1. Wieso urplötzlich aus heiterem Himmel Chauvinismus ins Netz regnet? Hach, da war der Tippfinger wieder viel fauler als das Assoziatiosbüro dort oben im Denkhügel…

          Also: Die Obrigkeitskaste wird immer reicher und mächtiger, was letzten Endes nur dann zu einem unangreifbaren Status (zumindest zu einem nur schwer angreifbaren) führt, wenn das Dominanz- bzw. Hegemoniebestreben grenzenlos los. Im wahrsten Sinne des Wortes, nicht nur auf einen Clan oder ein Land bezogen, sondern global agierend (perspektivisch sogar im Weltall). D.h. für die Machtseite wird die „Gegenseite” ein uniformes Etwas sein, das radikal ausgebeutet (sprich: bis aufs Leben ausgenutzt, ausgepreßt wird). Betonung auf „ein uniformes Etwas”. Also eine Sprache, ein Ausbeutungskonzept (= mental bis zur Bewutlosigkeit sedieren und zu chip-basierten Empfängern von Befehlssequenzen à la Borgistan machen), keine Individualität. Also auch keine nationale Individualität, keine Nationalkultur, kein Kulturerbe etc.

          Auf der anderen Seite gibt es (und gab es immer schon) nationalen Chauvisnismus. Wahrscheinlich ein atavistisches Erbe, was jahrhundertelang mit einer kulturellen Schminke zu übertünchen versucht wurde. Diese bröckelt aber immer dann, wenn die Umstände zu einer (gar nur gemutmaßten) Ressourcenverknappung führen (= dieses Jagd- oder Sammelrevier ist meins; mein Interesse steht höher als das der anderen, die doch eh nur Affen sind, die sich zurück in die Savanne scheren sollen). Chauvinismus der egoistischsten Form!

          Dieser gierige und egoistische Chauvinismus – so abstoßend und verdammenswert er auch sein mag – wird aber dafür sorgen, die Claims zu sichern und zu bewahren, in denen dieser gepflegt und gehegt wird. D.h. es wird Widerstand geben gegen die Uniformierung von Sprache und/oder Kultur. Chauvinismus wird den Prozeß der Ent-Individualisierung zumindest verlangsamen (wenn er ihn auch nicht aufhalten können wird). Möglicherweise wird diese Funktion dermaleinst das Beste (wenn auch einzig Gute) am Chauvinismus gewesen sein.

          ————————————
          So, das ist die Kurzfassung des Gedankenwirbels, der zum Verwenden des „bösen” Worts in meinem Kommentar geführt hat. Konnte man das tatsächlich nicht zwischen den Zeilen mitlesen?! 😛

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        2. Ich verneige mich vor dem Wirbel und auch dir.
          Mein kleiner Gedankenhauch, beim Lesen deiner Worte beschränkte sich nur auf ein Wort von Mutti:
          „Alternativlos“
          Ergo können wir Muttis Aufgabe und Rolle wunderbar in dein Resumee legen, bzw. daraus erkennen.

          — Andersherum -es bedarf wohl einer Koalition der Sippen, Stämme, doch bitte auf der Basis von Logik und Liebe – wo wir wieder beim „meinem“ Anarchie-Ansatz sind… hmmm

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        3. … das ist doch aber kein Wunder! Ein stimmiger Ansatz, der so manche Verbesserung mit sich bringen würde. Oder anders: Hätte ich einen Punkt zum Meckern gefunden, hätte ich doch längst die Lanze zum Turnier gehoben. ^_^

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        4. … und nicht nur das Pferd, auch den Blechanzug aus der Pfandleihe. Würden denn zwei gleiche Wappen gegeneinander reiten, wo Blut doch dicker sein soll als Wasser? Oder ist eine Verästelung des Stammbaumes gemeint, die bislang im Nebel lag?? ^_^

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        5. Ich sollte vielleicht selbst mal´nen Schluck aus der Pulle nehmen,
          vergaß ich doch gänzlich, daß ich in einem Metier zu Hause war, wo „Wasserträger“ unabdingbar waren – mon Capitain… (;-)

          Laß´uns daher teilen… – nahezu was auch immer…

          Merci.

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  2. Die Sprache lebt und entwickelt sich fort in allen Gesellschaften, nicht nur der unsrigen. Wer das als „Retardation“ und „Zerfall“ anprangert, mag entweder seiner persönlichen Wertung auf den Leim gehen oder will einfach nur provozieren oder es geht im gar nicht um die Sprache, sondern darum, seine Spitzfindigkeit zur Schau zu stellen.

    Was ich anprangere ich die Rechtschreibreform, weil der Duden eben die Aufgabe hat, die Sprache und ihre Veränderung im Nachhinein aufzuzeigen und nicht, natürlich Gewachsenes mit Gewalt zu verändern.

    Du verfügst über die Gabe, das Einfache zu verkomplizieren. und wenn du keine Antwort mehr hast, rekurrierst du auf Nebensächlichkeiten. Geht es dir wirklich um die Fragen, die du stellst oder um dich selbst, darum dich hier selbst darstellend in den Fokus zu rücken?

    Das sei dir gegönnt. Ich kritisiere dich nicht, sondern gebe nur Antwort und sage meine Meinung. Ich kann mich immer irren, bin nicht der Klügste und verwende kaum Fachterminologie: Wir sind ja nicht in einem wissenschaftlichen Seminar, wo die Erstsemester mit Fremdworten bluffen .. LG PP

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    1. Ach naja, aus dem Alter bin ich raus, in dem ich mich darum sorgte, ob mich meine Mitmenschen fair bewerten. Es ist müßig, gegen dümmliche Vorurteile anzukämpfen. Ich gebe diesen Vertretern Recht und habe meine (Seelen)Ruhe.

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