Demut

Seit längerem frage ich mich, wann der Mensch Ehrfurcht und vor allem Demut vor der Natur verloren hat. Aber vielleicht ist diese Frage völlig unange­messen? Vielleicht geht es weder um Ehr­furcht noch um Demut?
Nun mag es ein wenig über­trieben sein, Mutter Erde darum zu bitten, auch nur eine einzige Beere von einem ihrer Sprößlinge zu pflücken. Ist es aber nicht ebenso über­trieben, wenn homo sapiens, der wissende Mensch, mit all seiner geballten Unwis­senheit (jaja, ich zahle schon 5 € in die Wort­spiel­kasse!) seiner Umwelt ohne Rück­sicht auf Verluste so gnaden­lose Gewalt antut, daß früher oder später die Öko-Nischen jeder Spezies zu kargen Wüsten werden? Übrigens auch die der Spezies Mensch.
Doch wie kann man Demut vor der Natur erwarten, wenn es dem Menschen im wesent­lichen an Demut vor der Umwelt, also auch vor seines­gleichen gebricht?

14 Kommentare zu „Demut

  1. Na, so verkehrt ist deine Fragestellung mal nicht,

    doch in dieser Postmodernen, wo Toleranz ein wenig umgedeutet wurde
    und mit den Ideologien vermischt wurde,
    wo wir entweder selbst Götter sind oder auch nur ein minimaler „Schiss“ des Zufalls,
    bleibt das, was du festgestellt hast, doch unausweichlich.

    Na, und wenn in diesem Rahmen der Neuen Welt auch noch die Bedetung andere Worte,
    welche auch hier in den Fokus gestellt sind, ein wenig ummoduliert werden…

    Ähh, was war das Thema: Fülle für alle ist grundsätzlich da??
    Klar, von mir kein Widerspruch!

    Alles Liebe,
    Raffa.

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    1. Ich bin ir nicht sicher, ob die ‘Fülle für alle’ wirklich ein erfolgsträchtiges Konzept ist. Sein kann. Oder ganz genau: sein darf. Zieht denn ‘Fülle für alle’ nicht zwangsläufig ein Ich‑nehme‑mir nach sich? Das funktionirt bei Rechten mitunter ganz gut (= ich nehme mir das Recht … heraus), ist aber seit langem streng reglementiert, wenn dieses Ernten der Fülle auf der einen Seite die Fülle der anderen Seite beschneidet (Tausende von Gesetzestexten künden davon, religiöse Gebotstafeln wollen mitreden, und Moralkonzepte etc.).
      Die Fülle ist wie das kostbare Sonntagsservice aus der Kredenz: Es ist gut, daß man soetwas hat, aber es wird nicht benutzt, nicht für Alltägliches mißbraucht (es könnte nömlich Schaden nehmen und wäre dann eben nicht mehr wertvoll), es wird allerhöchstens zu ganz, ganz besonderen Anlässen gezeigt…

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  2. „Nix muß – alles kann“ , bekannt aus Kontakt-Anzeigen und Swinger-Clubs, wäre doch ein erster Schritt… – hin zu einem Frieden, der in uns beginnt (Die Sache mit dem „Nicht-mehr.Müssen-müssen).
    Naja, obwohl wir diese Fülle ja haben (welche jedoch auch derzeit besonders „link“ abgezockt wird), ist es eher eine Frage der Verteilung.
    Überleg bloß, daß wenn wir alle in der Liebe wären, … dann braucht man weder Gesetze noch Gebote – doch dem stehen wohl ausreichend Beamte und Pfaffen entgegen…(;-)

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    1. Ja, ich habe es Deinem Blog und – vor allem – Deinen Kommentaren entnehmen können, daß Du unter der vorurteilsfreien Liebe mächtige Möglichkeiten verstehst. Da kann ich nur zustimmend nicken, wenngleich der Agnostiker in mir Einwände geltend machen möchte. Vor allem auch solche, die gegeseitig akteptierte Regeln (abgesprochene oder situativ erfühlte) als verbindlich voraussetzen. Aber sind das aus prozessualer Sicht nicht lediglich Ver- und Gebote?

      Und ist Verteilung, die nicht aus dem Herzen kommt, nicht letztlich ein Ergebnis von Gesetzen und Vorschriften? Und da sind dann, da stimme ich ohne Wenn und Aber zu, die Beamten des Staates und eben auch der Religion in ihrem Metier.

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        1. Ach, immer diese Fangfragen! 😀
          Was der Agnostiker zur Erkenntnis sagt? Vielleicht sagt er, geh aus dem Weg, ich erkenne nix. 😉

          Nun, wenn die Mengenmitglieder austauschbar sind, hat man es dann nicht mit einer – wie die Statistiker sagen – Pseudokorrelation zu tun, bei der die „Wahrheit” eine Ebene höher zu suchen (und im besten Fall) zu verstehen ist?

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        2. Räuberleiter!? Ich danke Dir für das Heraufbeschwören dieser Erinnerung. Ach, wie lange ist es her, daß ich dieses Wort benutzte. Von der Steighilfe oder dem Angebot, diese sein zu dürfen, ganz zu schweigen. ☺

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    1. Der Mensch ist zur Mustererkennung in der Lage (und hält, da andere Tiere darüber nicht ihm reden, sie für eine einzigartige Begabung), dennoch hat die retrospektive Plausibilisierung durch „kittende Versatzstücke” in den allermeisten Fällen nichts mit Ursache-Wirkung-Ketten zu tun und geht aller Wahrscheinlichkeit nach an den Fakten vorbei.

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      1. Naja, im Endeffekt ist ja jeder Außenseiter der nur die Fetzen der Situation wahrnimmt, die er auch noch selektiv selbst gewählt hat, jemand der sich das ganze irgendwie „schön redet“ oder seinem eigenen Wunsch nach, erklärt. Im Prinzip gibt es ja unendlich viele Möglichkeiten für jede Situation und Sache. Denk ich mir zumindest. Getreu Pippi Langstrumpf..ich mach mir die Welt..usw. Nur das mir diese Welt eben nicht gefällt 😆

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        1. Ja, da stimme ich zu: Die wenigsten von uns haben zu einem konkreten Sachverhalt einen umfassenden Tiefenblick. Um so erstaunlicher ist es für mich, daß dennoch so viele von uns zu jedem Sachverhalt Ansichten publizieren, die vielleicht schöngefärbt, aber beileibe nicht von solidem Faktenwissen getragen sind.

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