Geringschätzung

Mann! Was war ich heute wieder dünn­häutig! Treue Leser – vielen herz­lichen Dank dafür! – wissen es ja, daß ich derzeit (nur) Kontingents­mitarbeiter bin. Das ist ein (nicht gerade schmeichel­hafter) Euphemismus für einen Zeitarbeiter, der anläßlich eines dringlichen Projektes von einer Zeit­arbeits­firma in ein Unter­nehmen entsandt wird und sich nach Projekt­ende oder irgend­einer Frist wie ein Komet in den kalten dunklen Weiten außerhalb der habitablen Zone verliert.
Ich habe die letzten Wochen geackert wie eine – mit Verlaub! – Rummelnutte, um eine Hürde zu meistern, die bislang von allen gerissen wurde. Gestern hätte Ziel­einlauf sein sollen. Die Chefin meinte jedoch, daß wir wegen termin­licher Engpässe die finalen Schritte (4-Augen-Prinzip und all dieses Gedöns) lieber heute früh bewerk­stelligen sollten. Gen Mittag – ich wunderte mich schon, von dem aktuellen Fall so gar nichts zu hören – meinte die Zwei-Federn-im-Dutt-Chefin, das Teilprojekt sei doch längst schon abge­schlossen worden, nämlich gestern abend…
Aha?!? Daß ich nur als Daten­fuzzi geduldet werde, ist mir durchaus bewußt. Daß die Lorbeeren eines erfolgreich abge­schlossenen Teilprojekts lieber den Sieges­kranz eines indigenen Mitarbeiters schmücken sollen, als einem Kontingents­mitarbeiter als Würze zu dienen, kann ich verstehen. Aber warum wird auf elementare Formen menschlichen Beieinanders verzichtet, nämlich auf Kommunikation? Und warum geht mir derartig menschen­verachtendes Gehabe so an die Nieren? Mann, was bin ich wieder dünnhäutig!

6 Kommentare zu „Geringschätzung

  1. Zurecht! Da es kein „richtig“ in einem falschen System gibt, darfst Du zurecht dünnhäutig sein! Turbokapitalistischer Ausbeutungswahnsinn trifft nur all zu oft auf sozial defizitär gestrickte subaltern-ausführende Elemente, die ohne Empathie und Reflektionsvermögen grob fahrlässig bis partiell vorsätzlich auf den Nerven der letzten überlebenden Feingeister herumtrampeln… Vollstes Verständnis meinerseits!

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  2. Jetzt muss ich dir Recht geben. Zeitarbeit ist in meinen Augen eine Form des Sklavenhandels. Ausbeuterei. Manche geben sich doppelte Mühe, weil die Option zur Festeinstellung winkt. Ist alles gelogen, damit sich der Sklave richtig einsetzt und viel Mühe gibt. Eine Ausuferung des Kapitalismus .. LG PP

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