der andere Grund

Zugegeben, es spricht einiges für die Indizien­kette, mit der Anthro­pologen erklären, was den Vertretern ihrer Spezies den Anschub gab, zu dem zu werden, was sie heute sind, nämlich Menschen. Mit der Zähmung des Feuers konnte die Nahrung besser verwertet werden. Damit wurde die Nahrung leichter verdaulich und es stand mehr Energie für körper­liche Belange zur Verfü­gung, die sich aber nicht an den üblichen Stellen als Fett­pöl­sterchen ansiedelte, sondern zu einem gehörigen Wachstums­schub der grauen Masse führte, die nämlich zu erheb­lichen Teilen auch bloß aus Fett besteht…
Vielleicht wurde bei dieser Gelegenheit auch gleich der aufrechte Gang erfunden? Schließlich mußten die Altvor­deren einen langen Hals machen, um über das Savannen­gras hinweg die nächste Currywurst- oder Dönerbude ausspähen zu können.

Klingt ja alles recht plausibel, und doch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Erfindung der Ausrede der entscheidende Schritt zur Mensch­werdung war. Die Zwillings­schwester der Ausrede ist die Schuld­zuweisung (freilich immer an andere), wobei nicht mehr nachweisbar ist, wer von den beiden Schwestern die ältere ist.

22 Kommentare zu „der andere Grund

  1. Wie flott schmeißen wir die Selbstverantwortung und den „A… inne Buchse“ über Bord?

    Tja, wie der geschätze Schreiber schon schrieb, die „Baustelle“ gab es dann blöderweise von Anbeginn,
    wohl als wir feststellten, daß wir einen „freien Willen“ haben und doch keine „Roboter“ sind. (Nun gut, wir entwickeln uns geistig wieder und stetig zurück auf das Niveau von Tieren …)

    An anderer Stelle ist es fein beschrieben, die Handlungs- und vorallem Denkstruktur:
    „Das Weib war/ist schuld …“ [welches DU mir gegeben hast!]
    Tja, die „schwachen Kerle“ – watt willze machen?

    Alles Liebe,
    Raffa.

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    1. Naja, diese ganze Ausrederei „greift” ja nicht erst mit der Selbstrechtfertigung Adams, sondern einigermaßen sicher schon eine Ebene darüber! Schuf der Mensch nicht Gott nach seinem (des Menschen) Bilde? Nämlich als Rechtfertigung für die Dinge, deren Verständnis nicht eindeutig und klar auf der Hand oder vor den Augen steht, und deshalb an eine „höhere Instanz” delegiert werden kann und freilich auch wird. 🤔

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      1. Gehe ich ein paar Schritte in deinen Mokasins,
        so frage ich mich, wer denn dieses geniale Konstrukt geschaffen hat und

        — und jetzt wird es erst recht spannend oder eben „gruselig“ —
        warum sich die Menschen seit Ur-Zeiten so schwer tun, auch nur ansatzweise das umzusetzen, von dem wir da noch lesen können.
        Es liegt auf der Hand, daß wir irgendwie auf das Gegenteilige zielen oder mit „unkompletten Versionen“ (incl. der „Ausrederei“) vorlieb nehmen.
        Resultate sind bekannt, selbst wenn man den Historikern nur die Hälfte abnimmt.

        Intention und Prinzip sind und waren für jeden Fischer und Schafhirten erkenntlich, gut, „ein paar“ brauchten eine Ausbildung von 3 1/2 Jahren.
        Zum Vergleich haben mich meine 13 Semester der „angewandten“ Geisteswissenschaften nicht wirklich weiter gebracht.
        Na ja, mittlerweile kann ich schon zu vielen meiner Aussetzer und „Schandtaten“ stehen …
        insbesondere zu meinem kryptischen Geschreibsel.

        Alles Liebe,
        Raffa.

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        1. Na, Du kannst Fragen stellen!!! Wie kannst Du mit diesem (unschätzbaren) Vermögen auch nur eine Sekunde lang die 13 Semester in Zweifel ziehen? Habe ich es nicht schon irgendwann mal hier hingepinselt: Gut zu antworten ist viel wert, aber tausendmal wertvoller ist es, gut zu fragen… 🙂

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        2. Ich bin einigermaßen sicher, daß es einen deutlichen Unterschied gibt zwischen den Fragen, die zu stellen man nach x Semestern in der Lage ist, und den willkürlich sprudelnden Fragen eines noch naiv suchenden Kindes. Schulmeisters Verlegenheit dürften beide besiegeln, aber der eine Typ Fragen piekst – bildlich gesprochen – willkürlich irgendwo auf den Globus, während der andere gezielt nach Wegegabelungen, Marschrouten oder unüberwindlichen Hindernissen fragt…

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        3. Wiedermals durchschaut ist der kleine Narr,
          welche blöderweise ja dieser „Kausal-Ketten-Fetischist ist. Wahrscheinlich begründet durch diese eine Zeit in der Nähe der „geistigen Elfenbein-Türme“ und blöderweise noch garniert mit diesem „ur-zeitlichem“ Warum???.
          Als Kind der Straße habe ich wohl auch noch ein Faible für … und kann zum Verplatzen nicht loslassen –
          doch wie schön ist es, Wegefährten und Komplizen an seiner Seite zu wissen, welchem einem dann auch noch, dankbarerweise, ihren Spiegel hinhalten….

          Merci vielmals
          für die spiegelgleichen Buchstaben,
          Raffa.

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        4. Ach, zuviel der Ehre! Der „Orden” würde das Revers zwar schmücken, nur steht er mir nicht zu. Ich habe ein bißchen in der Buchstabenkiste herum·gescrabbled und mir mit ein bißchen Westentaschenpsychologie ein paar Textschnipsel zusammengereimt. Dieses Bild im Vergleich zu dem, das Dich naturgetreu abbildet, würde jeden Spiegel blind werden lassen (wahrscheinlich weil er sich scheckig lachen würde)… 😉

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        5. The One who laugh last …
          can´t be the Mirror,
          but the Jester behind …?!

          Und wie hieß es bei den alten Fahrensleuten?:
          „Fröhlich pfeiffend zogen sie weiter….“,
          wohl auch mit dem Putzlappen in der Hand (;-)
          Freue mich schon auf den nächsten Jahrmarkt,
          bis dahin,
          Raffa.

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    1. Es ist ja auch sehr schwer, einen Fehler einzugestehen. Das ist schon sich selbst gegenüber schon schwer genug und noch tausendmal schwerer, anderen gegenüber eigene Fehler zuzugeben. Und wozu dieser Aufwand, die anderen verdecken die Wahrheit ja auch…
      Aber es gibt trotzdem Menschen, die zu ihren Fehlern stehen und diese als Gelegenheit ansehen, auf dem Weg zur Vervollkommnung einen Schritt voranzukommen.

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      1. Also, ich bevorzuge es ja, meine Fehler einzugestehen. Ist irgendwie doch noch einfacher, als sich mühsam selbst zu belügen. An letzterem arbeite ich immer noch intensiv, aber klappt selbst in biblischem Alter immer noch nicht so wirklich.

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        1. Ich kenne nur wenige Leute, die diese Größe hätten – also die Größe, sich selbst (und folglich auch den anderen gegenüber) Fehler einzugestehen. Umso mehr bewundere ich sie.

          Doch was ich so gar nicht verstehe, sind die Anstrengungen, sich darin vervollkommnen zu wollen, sich selbst belügen zu können. Mich würde ein solcher Ansatz zerreißen. Doch was weiß ich schon? Die von mir verfolgte Strategie hat mich bisher auch nicht glücklich gemacht (siehe hier); aber sie räumt immerhin eine realistische Wahrscheinlichkeit ein, irgendwann doch vom Rand der Erdscheibe zu stürzen…

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  2. Tja, ich habe schon einiges an Anstrengungen auf mich genommen in Sachen sich selbst zu belügen. Oder sich das Leben schön zu reden. Wie gesagt, ich scheiterte daran und habe es zwischenzeitlich etwas zermürbt aufgegeben.

    Wenn ich wüsste, wo der Rand der Erdscheibe ist, wäre ich schon da und munter runter gesprungen. Wobei man dann ja auch nicht weiß, wo der Sprung endet. Schlimmer geht bekanntlich immer.

    Und so werde ich wohl die nächsten 25 Jahre – von der Realität gebeutelt – irgendwie durchhalten.

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        1. Naja, die Mitglieder dieses Clubs haben spielend in einer Telephonzelle Platz. Vielleicht ist die Wahrheit sogar noch ein wenig gruseliger: Da Telephonzellen für die Jahresversammlungen bestimmter Clubs überdimensioniert sind, werden sie flächendeckend deinstalliert (also die Zellen, nicht die Clubs)… 😁

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  3. Mhmmm, Telefonzellen gibt es ja seit geraumer Zeit eh nicht mehr sonderlich viele. Dann weiß ich jetzt, warum die letzten auch noch verschwunden sind.
    Aber davon mal abgesehen kann man sich selbst das positiv zurecht biegen: Exquisite Clubs haben einfach nicht so viele Mitglieder. Das ist also eher ein Qualitätsmerkmal, wenn die alle sogar bei der Jahresversammlung nur eine Zelle benötigen.
    Das Wochenende bleibt also gerettet. Das versauen Sie mir nicht.

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    1. Ach was, das Wochenende wollte ich Ihnen nicht trüben! Eher schon das Gegenteil davon, also ein angenehmes (Rest-)Wochenende und einen besinnlichen 2. Advent. 🕯🕯

      Und was ‘Exquisite Clubs’ angeht, bin ich mir gar nicht so sicher, ob ich in einen Club aufgenommen werden möchte, der „ehrlos” genug wäre, mich aufnehmen zu wollen. 😉

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