Gefahr durch Masken

Normalerweise vermeide ich es, an Sams­tagen die Wochen­vorräte einzu­kaufen. Menschen­auflauf ist nicht so recht nach meinem Geschmack. Doch da der Freitag, anders als der feier­liche Name „Tag der Arbeit” es verheißt, von so gar keinem arbeitenden Super­markt geadelt war (viel­leicht sollte ich auf dem PC doch mal endlich die Kalender-App akti­vieren?), blieb mir diesmal nichts anderes übrig, als an einem Samstag an so einem Gemisch aus Masken­ball und Kaufrausch-Saturnalien teilzu­nehmen.
Ein wahrhaft spektakuläres Schau­spiel war zu bestaunen. Und damit meine ich nicht die seit nunmehr Wochen schon gewohnten leeren Regale, sondern den Menschen als soziales Wesen. Wobei – ich muß mich korri­gieren! – es wohl eher asozial heißen sollte. Einmeter­und­fünfzig Abstand?! Nix da! Damit würde man einem anderen ja einen Schritt Vorsprung zum Auslagen­regal einräumen. Außerdem braucht man sich als Träger einer Gesichts­gardine ohnehin nicht an empfohlene Sicher­heits­abstände zu halten – ist doch sowieso alles Mumpitz und dient finsteren Machen­schaften, was da alles verlangt wird (ja, sorg­fältiges Abwägen von facts und fakes ist nun mal nicht die starke Seite von jeder­mann ♀♂).

Ein einziges Schauspiel ist gewiß nicht allge­mein­gültig. Aber es steht ja nicht isoliert da, sondern wird, ohne daß man sich dagegen wehren könnte, in einen ethisch-moralischen oder sozialen oder anthro­polo­gischen Kontext gestellt. Und schon kommt Bewegung in die Denk­mühle: Was ist aus epide­miolo­gischer Sicht als Verhaltens­regel für den Einkauf im Super­markt sinn­voller, Abstands­gebot mit Gesichts­gardine ad libitum oder Abstands- mitsamt Gesichts­gardinen­gebot?

16 Kommentare zu „Gefahr durch Masken

  1. meine wahrnehmung dieses phänomens war von anfang an, wie kann ich’s nennen? ja, vor allem die penetrante dauerberieselung hab ich nie zugelassen, die glotze bleibt nach wie vor seit 01.2019 tabu und die automatisierten news per e-mal landen mit wenigen klicks im trash. das ernöglicht eine feinstufigere wahrnehmung beim einkaufen oder bei mir vom balkonien der blick auf warteschlangen vor der post. dort und im supermarkt sind nur etwas weniger überfüllte regale auch kein ereignis. nur ein einziges mal erlebte ich es, weil ich an der ziemlich kurzen schlange meinen einkauf aufs fliessband legte und eine ältere dame hysterisch wurde, weil ich vielleicht 2cm den mindestabstand unterboten hatte. sonst sind alle sehr viel gelassener als vielleicht anderswo.

    die folgen des nicht unterwegssein könnens spüre ich inzwischen schon und kompensiere es mit sinnvoller aktivität. endlich sehr viel gründlicher als sonst, auf- und abzuräumen, das bett mit doppelauflage komplett neu beziehen, das chaos der dinge auf dem grossen zeichenschrank zu entfernen, meine gesamte multimedia platform neu zu verkabeln ( allein am „arbeitsplatz“ 15 steckdosen in gebrauch für alle geräte ) und freu mich wie nachbars lumpi, meiner aufgelaufenen trägheit genug schubkraft abzuverlangen, so dass ich mir selbst lobend auf die symbolische schulter klopfe: wie gut, dass CORONA nicht nur mir andere zeitimpulse gibt, wohl allseits der oft hektischen zeit wieder mehr vom kopf auf die füsse hilft und auch vielen anderen ein gut teil vom blinden aktivismus wegnimmt und sich erstaunlicherweise vieles entschleunigt.

    mag übertrieben positiv klingen, ich erlebe es so. schimpfen, meckern, analysieren, ändere nicht das geringste an dieser „pandemie“, ich werde nicht überrascht sein, wenn sich herausstellen sollte, die einschränkenden massnahmen waren nur eine übung für den supergau oder was auch immer an katastrophen uns noch bevorstehe.

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    1. Da stimme ich gern zu: Aus Geschehenem kann man Lehren ziehen (sofern man rein biologisch dazu noch in der Lage ist) und man sollte es auch. Es ist optimal, wenn der Einzelne die sich (endlich! mal) bietende Gelegenheit zu einem humaneren Lebensrhythmus nutzt. Und die Allgemeinheit?! Ich verwette meine Schwiegermutter, daß sie nicht auf Fehlersuche (und daraus abgeleitete Strukturoptimierung) gehen wird, sondern relativ schnell wieder in den alten Trott zurückfällt.

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      1. ich vermeide verallgemeinerungen, denn es ist kein biologisches altersproblem, ich bin 76 und lese die oft langen texte von followern, wo viele hobbymässig als analyriker tätig werden und das kernproblem der verunsicherung eher noch vergrössern.

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        1. „Biologisch […] in der Lage [sein]”, damit meinte ich nicht das Alter, sondern jene Geschehnisse mit radikalem Ausgang, bei denen die Maschine Mensch zu starken Schaden nimmt, um noch Lehren ziehen zu können. Das war mißverständlich formuliert, ich bitte um Entschuldigung.

          … und ja, die „Verfahren”, die notwendig sind, um aus Vergangenem Rüstzeug für die Zukunft abzuleiten, sind heutzutage weitgehend unbekannt, werden umgangen (um der erforderlichen Schwerstarbeit und dem Zeitbedarf zu entgehen) oder sind zu folkloristischem Brauchtum verkommen (= technisch kann jeder, intellektuell können nur wenige; stundenlanges Wortgeblubber soll die Leere übertönen)… 😒

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    1. Der „Schalter” für Panikkäufe ist gedrückt; nun wird es Jahre dauern, bis dieser Modus in den neuronalen Schaltkreisen wieder abklingt (der zurückliegende Monat mit zwar reduziertem, aber längst nicht panikrelevantem Einkaufpotential hatte absolut noch keine beruhigende Wirkung entfalten können).

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  2. In meiner Ecke funktioniert das wunderbar, fast alle gelassen, Abstand passt, man lässt mir dank meines Alters den Vortritt , worauf ich mich bedanke – eh klar! Die meisten wählen die Stückzahl angemessen, wollen sich wahrscheinlich nicht überfressen … 😉

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    1. Löblich, und klingt vor allem paradiesisch! Vielleicht sollte ich mich mal auf Forschungsreise begeben, um womöglich den Ort des derzeitigen Gartens Eden aufzuspüren? Man sagt, er läge in Europa und südlich der Alpen (Felix Austria)… 😉

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      1. „Ecke“, damit meinte ich nicht das ganze Land!!! Ein paar Kilometer weiter, schaut die Geschichte wieder etwas anders aus und vom Paradies träumen wir ja schon, seitdem die Bibel ins Deutsche übersetzt wurde und auch vom Volk gelesen werden durfte … Ja, in einigen Geschäften funktioniert, das aufgezwungene Konzept gefühlt recht gut – im Rahmen der derzeitigen Situation!

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        1. Ist ja echt putzig: Als ich noch im Kindergarten war, mußte ich andauernd in der Ecke stehen und „mich schämen” (so nannte man diese humanistische Erziehungmaßnahme seinerzeit). Heute müssen sich offensichtlich diejenigen schämen, die nicht in Deiner Ecke stehen? 😁

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        2. Methode hat ja keine erkennbare Wirkung gezeigt, schätze ich so aus der Ferne … Was „meine“ Ecke betrifft, so bin ich wirklich froh, dass sie mich gefunden hat, denn Stress bei meiner morgendlichen Frühstücksbeschaffung würde mich vermutlich in Dauerstress versetzten, Nahrung ist schließlich die beste Medizin!

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        3. Als ich meinen Kommentar tippte, blitzte ganz kurz vor meinem geistigen Auge genau diese Frage auf, ob diese spezielle Erziehungsmetode etwas bewirkt oder eher angerichtet hat. 🤔  Ganz ehrlich: ich weiß es nicht. Muß ich deswegen jetzt mal wieder in die Schäm-dich-Ecke? 😉

          Und ja, Nahrung ist wichtig, aber der beste therapeutische Effekt dürfte sich am ehesten noch erzeugen lassen, wenn das Drumherum „paßt” (= Essen als sozialer Glanzpunkt…)

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        4. Die Gedanken, die du damals in der Ecke ersonnen, manifestieren sich jetzt – obwohl es das gar nicht gibt – auf weißem Hintergrund scharfzüngig, versonnen!
          Es scheint, als ob die Ecke, die du gerade gewählt, dir den Blick frei gibt, dir mehr erzählt als ander können erkennen, so gesehen würde ich die damalige Ecke sehr hilfreich nennen …

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        5. Die Ecke als Spezialtraining fürs Entd·ecke·n. Man müßte diese Ecke posthum adeln! Aber als ich letztens in der Gegend war, fehlte die Ecke. Im wesentlichen weil das ganze Haus fehlte. Was passiert eigentlich mit einer Ecke, wenn die beiden zugehörigen Wände abgetragen werden? Bleibt die Ecke trotzig stehen, auch wenn sie nackt zurückbleibt? Oder sucht sie sich zwei andere Wände, mit denen sie dann eine Wohngemeinschaft gründet?

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        6. Ecken leben scheinbar weiter in vielen Köpfen, trotzen so dem Abriss und können dadurch – befreit – aus dem Vollen schöpfen … oder so ähnlich!

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