Starrsinn

Wann wird aus Prinzi­pien­treue, die in der Mehr­heit der Fälle als Tugend gesehen werden kann, verknö­cherter Starr­sinn oder Dogma­tismus gegen sich selbst und gegen andere? Wo verläuft zwischen Tugend und Bor­niert­heit die Grenze?
Wahrscheinlich gibt es eine solche Grenze gar nicht. Wahr­schein­lich ist die Ent­schei­dung, wieviel Toleranz möglich und auch zulässig ist, indi­viduell und konkret auf den jewei­ligen Einzel­fall abzu­stimmen. Damit wächst aber die Zahl der Entschei­dungs­situa­tionen schnell ins Uner­meß­liche. Ein solches Pensum zu erledigen ist durchaus schaffbar, wenn … Ent­schei­dungs­fälle geclustert werden. Ähnliche Fälle können dann über den gleichen Leisten geschlagen werden. Zeit­ersparnis, gewiß doch! Ist aber auch genügend viel Aufwand getrieben worden, um mit dem Clustern nicht – im Sinne des einfüh­renden Satzes – in Dogmatismus zu verfallen? Abwägen ist zeit­auf­wendig, reduziert aber die Fehler­quote. Hingegen reduziert das Zusammen­fassen von Ähnlichem unter einem Bewertungs- und Handlungs­schema den Zeitaufwand, erhöht aber die Irrtums­wahr­schein­lichkeit. Wo ist opti­maler­weise die Grenze zu ziehen … usw. usw. usw.?

Ups, das war ja mal ein langer Anlauf, für ein kurzes Stichwort: Impfen (5 € in die Wort­spiel­kasse wg. Impfen und Stich·wort). Es sind Situa­tionen vorstellbar, in denen generelle Impf­pflicht frevel­haft wäre. Es sind aber auch Situa­tionen vorstellbar, in denen generelle Impf­verwei­gerung frevel­haft wäre. Aber es gibt keine pauschale Entweder-oder-Antwort. Die Einzel­situation ist mitsamt ihren Umständen maßgebend.
Im Fall einer Covid‑19-Impfung (sobald sie mit Hauruck zusam­men­geschu­stert worden ist und in den Markt geprügelt wird), stehen bei mir (= persön­liche Meinung auf der Grund­lage aktuell verfüg­barer Informa­tionen) die Zeichen auf Verwei­gerung; im wesent­lichen wegen der komplett nicht einschätz­baren Lang­frist­wirkung.

20 Kommentare zu „Starrsinn

  1. Ich jage mir so ein Zeug nur rein, wenn es zuvor jahrelang von sehr vielen unabhängigen Instituten getestet wurde. Deshalb habe ich mich u.a. auch für ne FSME-Zeckenschutzimpfung entschieden und für eine gegen Tetanus – aber sowas mit der heißen Nadel Gestricktes? Ungern. Eher nicht.
    Ich muss kein Verschwöruns-Aluhut sein, der ans „Chippen“ durch Impfungen glaubt – ein unausgereiftes Medikament sehe ich auch als genereller Skeptiker und naturwissenschaftlich denkender Mensch mit einem evidenzbasierten Weltbild kritisch. Eine frühe Impfpflicht mit solch einem Stoff grenzt an Körperverletzung.

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    1. Diese Einstellung finde ich verständlich und nachvollziehbar; ich sehe es ähnlich. Doch ich frage mich, weshalb eine derartig klare und überschaubare Sachlage so viele Zeitgenossen derartig paralysiert, daß sie sich dem „logischen Pfad” einfach nicht anzunähern vermögen. 🤔

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        1. Ja, da stimme ich zu. Leider ist es so. Andererseits ist doch aber die Zielgruppe auch gerade nicht mit dem Klammerbeutel gepudert … hätt ich gedacht. Aber der einfachste Weg scheint nun nicht der klügste zu sein, oder wie?

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        2. Nun, selbst wenn die Zielgruppe was im Kopf hat, darf man nicht vergessen, dass sich uns ALLES! über die großen Massenmedien erschließt. Zeitgleich jedoch wissen wir sehr genau, dass wir genau diesen nicht trauen können. Und dazu kommt, dass selbst die alternativen Medien oftmals den Mist vom Mainstream nachlabern. Müssen sie auch, sonst werden sie nicht mehr „konsumiert“. So, wenn das jetzt alle Medien ins selbe Horn blasen … dann hast Du den Zustand, der aktuell da ist.

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        3. Ja, ein beängstigendes Szenario. Es ist so düster, daß sich Fluchttüren schlichtweg nicht erkennen lassen. Und mit Leuchthinweisen sind die Ausgangstüren auch nicht markiert: »Hier geht’s raus!« 😉

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        4. … und die entscheidene Frage: Welchen Leuchthinweisen soll ich trauen? Welche Tür nutzen? Das Thema ist komplexer als viele denken. Ich finde es toll, dass Du dich den kritischen Themen widmest. Damit sehen Dich viele schon als Verschwörungstheoretiker, aber bedenke, nur, weil die Medien es so wollen. 😉

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        5. Das Stichwort Verschwörungstheorie macht mir jetzt ein schlechtes Gewissen! Aber nicht, weil ich selber solche „Theorien” verbreiten würde, sondern weil ich seit etlichen Wochen schon einen Text zu Verschwörungstheorien publizieren möchte, aber bislang einfach noch nicht dazu gekommen bin. 🤨

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        6. Das schlechte Gewissen sollte auch da sein, denn Du solltest gute Texte publizieren. 😉 Im öffentlichen Raum kann man ja kaum über solche Themen reden. Ich glaube von mir, dass ich einen gesunden Menschenverstand habe, ich weiß aber auch, dass der mir von denen da draußen in aggressiver Weise ausgeredet wird, sobald ich das sage, was ich zu einigen Themen denke. Armes Deutschland, Meinungsfreiheit, Demokratie.

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        7. Vermutlich muß man spätestens dann, wenn an dem Punkt angekommen ist, der zu den oben genannten Gedanken anregt, sollte man sich zu einer wichtigen Entscheidung durchringen: Will man der Wahrheit dienen oder strebt man nach dem Einheimsen eher unverbindlichen Freundlichkeiten? Diese sind sicherlich angenehmer und ecken nicht so leicht an wie die Wahrheit, zumindest wenn man eine wichtige Wahrheit ignoriert, nämlich daß sehr viele Nettigkeiten schlichtweg geheuchelt sind. Also kommt man so oder so ohne Wahrheitsstreben nicht aus; dann aber auch konsequent… 😁

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        8. … vermutlich muß man sich da in Mitgefühl üben, auch wenn es schwerfällt. Eine solide Meinung zu erarbeiten, ist schwerste Mühsal. Viele scheuen einen solchen Aufwand. Die bequemste Ausrede ist m.E., daß man einfach nicht anecken will. Eine andere, kaum minder bequeme Ausrede ist, daß durch Tiefschürfendes die (oberflächliche) Routine dahin ist. Warum sollte man sich freiwillig(!?) zum Störenfried in der Gemeinschaft machen, wo doch – noch! – alles so gut und bequem eingerichtet ist? 🤔

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        9. … das adelt Dich! Übrigens hat die Obrigkeitskaste ihre „Hausaufgaben” ganz gut gemacht: Sie suggeriert (für die meisten Menschen zumindest) den Wohlstand nicht nur, sondern bietet einen solchen tatsächlich; dadurch ist die Mehrheit schlichtweg sediert und hält still, um diesen Wohlstand nur ja nicht aufs Spiel zu setzen. 😉

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        10. Nun, wir sind seit dem Wertewandel, seit der 68-er Bewegung jetzt im Postmaterialismus angekommen. Stehen sozusagen in der Maslowschen Pyramide ganz oben in der Selbstverwirklichung. Die Menschen sehen leider oft nur sich und ihr eigenes Leben. Schon allein der Aspekt schließt aus, dasss sich eine Vielzahl an Menschen für andere interessieren. Und deshalb gelingt in meinen Augen auch Dein oben genanntes politisches Konzept, Wohlstand zu suggierieren.

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        11. Und jetzt die Königin aller Fragen: Gibt es realistische (und somit auch realisierbare) Schritte und welche sind es, um die himmelschreienden Mißstände ändern (und möglichst auch bessern!) zu können?

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        12. Das ist natürlich ne Hausnummer, also die Königsfrage. Dass Du sie mir nach so kurzem Austausch stellst zeigt, dass Du nach Antworten suchst. Was ich absolut verstehe. Diese Missstände haben für mich mit der Machtausreizung und dem dehnen von Gesetzen und Grenzen durch die Legislative zu tun. Nur das Volk kann es richten, als Gemeinschaft, die den Obrigkeiten die rote Karte zeigt. Also ist eher die Frage, inwiefern ein sich im Wohlstand wiegendes, postmaterialistisches Volk auf die Füße kommen soll, wenn die Medien hart daran arbeiten, allen zu suggieren, dass alles so wie es ist, völlig in Ordnung ist. Und die, die was verändern wollen als Aluhutträger vorverurteilt werden. Du siehst, und Du weißt, so einfach ist es nicht.

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    2. Genau so sehe ich das auch.
      Wobei ich tatsächlich individuell abwägen würde. FSME ist ein gutes Beispiel. Als Berliner, der nie aus der Stadt kommt, würde ich es nicht tun. Ich lebe in Süddeutschland, also Risikogebiet. Und bin öfter mal „im Wald“. Da sehe ich es als vernünftig an.
      Zu Corona ähnlich, nur umgekehrt: Als Asthmatiker und vielleicht noch eine andere Lungenvorerkrankung? Ich schätze dann die Gefahr des Impfens -auch mit einem brandneuen Impfstoff- als geringer ein. Als halbwegs gesunder junger Mann aber nicht. Und würde es lassen.

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