Scheidung

Aufzugeben ist tabuisiert, allemal in einer Erfolgs­gesell­schaft, wie sie heut­zu­tage als ulti­matives Lebens­ideal propa­giert wird. Doch wo liegt die Grenze zwischen Beharr­lich­keit und geist­loser Sturheit? Ist eine Stuben­fliege, die immer und immer wieder mit dem Kopf an die gleiche Stelle der Fenster­scheibe knallt, lobens­wert beharr­lich oder eher zum Umdenken außer­stande?
In dem Blog, das ich vor Jahren einmal jahre­lang akribisch geführt habe, schrieb ich dereinst in einem Artikel, daß ich ethisch-moralische Ansprüche an einen poten­tiellen Arbeit­geber geltend mache. Das klingt zuge­gebener­maßen verwegen, schließ­lich hat ein poten­tieller Arbeit­nehmer froh, keinesfalls wählerisch und vor allem dankbar zu sein, seine Arbeits­kraft verkaufen zu dürfen(!). Doch nach dem, was ich mittler­weile ein paar Wochen lang über das erfahren durfte, was hinter den Kulissen des Einsatz­ortes lauert, zu dem mich die Zeit­arbeits­firma aktuell beordert hat, sind Strategien wie „Augen zu und durch”, „Zähne zusam­men­beißen” oder auch „Es wird schon…” keine tolerier­baren Alter­nativen. Sie wären zwar Ausdruck höchster Beharr­lichkeit, haben aber gegen das Resultat eines kurzen und intensiven Nach­denkens keinen Bestand.
Die noch junge Arbeit­geber-Arbeit­nehmer-Beziehung aufzu­geben ist die beste Alternative…

26 Kommentare zu „Scheidung

        1. Ach ja, solche Gedankengänge sind mir nicht fremd. Aber buckelt man sich mit ihnen nicht auch ein Sicherheitsdenken auf, das einen leichtfüßigen, spontanen Richtungswechsel praktisch unmöglich macht? 🤔

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        2. Wenn du nur für dich verantwortlich bist, kann man gern das „Sicherheitsdenken“ zurück stellen. Irgendwie wird es schon weiter gehen und zumindest in meinem Fall, bin immer auf die Füße gefallen.
          Hat man aber Anhang, der von einem abhängig ist, ist das „Sicherheitsdenken“ nötig, auch wenn man davon persönlich beschnitten wird. So zumindest sehe ich das … 😉

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    1. Diese Aussage – in der Tendenz nicke ich durchaus zustimmend – mag ich nicht bis zum bitteren Ende ausreizen. 🤨
      Die Menschenwürde ist doch so ein hohes Gut, aber wie ist sie vereinbar mit unwürdigen Bettler- und Hausiererzwängen?

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        1. *chchch* Lieber reich & gesund als arm & krank (oder wie das heißt). Aber, jetzt wieder ernst, ist denn die aktuelle Definition von Armut nicht ein bißchen kurz gegriffen? Ist es weise, Armut (fast ausschließlich) auf Geldmangel zu reduzieren? 🤔

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        2. Nö. 😉
          Immer wenn mich jemand (gerne alte Weggefährten, die inzwischen Karriere gemacht haben und monatlich das zehn- bis zwanzigfache an Finanzen zur Verfügung haben) dazu animieren will, mir eine besser bezahlte Tätigkeit zuzulegen, oder dazu, dass ich mich gründlicher mit ETFs, Immobilienfonds oder Kryptowährungen beschäftigen solle, antworte ich: „Ich ziehe geistigen Wohlstand materiellem Wohlstand vor.“ 😁

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  1. “ … ethisch-moralische Ansprüche an einen poten­tiellen Arbeit­geber geltend mache…“ Jetzt einmal ganz ehrlich, kann Wirtschaft so funktionieren? Können Reiche immer reicher werden, wenn jeder mit derartigen Vorstellungen daher kommt? Was die Stubenfliege betrifft, so mag der Punkt am Kopf zwar immer der gleiche sein, mit dem sie auf das Glas trifft – der Aufprallpunkt jedoch ändert sich, was ihr das Gefühl gibt, neue Wege zu beschreiten. Zugegeben, die Fensterfläche ist in Relation zum Fliegenkopf recht groß, aber die Hoffnung stirbt zuletzt …

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