Toleranz

»Kramp-Karrenbauer äußert sich besorgt über rechte Tendenzen«, ist seit längerem aus den Medien zu hören: »Bundes­vertei­digungs­mini­sterin Kramp-Kar­ren­bauer hat sich […] tief besorgt über rechts­radikale Tendenzen in den deutschen Sicher­heits­organen gezeigt. […] Wenn [… Personen], die er­kenn­bar rechts­extre­mistisch sind und gegen die Verfassung kämpfen, dann ge­fähr­det das laut Kramp-Kar­ren­bauer die Stabi­lität der gesamten Demo­kratie« (Quelle: BR24).
Fragen: Muß eine Demo­kratie, sofern sie diesen Namen verdient hat und nicht nur als hohle Wort­hülse trägt, nicht auch so tole­rant sein, poli­ti­sche Meinungen ertragen zu können und auch zu wollen, die vom Main­stream abweichen? Ist es nicht ein Zeichen von Diktatur, alle ab­weichen­den Ansichten unter ein einheit­liches Denk­schema (nämlich das der ver­meint­lichen Mehr­heit, das aber in Wirk­lich­keit von den Mario­netten der Obrig­keits­kaste dominiert ist) zu zwingen?
Freilich sind bei Verstößen gegen das Grund­gesetz oder bei anderen justiti­ablen Ver­feh­lungen die Mittel des Staats­appa­rates ein­zuset­zen und an­zuwen­den. Dieser Auftrag ist Bestand­teil der reprä­senta­tiven Demo­kratie. Aber er ist kein Frei­brief für eine Gedan­ken­dik­tatur! Oder in Kurz­fassung: Aufklärung und poli­tischer Dialog sind ok, Vor­ver­urtei­lung aufgrund von poli­tischer Grenz­ziehung ist es nicht.

36 Kommentare zu „Toleranz

    1. Ja, Gleichgültigkeit ist – da stimme ich zu – eine Form der Toleranz, aber ist es wirklich die höchste? Ich bin gleichgültig gegen das Wetter. Ich bin sogar (→ hier) gleichgültig gegen das Gebrubbel meines „Medizinmanns”. Aber sollte man Gleichgültigkeit als Mittel der Wahl einsetzen, wo es um das Miteinander von Menschen (nicht zu verwechseln mit Funktionen oder Ämtern) geht? 🤔

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      1. Nun ja, ich denke schon, daß Gleichgültigkeit in vielen Fällen auch im Umgang mit unseren Mitmenschen die bessere Alternative ist – jedenfalls verglichen mit dem Ist-Stand. Das gilt natürlich nicht, wenn jemand hilflos neben dem Weg liegt, kleine Kinder bei 0°C fast nackt zur Strafe von der Erzieherin vor die Tür gestellt werden oder andere Kinder auf dem Baugerüst spielen. Da mische ich mich immer und notfalls auch mit Gewalt ein.
        Bezogen auf Politik – und das war es, was ich in deinem Beitrag sah – ist Gleichgültigkeit für mich die einzige legale Option.

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        1. Du willst jetzt aber nicht darauf hinaus, daß durch Wahlen, Demonstrationen oder Mitgliedschaft in Parteien etwas verändert werden kann!? Ich gehe immer zur Wahl aber die, die ich wähle wissen auch, daß sie nichts verändern werden.

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        2. Nein, darauf will ich wirklich nicht hinaus. Es ist eine denkbare Entwicklungsmöglichkeit, aber sicherlich keine sehr wahrscheinliche. Vermutlich muß man hier radikaler herangehen. Manche Systeme können nicht durch „Feinjustierung” aus sich heraus verbessert werden. Um an solchen Systemen eine Verbesserung zu erreichen, ist eine teilweise oder komplette Neustrukturierung erforderlich. Aber kann man noch vom Lindenbaum-Lied sprechen, wenn dessen Text und Melodie ausgetauscht werden?

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        3. …ich schrieb ja auch ganz klar davon, daß die Gleichgültigkeit für mich die einzige LEGALE Alternative darstellt – oder wie glaubst Du könnte so ein Austausch stattfinden? Immerhin müsste ja auch oder besser: vor allem die ganze Lobbyistenriege abgesetzt werden.

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        4. Ja, die „Absetzung der ganzen Lobbyisteriege” könnte durchaus Bestandteil dessen sein, was ich gerade eben erwähnte, nämlich des Erfordernisses einer „teilweisen oder kompletten Neustrukturierung”.

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      2. Ansicht: „Gleichgültigkeit ist … eine Form der Toleranz“

        Toleranz ist nicht identisch mit „Gleich-Gültigkeit“.

        Toleranz basiert
        auf Machtgefälle.

        Toleranz kann wieder entzogen, rückgängig gemacht werden.

        Gruß, Nirmalo

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        1. So ganz bin ich nicht überzeugt. Ist Toleranz nicht eine inwendige Eigenschaft, nämlich die Fähigkeit, bereit zu sein, etwas zu ertragen, gegen das man durchaus Einwände hegt. Im Gegensatz dazu dürfte die Duldung stehen, nämlich die nach außen gerichtete Aktion, den Auslöser von Toleranz-„Schüben”, bewußt nicht zu attackieren. Derartige Duldung kann „verliehen” oder eben auch wieder entzogen werden.
          Und aus diesem Blickwinkel mag ich akzeptieren, daß Duldung mit dem erwähnten Machtgefälle zu tun haben könnte. Toleranz davon aber möglicherweise weniger betroffen ist, sondern in entschieden größerem Umfang von Sozialisierung.

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    1. Ganz genau diese Angst zieht sich wie ein roter Faden durch dieses Blog: Wer durch des Argwohns Brille schaut, sieht Raupen selbst im Sauerkraut (W. Busch). Es gibt leider viele Zeitgenossen, die sich gerade und nur die Reizwörter rauspicken, um daran ihre Vorurteile (und Vorverurteilungen) zu mästen. Und das mag vielleicht ein Punkt von dem sein, was so alles falsch läuft. Aber Nachdenken ist anstrengend und könnte Vorurteile verringern – einer solchen Gefahr darf man sich einfach nicht aussetzen… 🙄

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        1. Verrückte Welt! Aber die Nerven scheinen derzeit blank zu liegen. Bei so manchem meiner Beiträge hatte ich auch schon Angst, politisch denunziert zu werden und am nächsten Morgen statt des Blogs gähnende Leere vorzufinden (oder ob man schon vollautomatisch von Bots abgekanzelt wird?🤔). 😒

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    1. Das ist die eine Seite der Medaille, die mir recht sympathisch ist. Aber ich fürchte, derartige Einstellungen werden heutzutage immer seltener (zumindest bei denen, die staatliche Entscheidungshoheit über gut und böse haben). Wollen denn die allermeisten Zeitgenossen (♀♂) nicht das scharf konturierte Schwarzweißbild? Grautöne sind trügerisch. Wenn dieser Grauton die Wahrheit repräsentiert, ist dann dieser Grauton auch noch wahr oder bereits falsch?
      Vielleicht ist es ja eine Folge der Reizüberflutung in unserer hektischen Zeit, daß für Wertungen nur noch schwarz/weiß, richtig/falsch, gut/böse akzeptiert werden und der Aufwand für differenziertes Dazwischen gescheut wird? Btw: Es hat noch kein Besucher je nach der Bedeutung meines WP-Icons gefragt…😉

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        1. Das Blaue ist das Schwarze unter den Fingernägeln des Zufalls oder der Unwägbarkeiten.😁
          (oder wollte ich vielleicht nur darauf hinweisen, daß es neben Diesem und Jenem (fast) immer auch ein Drittes gibt?)

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  1. * …tief besorgt über rechts­radikale Tendenzen in den deutschen Sicher­heits­organen gezeigt…*
    Meine Sorge gilt allen radikalen Tendenzen, vermutlich bin ich aber nur einer, den man vor den Karren zu spannen versucht …

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        1. Was heißt „vielleicht“? Es sind immer die Aliens, wenn die Schwerkraft manipuliert wird! Nun frage ich mich gerade, von welcher Galaxie Dolphi wohl stammen mag und mir kommt Phantasien in den Sinn … 🙂

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        2. Naja, aber man sagt ja, daß es im Universum recht kalt sei (also nicht gerade an den Stellen, wo die Sterne funzeln, sondern dazwischen). Ist es eine optimale Strategie, vor einer Kaltfront in das noch kältere Universum auszuweichen? 🤔

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  2. Ansicht: „Ist Toleranz nicht eine inwendige Eigenschaft, nämlich die Fähigkeit, bereit zu sein, etwas zu ertragen“

    Ja, die hat sie. Toleranz ist gönnerhaft.

    Immanuel Kant spricht von einem „hochmütigen Namen“.
    Toleranz kann auch eine getarnte Form des Hochmuts sein.

    Toleranz = ist, aus der Position des Stärkeren heraus temporär eine Erlaubnis geben.
    .

    Ansicht: „Im Gegensatz dazu dürfte die Duldung stehen“

    Da ist kein Gegensatz: Toleranz ist Duldung.
    Toleranz wird gewährt: Von oben nach unten.
    .

    Ansicht: „Duldung kann „verliehen” oder eben auch wieder entzogen werden“

    Ja, der Tolerierende hat gegenüber dem Tolerierten das Heft in der Hand und kann die Toleranz jederzeit in Reglement oder Ausschluß verwandeln.

    Toleranz ist Duldung bis zu
    einer undefinierten Grenze.

    „Toleranz“ bedeutet, daß es Grenzen gibt, auch wenn sie vom Tolerierten (noch) nicht zu sehen oder zu spüren sind, denn…

    Toleranz ist n i c h t Gleichheit!

    Ein Karl Carstens sagte mal: „Nur wer sich sicher fühlt, ist tolerant.“

    Das trifft es:

    Toleranz ist, wenn ich einen Hund an der Leine haltend,
    ihn Strecke und Lauf-Geschwindigkeit bestimmen lasse.

    Tolerieren = ist identisch mit: „Leine lassen“.

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