Politgeblubber

Normalerweise lohnt es nicht, darauf zu achten, welche Sprech­blasen ein Poli­tiker­dar­steller vor Kamera und Mikrophon hervor­blubbert. Ich bin ohnehin dafür, solche Gestalten nicht nach dem gespro­chenen Wort zu wählen, sondern allein nach ihrer Satz- und Sprach­melodie; besser noch, sie pfiffen oder summten. Sollen sie tanzen, wie Nietzsche es sich von seinen Götter­aspiranten erwünschte. Sagen denn solche Hervor­kehrungen innerer Werte nicht tausendmal mehr über einen Menschen, als es Wörter jemals könnten, die eh nur erfunden wurden, um lügen zu können.
Aber manchmal lohnt ein Blick auf das Wort­gewölle, das so mancher Poli­tiker­darsteller hervor­würgt: »EU will Lehren aus erster Corona-Welle ziehen und besser zusammen­arbeiten  – Brüssel: Die EU will im Kampf gegen die Corona-Pandemie künftig enger zusam­men­arbeiten. Nach der Video­konferenz der 27 Staats- und Regie­rungs­chefs sagte Ratsprä­sident Michel: „Wir sind einig, denn wir sitzen alle im selben Boot.“« (Quelle: BR24).
Mag sein, daß Charles Michel mit irgend­welchen Gestalten in einem Boot sitzt; in meinem Boot sitzt er jeden­falls nicht. Die Frage ist doch nicht, wer mit wem im Boot sitzt, sondern ob sich alle auf die gleichen verord­neten Einzelhaft-, Isolations-, Quarantäne­bedin­gungen und Existenz­bedrohungen freuen dürfen. Apropos freuen: In dem Zitat steht expressis verbis, daß die EU die aktuellen Lockdown-Richt­linien ausge­geben hat, bevor die Lehren aus der soge­nannten ersten Welle gezogen wurden, denn diese sollen ja jetzt erst noch gezogen werden. Und, noch so ein Knüller, wenn die EU aufgrund von Corona erst – wie zitiert – ›künftig enger zusam­men­arbeiten‹ möchte, wie darf man sich dann die heutige Zusam­men­arbeit vor­stellen?

12 Kommentare zu „Politgeblubber

  1. Wie Du eingangs schon ganz richtig erwähnt hast, sollte man nichts auf das Gerede von Politikern geben – auch dann nicht, wenn es einem unter den Nägeln brennt. Ganz wichtig: nicht hinhören, auch nicht nur mal kurz – sonst verbreitet man den Quatsch am Ende noch im eigenen Blog und wenn Poliker moderne Wissenschaftler wären, freuten sie sich dann noch über einen Zitierpunkt mehr.

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  2. Ich bin als Kulturschaffender selber wirtschaftlich-existenziell hoch gefährdet von den Corona-Maßnahmen und dennoch ein Begrüßer des Lockdowns: Ein hammerhart über 14 Tage durchgezogener Lockdown mit Ausgangssperre und Grenzschließungen und das Virus wäre endlich weg! (Siehe Taiwan)

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    1. Ich wiederhole es gern noch einmal: ich habe gar nichts gegen einen Lockdown einzuwenden. In Gegenteil, auch ich befürworte ihn. Allerdings mangelt es beiden Versuchen, dem gewesenen und dem geplanten, an der entscheidenden Konsequenz. Das mag beim ersten noch entschuldbar sein, weil es an Erfahrungen mangelte und der Blick von ersten empirischen Erfahrungen konsequent abgewandt wurde, weil sie nicht ins politische Vorurteil (China gegenüber) paßten. Aber der jetzige Lockdown ist nicht von virologischen bzw. epidemischen Erfordernissen geprägt (noch immer sind Erkenntnisfindung und Lernprozeß erheblich dadurch polarisiert, was politisch(!) genehm ist), sondern von den Wünschen der Wirtschaftslobbyisten. Und deren Machtfülle bzw. Machtgefälle erklärt sehr gut die Summe absurdester Widersprüche und das Auslassen elementaren Maßnahmen beim aktuellen Lockdown-Katalog.

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  3. Geblubber, das kenne ich im Zusammenhang mit länger zu erhitzenden zähen Flüssigkeiten in Kochtöpfen, die später dann den Gaumen erfreuen sollen. Nachdem dieser Vorgang beim Kochen oder etwas enger gesehen beim Erhitzen der zukünftigen Nahrung entsteht, könnten wir die Sache dann mit Kochgeblubber benennen. Nun, was sagt uns das Geblubber im Kochtopf? Stop! Mir, bin kein ausgewiesener Fünfsternekoch, obwohl ich theoretisch sicher das Zeug dazu hätte, sagt es ganz klar: Da kommt jetzt mal keiner meiner Finger rein, um die Qualität zu kontrollieren! Muss deswegen nicht schlecht sein, ist aber mit Sicherheit heiß und wahrscheinlich halbgar. Bei entsprechendem Sichtkontakt, Abstand halten macht durchaus Sinn, da aus diesen Ausstülpungen, die meist wieder gemächlich verschwinden, dann und wann so eine Art Auswürfe mit beachtlicher Wurfweite entstehen, die bei Hautkontakt, an das Auge mag ich gar nicht denken, unangenehm und schmerzhaft wirksam werden, kann durch längeres Beobachten durchaus Veränderungen ablesen, die, wenn man sie zu deuten weiß, interessante Einsichten in das Geblubber gewähren. Ok, nach diesem Vergleich mit dem bekannten Geblubber, das ich schon seit meiner Kindheit beobachten kann, schließe ich mich dem Begriff Polit-Geblubber an, wobei ich anmerken möchte, dass Polit-Gefasel auch einen gewissen Charme hätte … 😉

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    1. Die inhaltliche wie linguistische Ausschmückung des Begriffs Geblubber gefällt mir. Hinzufügen möchte ich in aller Demut, daß ich wegen der Sprechblasen, die nach dem Verlassen des Politikermundes durch den Saal wabern, dem Wort Geblubber den Vorrang gegenüber dem Wort Gefasel einräume, weil in letzterem die Assoziation zu Faser enthalten ist. Doch diese hat was mit Zugkraft, Haltbarkeit, Zusammenhalten zu tun, was oftmals dem Wortgeplätscher aus Politikermund so gar nicht gerecht würde, nicht wahr.🙃

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  4. Nachgeblubber: Fallweise, wenn man nicht oft genug umrührt, blubbert es oben fröhlich dahin, obwohl in den Blubbertiefen sich jede Menge Verbranntes ansammelt! Ich rede vom Kochen, von der Kochblubberei, um das klar zu stellen … 😉
    PS: Nach dieser Einsicht muss ich das Gefasel neu überdenken!

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    1. Wenn man bedenkt, daß unser gesamtes Universum möglicherweise nur eine einzelne Blubberblase in einem Universumschaum sein könnte, möchte ich mal den Rührlöffel sehen, mit dem der alte Rauschebart verhindern will, daß irgendwo in einem fremden Universum irgendwas anbrennt… 😉

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