Menschen im Vakuum

Aus TBBT stammt ein Physi­ker­witz: »Ein Geflü­gel­bauer ist besorgt, weil seine Hühner auf­gehört haben, Eier zu legen. Da er das Problem nicht lösen kann, bietet ihm einer seiner Freunde, ein Physiker, Hilfe an. Der Physiker kommt auf die Farm, nimmt mit kompli­zierten Geräten eine Menge Messungen vor und analy­siert dann die Daten. Nach einigen Tagen ruft er dann seinen Freund, den Geflü­gel­bauern, an: „Okay, ich habe eine Lösung für dein Problem, aber es funk­tio­niert nur mit kugel­förmigen Hühnern im Vakuum”« (Quelle: wiki).

Das ist wirklich ein Witz! Auch aus TBBT stammt eine echt cooper­sche Be­grün­dung: »Das war ein Witz. Es ist witzig, weil es wahr ist« (Quelle: wowikon). Doch es ist nicht nur ein Witz, sondern ein unfaßbar guter! 😃

Und die Wahrheit?! Späte­stens seit der Auf­klä­rung, seit dem Postulat vom „Guten im Menschen”, sind moralisch-ethische Konzepte entwickelt und daraus Hand­lungs­maximen und Gebote abge­leitet worden, die allesamt, wenn über­haupt, nur mit kugel­förmigen Menschen im Vakuum funk­tio­nieren, nicht aber unter realen Bedin­gungen wie etwa Konkur­renz­kampf, „Futter­neid” und be­grenz­ten und sich erschöp­fenden Res­sourcen…

Begegnung

So ein Morgenspaziergang hat durchaus etwas Erbau­liches: die Hektik des Tages krallt sich nicht ins Gemüt, die Tempera­turen liegen noch nicht ganz so dicht am Siede­punkt von Wasser wie während des Hoch­amtes von Helios und es gibt durchaus Inter­essantes zu sehen:Das Bild ist aus der Hand geknipst (ohne Stativ): f/8, ¹/₂₅₀ sec, 126 mm, ISO-3200. Sehens­wert ist die Begeg­nung der beiden astro­nomi­schen Ms alle­mal. Schade nur, daß morgen der Mond schon am Mars vorbei­gezogen sein wird (es wär‘ bestimmt spannend, in rund 12 Stunden an einem Punkt der Erdober­fläche zu stehen, der gegen­über dem obigen Standort spiegel­bildlich zum Erd­mittel­punkt liegt).

gefährlich krank

Bloggen ist unat­traktiv geworden. Man könnte viel­leicht über Psycho­pathen schreiben, die mit ihrem Macht­umfang (nicht mit Geistes­größe zu ver­wech­seln!) größten Schaden ange­richtet haben und weiter an­rich­ten werden: Hitler oder Trump oder sonst wen. Aber man kann’s auch bleiben lassen… 😵

Zeitkapsel

Kino aus der Anfangs­zeit dieser dar­stel­len­den Kunst hat mit dem heutigen Kino sicher­lich nichts mehr gemein. Keine zehn Pferde würden mich dazu bringen, mir einen heutigen Film anzu­schauen, der vor Äkschn nur so strotzt. Aber zwischen den Bio­scop‑Film­streif­chen der Gebrüder Skla­da­nowsky und dem Wahr­neh­mungs­reiz‑Tsu­nami, der an heutigen Film­kon­sumen­ten ent­fes­selt wird, um deren abge­stumpf­te und nur noch mittels Groß­kali­bers berühr­bare Sinne anzu­regen, gab es auch Kino­filme, die zu recht den dar­stel­len­den Künsten zuzu­rechnen sind (Beto­nung auf Kunst).
Diese sind recht leicht daran zu erkennen, daß sie zum einen etwas zu sagen haben und daß zum anderen die cinea­stischen Hilfs­mittel Werk­zeuge zum Hervor­heben eben dieser Botschaft und nicht etwa reiße­rische Ange­bereien sind, die völlig belang­lose und beliebig aus­tausch­bare „Hand­lungen” als Alibi für ihre narziß­tische Selbst­dar­stel­lung mißbrauchen. Damit sind aber derartige „Kunst”-Filme immer auch Doku­mente ihrer Zeit. Das sind moderne Filme zwar auch; nur sind in heutiger Zeit offen­bar andere Dinge wichtig…

Und dann kommt gerade ein Film in die Kinos, zu dem u. a. in einer Rezen­sion folgendes zu lesen ist: »Was wäre noch über einen Film zu sagen, der schon vor seinem Kino­start so viel allge­meine Aner­ken­nung bekommen hat, mit Festival-Beifall, guten Kritiken und Preisen bedacht wurde?« (Quelle: zeit.de; Hervor­hebung nach­träg­lich hinzu­gefügt). Ja, es geht um die jüngste Ver­filmung eines „Sitten­gemäldes”, das auf den Roman Berlin Ale­xan­der­platz (1929 von Alfred Döblin) zurück­geht. Auch Romane sind Zeugen der Zeit, in der der Autor sein Kunst­werk schuf. Doch sollte man wirk­lich davon aus­gehen, daß die über­lie­ferte Zeit­kapsel besser wird, wenn sie nach rund 90 Jah­ren mit Versatz­stücken der aktu­ellen Mode­erschei­nungen, zu denen durchaus auch poli­tischer Unfug und sinn­be­freite Massen­hysterie gezählt gehören, „ange­reichert” wird?

Pedanterie

So um das Jahr 1930 herum schrieb Robert Musil in seinem Roman Der Mann ohne Eigen­schaften folgende Sätze: »Genauigkeit, als mensch­liche Haltung, verlangt auch ein genaues Tun und Sein. Sie verlangt Tun und Sein im Sinne eines maxi­malen An­spruchs. Allein hier ist eine Unter­schei­dung zu machen.
Denn in Wirk­lich­keit gibt es ja nicht nur die phan­tasti­sche Genauig­keit […], sondern auch eine pedan­tische, und diese beiden unter­scheiden sich dadurch, daß sich die phanta­stische an die Tatsachen hält und die pedan­tische an Phan­tasie­gebilde. […] Es gibt also in Wirk­lich­keit zwei Geistes­verfas­sungen, die einander nicht nur bekämpfen, sondern die gewöhnlich, was schlimmer ist, neben­ein­ander bestehen, ohne ein Wort zu wechseln, außer daß sie sich gegen­seitig versichern, sie seien beide wün­schens­wert, jede auf ihrem Platz. Die eine begnügt sich damit, genau zu sein, und hält sich an die Tatsachen; die andere begnügt sich nicht damit, sondern schaut immer auf das Ganze und leitet ihre Erkennt­nisse von so­genann­ten ewigen und großen Wahr­heiten her. Die eine gewinnt dabei an Erfolg, und die andere an Umfang und Würde. Es ist klar, daß ein Pessimist auch sagen könnte, die Ergeb­nisse der einen seien nichts wert und die der anderen nicht wahr
« (Quelle: Der Mann ohne Eigen­schaften, Band I, Lizenz­ausgabe des Verlages Volk und Welt, Berlin 1980).
Und nun, knapp einhundert Jahre später, sei ganz schlicht die naive Frage erlaubt, ob die aktu­elle Gene­rali­sierung von Rassis­musvor­würfen, von ge­schlechter­spezi­fischem Aktio­nismus, von Mutter­sprach­mord oder die rüc­kwirkende Geschichts­berei­nigung eher zum Stich­wort Genauigkeit oder nicht viel­leicht doch zur Pedanterie zu zählen ist?

likes

Der gestrige Artikel hat mich 3 follower gekostet. Ist dieser 2,2 %‑Verlust nun als hoch einzu­schätzen oder gar als zu hoch? Da nach meinem Empfinden die über­wie­gende Mehrheit der „Ich-werde-Follower”-Aktionen eh nur Tit4Tat-Aktionen sind, messe ich diesem Teil der WP‑Sta­tistik so gar keine Bedeu­tung bei, da ich absolut keine mate­ri­ellen Vorteile davon habe und sich mein Ego von Belang­losig­keiten nicht pampern läßt. Aber wie – um im Thema zu bleiben – sieht es mit likes aus, dem pikto­graphi­schen Äqui­valent des Applauses?
Für die jüngsten 10 Artikel sind in der Graphik die Anzahl der Aufrufe der Anzahl der spen­dierten likes gegen­über­ge­stellt:
Im Mittel – das ist die gestrichelte Linie im Chart – kommen auf 100 Aufrufe 31 likes (zumindest kamen so viele bei den letzten zehn Artikeln). Diesen Nektar für die Seele schlürfe ich mit wohligstem Vergnügen😌 und danke recht herzlich dafür😊! Und nun die Frage an die Amateur-Sherlocks: Welcher von den 10 gezeigten Punkten steht für den eingangs erwähnten Artikel mit der gekün­digten Gefolg­schaft? 🤔

Geist

So um das Jahr 1930 herum schrieb Robert Musil in seinem Roman Der Mann ohne Eigen­schaften folgende Sätze: »Es ist so natürlich, daß der Geist als das Höchste und über allem Herr­schende gilt. […] Was kann, schmückt sich mit Geist, verbrämt sich. Geist ist, in Verbin­dung mit irgend­etwas, das Verbrei­tetste, das es gibt. Der Geist der Treue, der Geist der Liebe, ein männ­licher Geist, ein gebil­deter Geist, der größte Geist der Gegen­wart, wir wollen den Geist dieser und jener Sache hoch­halten, und wir wollen im Geiste unserer Bewe­gung handeln […].
Aber wenn Geist allein dasteht, als nacktes Haupt­wort, kahl wie ein Gespenst, dem man ein Lein­tuch borgen möchte, – wie ist es dann? Man kann die Dichter lesen, die Philo­sophen studieren, Bilder kaufen und nächte­weise Gespräche führen: aber ist es Geist, was man dabei gewinnt? Ange­nommen, man gewönne ihn: aber besitzt man ihn dann? Dieser Geist ist so fest verbunden mit der zufälligen Gestalt seines Auftretens! Er geht durch den Menschen, der ihn aufneh­men möchte, hindurch und läßt nur ein wenig Erschüt­terung zurück. Was fangen wir mit all dem Geist an? Er wird auf Massen von Papier, Stein, Lein­wand in geradezu astro­nomischen Ausmaßen immer von neuem erzeugt, wird ebenso unab­lässig unter riesen­haftem Verbrauch von nervöser Energie aufge­nommen und genossen: Aber was geschieht dann mit ihm? Ver­schwin­det er wie ein Trugbild? Löst er sich in Partikel auf? Entzieht er sich dem irdischen Gesetz der Erhaltung? Die Staub­teilchen, die in uns hinab­sinken und langsam zur Ruhe kommen, stehen in keinem Verhältnis zum Aufwand.
« (Quelle: Der Mann ohne Eigen­schaften, Band I, Lizenz­ausgabe des Verlages Volk und Welt, Berlin 1980).
Beim Lesen dieser Passage wabert, auch wenn ich mich mit Titanen­kraft dagegen wehre, eine bunt schil­lernde Seifen­blase vor meinem geistigen (sic!) Auge durch das Asso­ziations­zentrum, auf der die Frage lesbar ist: Und wie ist das mit Blog-Portalen?