[form7] Der kurze Sommer der Weltherrschaft, Deutschland und die NATO

Die Absurditäten der aktu­ellen Welt­politik mögen zwar kaum noch zu ertragen sein, aber es lassen sich Deutungs- und Erklä­rungs­versuche finden, die ein bezeich­nendes Licht auf den gegen­wär­tigen „hyste­rischen” poli­tischen Aktio­nismus werfen:

form7

Was jetzt als eine Strafaktion eines tollwütigen amerikanischen Präsidenten daherkommt, hat sich seit längerem angebahnt und ist keine Überraschung. Einmal abgesehen von den historischen Hintergründen ist es kein Debakel, wenn eine Streitmacht, die vor 75 Jahren ein Land in einem Krieg besiegt hat, einen Teil ihrer Truppen aus dem Land abzieht. Eher wäre Verwunderung darüber angebracht, was denn da passiert ist, dass nach einem Dreivierteljahrhundert überhaupt dort noch Truppen vonnöten sind. Wir kennen die Geschichte. Dem heißen folgte der Kalte Krieg und diesem die alleinige Weltherrschaft der USA. Man könnte die Zeit von 1990 bis 2008 den kurzen Sommer der unangefochtenen US-Weltherrschaft nennen. Sie währte vom Zusammenbruch der Sowjetunion 1990 bis zur Weltfinanzkrise 2008. Seit dem bröckelt sie beträchtlich. Nicht lange, in historischen Dimensionen gedacht.

Dass sich in derartig rauschenden Zeiten die Bedürfnisse der Protagonisten ändern, liegt auf der Hand. Bereits mit dem Niedergang der Sowjetunion war es mit der…

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Störfaktor Mensch

Die Regierung der bunten deut­schen Republik – wir reden von einer reprä­senta­tiven Demo­kratie – ist der Wohl­fahrt der Bevöl­kerung verp­flich­tet, denn von einem Teil davon, nämlich dem gemeinen Stimm­vieh, bezieht sie die Wahl­ergeb­nisse, die ihre (Un‍-)Taten legi­ti­mieren. Späte­stens in Krisen­zeiten lassen sich Sach­ver­stand und Kompe­tenz erkennen, oder eben das Ausmaß ihres Fehlens.
Über den Bundesminister vermelden die Medien: »¹Bundes­wirt­schafts­mini­ster Altmaier hat den Anstieg der Corona‍-Neu­infek­tionen in Deutsch­land als wich­tiges Warn­zeichen bezeichnet. ²Die wirt­schaft­liche Erholung werde dadurch gefährdet. ³Der Aufschwung deute sich bereits an und werde in der zweiten Jahres­hälfte an Tempo gewinnen. Altmaier warnte aber, ⁴alles stehe unter dem Vorbe­halt der Gesund­heit der Menschen. ⁵Deshalb seien die stei­genden Fall­zahlen beun­ruhi­gend« (Quelle: BR24).
Der erstgenannte vermeldete Satz erschüttert durch seine absolut nichts­sagende Hohl­heit. Dafür entschädigt aber der zweite Satz: Die wirt­schaft­liche Erholung ist gefährdet, nicht etwa die Gesund­heit der Menschen. Es ist doch immer wieder wohl­tuend, zu hören, wem die Regie­rung sich ver­pflich­tet fühlt. Nachdem die Regie­rung als coro­na‍-be­glei­tende Maß­nahme nichts Eili­geres zu tun hatte, als die Wirt­schaft an und Teile davon in den Ruin zu treiben, liegt das Haupt­augen­merk jetzt – vgl. Satz 3 aus der zitierten Nach­richt – offenbar darauf, die bereits jetzt unüber­seh­baren Schäden möglichst schnell zu über­schminken (also die wahren(?) Macht­haber im Lande zu besänf­tigen).
Dann kommt das Löffel­chen Honig, mit dem das gemeine Stimm­vieh die bittere Medizin gefügig schlucken soll: alles vorbe­halt­lich der Gesund­heit der Menschen. Um der Menschen willen? Hm, naja, der fünfte Satz deutet auf den Blick­winkel, von dem aus eine Antwort gefunden werden könnte: Worauf bezieht sich das ‘deshalb’? Auf die wirt­schaft­liche Erholung (Satz 2) und den Auf­schwung (Satz 3), die durch den Stör­faktor Mensch nicht erwar­tungs­gemäß voran­getrieben werden können? Oder doch eher auf den Vorbe­halt (Satz 4) der Rück­sicht­nahme auf die Ge­sund­heit der Bevöl­kerung? Doch auch diese Lesart degradiert den Menschen zu einem störenden Term in der Rechnung des Wirt­schafts­mini­sters…

Testkosten

Was könnten die sieben Regeln, die ursprüng­lich die Basis des poli­tisch-sozi­alen Lebens auf der orwell­schen Tier­farm bilden sollten, mit Urlaub im Jahr 2020 zu tun haben?

  1. Alles, was auf zwei Beinen geht, ist ein Feind.
  2. Alles, was auf vier Beinen geht oder Flügel hat, ist ein Freund.
  3. Kein Tier soll Kleider tragen.
  4. Kein Tier soll in einem Bett schlafen.
  5. Kein Tier soll Alkohol trinken.
  6. Kein Tier soll ein anderes Tier töten.
  7. Alle Tiere sind gleich.

Nein, es geht nicht um den Punkt 5 bzw. exzes­sives Saufen am Urlaubs­ort. Und auch der dritte Grund­satz ist kaum der Rede wert, außer viel­leicht bei der Frage nach FKK- oder Textil­strand. Im Grunde kann man ohne viel Grübelei auf den letzten Listen­punkt kommen.
Allerdings sollte dieser siebte Grund­satz in seiner (bereits von G. Orwell) moder­nisier­ten Form gelesen werden: Alle Tiere sind gleich, nur manche sind gleicher. Und was hat das nun mit den Urlau­bern im Jahr 2020 zu tun? In den Medien kann man es lesen: »Urlaubs­rück­kehrer können sich seit heute auf mehreren Flug­häfen in Deutsch­land kosten­los auf das Corona­virus testen lassen« (Quelle: swp.de).
Das muß sich sich auf der Zunge zergehen lassen: Wenn ein Normal­sterb­licher einen Test haben möchte, um das Infek­tions­risiko für sich und – als poten­tieller Infek­tions­herd – für andere(!) ab­schät­zen zu können, darf er munter dafür löhnen. Wer hin­gegen per Luft­fahr­zeug aus dem Urlaub zurück­kehrt, kriegt den Corona-Test hinter­her­ge­worfen (wahr­schein­lich als Extra­beloh­nung für die Nutzung eines Verkehrs­mittels mit verhee­render Umwelt­wirkung). Umwelt­freund­liche Urlauber sind auch in der Ar*ch gekniffen, pardon, sind eines Tests nicht würdig.

Merke: Hedonismus und Rücksichts­losig­keit werden belohnt, indem die Kosten für derar­tige Ego-Trips sozia­li­siert werden.

Corona-Wahn-App

Es gibt Nachrichten, die es nicht anders verdient haben, als in aller Sach­lich­keit aufge­nommen und kon­textu­rell einsor­tiert zu werden, um dann den sich einstel­lenden Schub an Schaden­freude weidlich zu genießen.
Ja, es geht um die Corona-Wahn-App, für deren Erstellung die „Koryphäen” der gegen­wärtigen Regierung etliche Milli­onen von Euronen verpulvert haben. Es geht um dieses alberne Spiel­zeug – weil alles, was als App daher­kommt, modern und wiiischdisch ist! –, das bereits ab Reiß­brett höch­stens ein psycho­logisches Pflä­sterchen, sonst aber prak­tisch bedeu­tungslos ist. Ein Placebo, das seit mehreren Wochen schon ent­schei­dende Beiträge im Kampf gegen SARS-CoV‑2 gelei­stet hat, obwohl es flächen­deckend und über Betriebs­systeme hinweg gar nicht aktiv war (siehe u. a. hier).
An sich könnte dieser Text­schnipsel bereits an diesem Punkt beendet werden, wenn sich nicht – aller guten Dinge sind drei – noch ein paar Anmer­kungen nahtlos anfügen würden. Da wäre erstens ein Indiz, die richtige Ent­schei­dung getroffen zu haben, indem ich mich in lebens­wich­tigen Fragen nicht auf eine dubiose Soft­ware verlassen wollte (vgl. hier). Zum zweiten liefert die höchst zweifel­hafte Profes­siona­lität der Wahn-App-Program­mierer ein Indiz, daß an der Larmoyanz wegen fehlender Fachleute (vgl. hier) viel­leicht doch was dran sein könnte. Und schließlich wirft die Pro­jek­tion des Versagens bei der App‑Ent­wick­lung ein sehr schlechtes Licht auf die zu erwar­tende Ent­wick­lung von Covid-Impf­stoffen (vgl. hier).

Zeitkapsel

Kino aus der Anfangs­zeit dieser dar­stel­len­den Kunst hat mit dem heutigen Kino sicher­lich nichts mehr gemein. Keine zehn Pferde würden mich dazu bringen, mir einen heutigen Film anzu­schauen, der vor Äkschn nur so strotzt. Aber zwischen den Bio­scop‑Film­streif­chen der Gebrüder Skla­da­nowsky und dem Wahr­neh­mungs­reiz‑Tsu­nami, der an heutigen Film­kon­sumen­ten ent­fes­selt wird, um deren abge­stumpf­te und nur noch mittels Groß­kali­bers berühr­bare Sinne anzu­regen, gab es auch Kino­filme, die zu recht den dar­stel­len­den Künsten zuzu­rechnen sind (Beto­nung auf Kunst).
Diese sind recht leicht daran zu erkennen, daß sie zum einen etwas zu sagen haben und daß zum anderen die cinea­stischen Hilfs­mittel Werk­zeuge zum Hervor­heben eben dieser Botschaft und nicht etwa reiße­rische Ange­bereien sind, die völlig belang­lose und beliebig aus­tausch­bare „Hand­lungen” als Alibi für ihre narziß­tische Selbst­dar­stel­lung mißbrauchen. Damit sind aber derartige „Kunst”-Filme immer auch Doku­mente ihrer Zeit. Das sind moderne Filme zwar auch; nur sind in heutiger Zeit offen­bar andere Dinge wichtig…

Und dann kommt gerade ein Film in die Kinos, zu dem u. a. in einer Rezen­sion folgendes zu lesen ist: »Was wäre noch über einen Film zu sagen, der schon vor seinem Kino­start so viel allge­meine Aner­ken­nung bekommen hat, mit Festival-Beifall, guten Kritiken und Preisen bedacht wurde?« (Quelle: zeit.de; Hervor­hebung nach­träg­lich hinzu­gefügt). Ja, es geht um die jüngste Ver­filmung eines „Sitten­gemäldes”, das auf den Roman Berlin Ale­xan­der­platz (1929 von Alfred Döblin) zurück­geht. Auch Romane sind Zeugen der Zeit, in der der Autor sein Kunst­werk schuf. Doch sollte man wirk­lich davon aus­gehen, daß die über­lie­ferte Zeit­kapsel besser wird, wenn sie nach rund 90 Jah­ren mit Versatz­stücken der aktu­ellen Mode­erschei­nungen, zu denen durchaus auch poli­tischer Unfug und sinn­be­freite Massen­hysterie gezählt gehören, „ange­reichert” wird?

ungerechtfertigt

Twitter überrascht, wenn man den Medien Glauben schenken darf, mit einer Nachricht, die in Blogistan einem Geburts­tags­präsent gleich­kommt: »Twitter hat angekündigt, Nutzer­konten […] zu sperren. Etwa 150.000 Konten seien betroffen, so der Online-Dienst, 7000 seien bereits entfernt worden. Die Maßnahme begrün­dete Twitter damit, dass die [… Inhalte dieser Kon­ten …] gegen die Richt­linien des Unter­nehmens [ver­stießen]« (Quelle: tages­schau.de).
Und was soll daran nun Beson­deres sein, wo doch hin­läng­lich bekannt ist, daß *iro­nie ein* Zensur eine Grund­feste der freien Meinungs­äußerung *iro­nie aus* ist? Die beson­dere Deli­ka­tesse entfaltet dieses „Zucker­stück­chen” nicht dadurch, wer oder was dort zensiert wird, sondern welche Be­grün­dung für diesen Will­kür­akt her­halten muß, nämlich die ‘Richt­linien des Unter­neh­mens’. Diese Unter­nehmens­richt­linien sind nämlich deshalb und nur deshalb eine *iro­nie ein* mora­lische Instanz, die den Stein­tafeln vom Berg Sinai gleich­kommt, weil ihre auto­ritäre Weisungs­gewalt in regel­mäßigen Abständen von einer Ethik­kommis­sion beglaubigt wird *ironie aus*.

Intoleranz

Darf ich eigent­lich glauben, was immer ich will? Darf ich eine Welt­anschau­ung kulti­vieren, die sich beliebig weit von gängigen Welt­anschau­ungen entfernt? Darf ich eine eigene Meinung zu dem vertreten, was mein Glaube und meine Welt­anschau­ung sind?

Ob wohl alle drei Fragen mit einem klaren „ja” zu beant­worten sind oder viel­leicht doch mit einem zöger­lichen „ja, aber”? Die Antwort ist klar und unmiß­ver­ständ­lich im Grund­gesetz gegeben:

Artikel 4 GG: (1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des reli­giösen und welt­anschau­lichen Bekennt­nisses sind unver­letzlich.

Artikel 5 GG: (1) ¹Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allge­mein zugäng­lichen Quellen unge­hindert zu unter­richten. ²Die Presse­freiheit und die Freiheit der Bericht­erstat­tung durch Rund­funk und Film werden gewähr­leistet. ³Eine Zensur findet nicht statt.

Es findet sich keine Einschränkung der Art: Das Grund­gesetz gilt nur für konforme, für beglau­bigte oder für als unbe­denk­lich einge­stufte Meinungen. Und tat­säch­lich darf man nonkon­formi­stische Meinungen vertreten, ohne daß es die staats­schützen­den Organe kümmern würde; beispiels­weise die, daß die Urknall­theorie eklatante Mängel aufweist. Die Meinung hat keine poli­tischen Konse­quenzen, hätte aber sehr wohl welche, wenn es um den Zugang zu den Futter­trögen akade­mischer Elfen­bein­türme ginge; die freund­lichen Mitmenschen, die ja die Gabe haben, des Königs neue Kleider zu sehen und zu ver­herr­lichen, wüßten den Konkur­renten sehr effekt­voll zu diskri­mi­nieren…

Doch wie sieht es bei Meinungen aus, die halt poli­tisch alles andere als will­kommen sind? Was würde mit einem Menschen passieren, der eine andere Meinung zu den Gewalt­taten hätte, die vom Volk XYZ während der Regent­schaft von König UVW am Volk RST verübt worden sein sollen. Obwohl er nach Art. 4 eine von irgend einer Geschichts­doktrin abwei­chende Meinung haben und sie nach Art. 5 auch äußern darf, würde er zum poli­tischen Unmen­schen gestempelt werden, was mit dem Grund­gesetz voll­kommen unver­einbar ist. Aber wie würde man wohl den rasenden Mob aufhalten können, dem die Lynch­justiz aus den Augen blitzt?

Wohin?

Bastelstunde am Vormittag! Was braucht man mehr? Ich weiß ja nicht, wie es anderen geht, aber ich frage mich, warum diese Bastel­stunde nun notwendig war. Doch dabei ist die Antwort nahe­liegend: Es war eine Repa­ratur erfor­derlich, um den Murks, den irgend ein Klempner verbaut hat, wieder loszuwerden. Es geht um das Rohr, das das Wasch­becken mit dem Abwas­ser‑Orkus der städti­schen Klär­anlage verbindet, kurz Traps genannt. Man könnte dafür Materi­alien verwenden, die eine gewisse Resi­stenz gegen Feuch­tigkeit, Nässe oder gar fließen­des Wasser aufweisen. Aber das wäre ja entschieden zu nahe­lie­gend:Die Über­wurf­mutter am kurzen Schenkel des U-Rohres brauchte nicht mehr geschraubt zu werden, ein kurzer inten­siver Blick genügte, um die innige Verbin­dung umgehend abbrechen zu lassen (wobei brechen wörtlich zu nehmen ist). Mittler­weile ist die gesamte Kon­struk­tion ausge­tauscht. Übrigens mit Kunst­stoff­rohren, denn die verrotten längst nicht so schnell wie Kupfer­rohr‑Imi­tate. Da lenkt auch aller Chrom­glanz nicht davon ab, daß Murks verbaut wurde.
Verglichen mit laden­neuen Bauteilen dürfte etwa die Hälfte des Kupfers im Hucke­pack mit dem Abwasser „ver­schwun­den” sein. Zuge­geben, ich hab’s nicht auf die Gold­waage gelegt, aber so filigran wie die abge­bauten Rohre waren die vergleichs­weise befin­gerten Teile im Baumarkt längst nicht. Doch wo bleiben die Kupfer­atome, -moleküle und -ionen, wenn sich ihre Surf­welle mit einem heime­ligen Glucksen auf Welt­reise begibt? Genauer gefragt: Wie groß ist die Umwelt­bela­stung, wenn sich in Mil­lionen von Haus­halten, Industrie- und Büro­bauten tonnen­weise Kupfer­rohre durch Erosion und Korrosion verdün­ni­sieren? 🤔