ein Jahr vergangen

Na sowas! Schon wieder ist ein Jahr vorüber. Es fühlt sich an, als wäre es gestern gewesen, da ich dieses Blog mit diesem Artikel eröffnet hätte. Doch das hängt vielleicht auch damit zusammen, daß ich in der Zwischenzeit etwas mehr über – nicht nur beim Bloggen – das diffizile Verhältnis von Anspruch und Wirklichkeit zu erfühlen begonnen habe.

Doch was ist das schon, die Wirklichkeit? Reden wir nicht allein mit dem Beispiel namens WordPress über Web-Portale, die deutlich mehr „Wirklichkeiten” beherbergen als es Blogger pro Portal gibt?

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Kunstschnee

Die Erde ist um eine Sehens­würdig­keit reicher! Es schneit Kunst­stoff. Manche behaupten sogar (etwa hier), es würde Plastik(en) schneien, aber das bezweifle ich gar sehr. Eine Sehens­würdigkeit mehr. Es gibt Planeten, auf denen es Ammoniak regnet oder auch Eisen. Nun mal einer, auf dem es Kunst­stoffe regnet…
Und doch dürfte der aktuellen Bericht­erstat­tung ein gehörig Quentchen Panik­mache zugrunde liegen. Es handelt sich um ein Wahr­nehmungs­phänomen. Ja, der Mensch hinterläßt seine Spuren in der Umwelt. Ja, man kann schonend mit seiner Umwelt umgehen oder auch verschwen­derisch. Ja, ein Großteil der Umwelt­bela­stung geht auf die böse, böse Industrie zurück, die profit­maxi­mierend und mit zu wenig Rücksicht auf all die anderen Belange betrieben wird. Und ja, jeder einzelne trägt einen Teil der Schuld durch seine Gier nach immer schneller, immer komfortabler, immer hedoni­stischer. Denn diese Gier erzeugt die Absatzmärkte für die böse, böse Industrie…
Upps, jetzt bin ich vom Thema Wahr­nehmungs­phänomen ganz abgekommen. Also, es gibt eine Belastung der Umwelt mit Kunst­stoff­abfällen. Mit Kunst­stoff­abfällen beliebiger Größe, auch mit kleinen und kleinsten Kunst­stoff­partikeln. Je genauer man hinschaut, desto mehr findet man (das Größe-Anzahl-Verhältnis ist durch eine Pareto-Verteilung ganz gut abschätzbar): je kleiner, desto mehr – und nicht etwa „halb so groß heißt doppelt viele”, sondern mit einer Abhängigkeit in namhafter Potenz. Wird die Nachweis­genauigkeit um einen weiteren Mikrometer gesteigert, werden millionen­fach mehr Teilchen gezählt und wird die Panik millionen­fach erhöht…
Apropos Panik: Noch weiß niemand, welche Wirkung Kleinst­teilchen aus Kunst­stoff haben, aber man kann ja – in vorauseilendem Gehorsam – schon mal alle für mausetot erklären. Zumindest sind Kleinst­partikel im Moment die gewichtigste Keule, mit der Schneisen in den Verstand der Politiker geschlagen werden. Man könnte aber auch mal genauer hinschauen! Woher stammen eigentlich die Kunst­stoff­partikel? Tante Wiki weiß es: Die Daten aus dem Diagramm „Mikroplastik-Emissionen in Deutschland” verraten es. Etwa 60 % stammen in Deutsch­land direkt aus dem Straßen­verkehr. Nix Kunst­stoff­tüte, Einweg­geschirr oder Kunststoff­strohhalm & Co. Und nun die Frage. Richtet die Politik ihre Verbes­serungs­anstren­gungen nach der Wertigkeit des Segments, in dem sie aktuell auf Stimmenfang zu gehen gedenkt?

*** for future

Es war gestern, als mir eine an einem Liefer­wagen ange­brachte Werbe­bot­schaft durchs Gesichts­feld fuhr. Es war eine „*** for future”-Botschaft. Gestern war zwar Freitag, aber an der Stelle der der drei Sternchen stand nicht der Wochentag. Und plötzlich hatte ich die Idee, im welt­weiten Netz nach dem „for future”-Slogan zu suchen, während allerdings „friday” und Spiel­arten davon ausge­schlossen bleiben sollten: 190 Mio. Ergebnisse in 0,31 s…

Und nun frage ich mich, was denn wohl die tiefe Bedeutung einer „*** for future”-Botschaft sein könnte. Praktisch alles, was im Jetzt passiert, mani­festiert sich in der Zukunft (genauer: in der Zukunft der jetzigen Gegen­wart). Korrekter­weise muß sogar das Wort „praktisch” gestrichen werden, denn selbst eine Geschichts­fälschung ändert ja nicht die Geschichte an sich (also die Vergan­genheit), sondern höchstens die Geschichts­auffassung, wie sie in Zukunft verstanden werden soll; kurz: Alles, was im Jetzt passiert, mani­festiert sich in der jetzigen Zukunft.
Mithin ist die Etikettierung von was auch immer mit einer „*** for future”-Überschrift ein ernst­zuneh­mender Hinweis darauf, daß es wohl nicht um ratio­nale Sachlichkeit gehen wird, sondern mögli­cher­weise eher um demago­gische Wort­hülsen. Und das scheint kein Einzel­fall zu sein, sondern – siehe oben – millionenfach geübter Brauch.

Überdruck

Gestern war „Familientag”. Vor ein paar Tagen fragte mich A, ob ich sie und D, ihren Ehemann, nicht nach *** fahren wolle. Die beiden sind recht entfernte Verwandte von mir – eigentlich nicht einmal das, aber die klärenden Details sind an dieser Stelle nur langweilig. Also chauffierte ich die beiden gestern nach ***. Dort trafen wir M und H und zelebrierten Familie. Im Laufe des Nachmittags stieß auch noch R zu unserem erlauchten Kreis. R, M und D sind (unter­einander) Cousin und Cousinen, A ist die Kuß­cousine von H. Soweit klar, ist der Familien­stamm­baum einleuchtend *scherz*? Dann kann’s ja weitergehen…

Da ich weiß, daß A und D schlimmste Schwierig­keiten mit ihren engsten Familien­mit­gliedern, insbe­sondere Kindern, Enkeln, Schwieger­enkeln…, haben, und es bei der verwitweten R kaum besser aussieht und sich auch bei M und H, obzwar kinderlos, arge Familien­probleme auftun, schubste ich die fünf kurz einmal an, um sie aus ihrer – mit Verlaub gesagt – Wohl­fühl­zone zu locken.
Warum das? Nun, vor ein paar Wochen habe ich mit einer Schwieger­enkelin von A und D gesprochen und bin auf völlig verkrustete Vorur­teile gestoßen. Insofern inter­essierte mich brennend, ob und wo es Kompromiß­möglichkeiten geben könnte. Ich brauchte mich nicht weiter zu exponieren: Ein winziger Schubs genügte, um den „Funken” auf die anderen fünf über­springen zu lassen. Ich konnte mich daraufhin auf die Rolle des stummen Beobachters zurück­ziehen, der mit allen Sinnen das gegen­wärtige Gefüge analysiert. Nein, es gab keinen Streit – die Leute haben mitein­ander gesprochen. Sie haben (und wenn auch nur ein Stück weit) ihre Herzen geöffnet und die Münder flossen ihnen über…

Patt-Situation

Das Zusammentreffen vorfahrts­technisch gleich­rangiger Straßen kann durchaus zu Patt­situa­tionen führen. Und das sogar viel häufiger, als man es möglicher­weise zunächst einmal vermuten würde. Und nein, dabei zählen die Fälle absolut nicht mit, in denen der Vorfahrts­berechtigte den Verkehrs­fluß blockiert, nur weil er (♀♂) sich mit der Absicht, nun auch noch nach links abbiegen zu wollen, urplötzlich in einer Situ­ation befindet, die den geistigen Hori­zont offenbar turmhoch überfordert.
Und das Ende der Reise? Müssen gleich­rangige Kreuzungen so bald wie möglich „verschwinden”, da sie von immer weniger Leuten intel­lek­tuell gemeistert werden? Oder geht es um etwas anderes, etwa die Arroganz, sich selbst nur das Beste und allen anderen nur Fehl­verhalten anzu­dichten? Oder bringen nur autonom steuernde Vehikel einen Ausweg aus dem anthro­polo­gischen Dilemma, nämlich sich immer mehr zu dem gezwungen zu fühlen, das man immer weniger versteht?

Lug & Trug

Der Kauknochen, an dem die deutschen Politiker­darstellung aktuell ihre Zähne wetzen, heißt CO2. Kohlen­dioxid in allen Spiel­arten: als handel­bares Zerti­fikat, als Steuer­anlaß, als Grund für eine Grund·gesetz­änderung, als was weiß der Kuckuck.
Vor allem ist das alles so schreck­lich sinn­voll: Obwohl es sich bei diesem Deutsch­land um das größte Deutsch­land der Erde handelt, macht sein Anteil an der Gesamt­atmo­sphäre der Erde überwäl­tigende 0,07 % aus. Man stelle sich vor, in diesem Segment würde per Pauken­schlag überhaupt kein CO2 mehr emittiert; welch eine gewaltige Verbes­serung für den kläglichen Rest von 99,93 % wäre zu gewärtigen. Aber kein CO2 heißt zugleich auch: kein Schampus zur Feier dieser Schnaps­idee, keine kubik­kilo­meter­großen Sprech­blasen von Poli­tiker­darstel­lern mehr, aber auch keine Menschen.
Durch Letzteres würde leider aber auch dem dümm­lichen Stimm­vieh die empi­rische Grund­lage entzogen zu begreifen, daß die Behauptung, eine Zusatz(!)­abgabe, die irgendwie mit Finanz­mitteln aus anderen Ressorts so kompensiert werden soll, daß keine finan­zielle Mehr­belastung dadurch erwächst, schlichtweg ein Versprechen ist, das betrü­gerische Absichten der Poli­tiker­darsteller verstecken soll.