Gedankensplitter

Ostermontag. Der Blick schweift über das kleine Oster­arrange­ment: Ein flaches schalen­förmiges Körb­chen mit etwas (stili­siertem) Moos, darin zwei Eier und eine schlank aufra­gende Hasen­figur. Ganz ehrlich, das hat was Phallisches!

Knapp zweitausend Jahre früher: Marias Sohn könnte ja das Hand­werk seines Ernährers (wenn schon nicht Vaters) fort­führen und als Zimmer­mann (oder wie immer man τέκτων über­setzen mag) seine Bröt­chen verdienen. Aber nein, er wandert herum, verdirbt die CO2-Bilanz durch vieles und langes Reden und heischt Auf­merk­samkeit durch kleine „Kunst­stückchen”. Deren letztes scheint irgendwie in die Hosen gegangen zu sein. Nach der Bekun­dung, vom Glauben abge­fallen zu sein (siehe hier), zog er sich in eine Höhle zurück, um nach drei Tagen doch wieder aufzustehen.

Wenn das kein Grund zum Feiern ist?! Ich werde ganz gerührt zur Feier des Tages die Oster­montags­früh­stücks­eier als Rührei zu mir nehmen.

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astronomisch

»Der Weltraum – unendliche Weiten. Wir befinden uns in einer fernen Zukunft. Dies sind die Abenteuer des neuen Raum­schiffs Enter­prise, das viele Licht­jahre von der Erde entfernt unterwegs ist, um fremde Welten zu entdecken, unbe­kannte Lebens­formen und neue Zivili­sationen. Die Enterprise dringt dabei in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat«. Ach nö, der falsche Film…
Der Weltraum – unendliche Weiten. Wir befinden uns immer an der Grenze zur Zukunft. Und wir reimen uns die Vergan­genheit zusammen, weil wir glauben, damit gerüstet zu sein für alle Zeiten. Vor ewigen Zeiten saß der große Schöpfer auf seiner Terrasse, starrte in den Sonnen­aufgang und schmauchte ein Pfeifchen. Nun gut, der große Schöpfer mag jemand ganz anderer gewesen sein. Und auf der Terrasse saß er auch nicht, die schweben nämlich nicht so einfach im Welt­raum umher (eher schon ritt er auf dem Stern­bild Pegasus oder so). Und es war auch kein Sonnen­aufgang; die Sonne gab es nämlich noch gar nicht, aber in just eben­diesem Jahr­millionen­augenblick beschloß er, selbige zu basteln. Voller Zufrie­denheit über diesen Gedanken blies er eine gewaltige Rauch­wolke über den (nicht vorhandenen) Terrassen­rand. Und weil sein Tabak­dampf nur aus Wasser­stoff und Staub und solchem Gedöns bestand – was einfach nicht schmecken wollte –, beschloß er, neben der Sonne gleich noch einen Garten zu basteln, er würde ihn Virginia nennen, um endlich halbwegs rauchbares Kraut zur Verfügung zu haben.

So fing es also an: eine riesige Staub- und Gaswolke, die durch den Weltraum dümpelte. Irgendwann wurde es den Staub­partikeln und den Vertretern der Familie Gas (also den Atomen und Mole­külen) dann aber zu langweilig. So beschlossen sie, zur Akkretionsscheibe zu wandern. Doch sie unter­schätzten den Herden­trieb: Wenn ein paar wenige Leute Ähnliches machen, schließt sich die Meute früher oder später an (’s könnt ja Bananen zu kaufen geben oder so). So ungefähr läuft es im Welt­raum offenbar auch ab. Zumindest muß es dort um Bananen gegangen sein, denn urplötzlich findet sich der überwie­gende Anteil der Staub- und Gaspartikel auf bananen­förmig gekrümmten Umlauf­bahnen in der Akkretions­scheibe, obwohl es noch gar kein Gravi­tations­zentrum gibt. Das muß sich erst bilden. Der Andrang der Staub- und Gasteilchen ist so groß, daß Platz­anweiser ihren Dienst tun müssen: Wasser­stoff in die Mitte, Schwefel­wasser­stoff, Methan etc. und Staub­partikel an den Rand; rückt mal zusammen, da kommen noch mehr…
Nachdem also die Stoffe einiger­maßen getrennt waren, nahm der Andrang der Wasser­stoffatome, -moleküle und -ionen in der Mitte der Akkre­tions­scheibe dermaßen zu, daß den zuerst Dagewe­senen schier der Kragen platzte. Das geschah so stürmisch, daß nebenbei die H → He-Fusion statt­finden konnte. Die dabei frei werdende Energie (E = Δm·c²) war groß genug, um die Fusions­prozesse in Gang zu halten, aber nicht zu groß, um die sich gerade entflam­mende Sonne nicht gleich wieder zu zerfetzen.
Weiter draußen ging’s längst nicht so stürmisch, wenngleich turbulent genug zu. Da ballten sich Staub­partikel zu Planeten und Asteroiden zusammen. Auch Gaspartikel durften mitspielen. Doch die Bindung der beiden „Parteien” hielt wohl nur dort, wo hinreichend schwere Staub­klumpen genügend (gravitative) Anziehungs­kraft entwickelt hatten. Erstaunlich ist die Verteilung der schweren Elemente. Eisen scheint sich bevorzugt in 150 Mio. Kilo­metern von der Sonne aufzuhalten (das meiste davon befindet sich im Nickel-Eisen-Kern der Erde und einiges andere in den Eisen­meteo­riten). Aller­dings ist es nicht allzu populär, ob auch die Gas­planeten Eisen­kerne besitzen oder Steinkerne oder Kerne aus kristallinen Gasen oder ob sie gar nicht zum Kernobst zählen.
Und dann gibt es zwischen Mars- und Jupiter­bahn noch den Astero­iden­gürtel, der aus Gesteins­brocken besteht, die die Reste eines Kleinst­planeten sein sollen. Weiter draußen gibt es noch mehr Geröll, es ziert den Kuiper­gürtel. Dieser ist flach, scheint also im Zusammen­hang zu stehen mit der großen Akkretions­wanderung. Allerdings kann diese nicht erklären, warum es mehr oder weniger massive Brocken mit vergleichsweise hoher Dichte sind, wo aufgrund der Entstehungs­geschichte eher „Staub­mäuse” zu erwarten sein sollten. Doch vielleicht ist noch weiter draußen wirklich nur noch mit Gas und Staub zu rechnen? Das wäre der Bereich der Oortschen Wolke. Diese soll kugel­förmig, also nicht durch Akkre­tions­bewegungen ausgedünnt sein. Plausibel! Aber, ach, sie besteht auch aus Klumpen, die sich direkt oder als Kollisions­trümmer­teile ab und an in Sonnen­nähe zeigen.

Hmm, war also das Ausgangs­objekt gar keine Staub- und Gaswolke? Und wieso waren Unmengen von Wasser­stoff in diesem Ausgangs­objekt und zugleich erhebliche Mengen schwerer Elemente? Letztere sind Endprodukte eines ausge­brannten Sterns. Wie groß ist die Wahr­schein­lichkeit, daß z. B. eine Super­nova Bauschutt in den Weltraum schleudert, der geradewegs in einer jung­fräu­lichen Wasser­stoff­wolke zum „Stehen” kommt. Und wie groß ist diese Wahr­schein­lichkeit in Bezug zu der Aussage, daß praktisch jeder Stern der Galaxie, zu der auch die Sonne gehört, von einem oder sogar mehreren Planeten umkreist wird?

Stereotypen

Was in der Commedia dell’arte die stereo­typen Figuren sind (z. B. Arlecchino, Colom­bina oder Pantalone), sollte es auch für das gioco della bizzarra vita geben. Für mich könnte ich mir den zornigen alten Mann recht gut vorstellen, wobei das mit dem Zornigen nicht so recht klappen will. Wann und wie fand der Rollen­wechsel vom verträumten Schwärmer hin zum melan­cholischen Ursachen­sucher statt?

verantwortungslos

Zwölfter April, ab heute sollte doch das „Schnelle Brechen” nicht mehr breakfast, sondern ganz zivilisiert wieder Früh­stück heißen?! Ach nein, die 2. Verlängerung!
Ist schon komisch: Natür­lich gibt es (auch diese) eine Verlän­gerung, die Wirtschafts-„Weisen” haben ja bereits ausge­rechnet, was ein (unge­regelter) Brexit kosten würde. Also – apropos Kosten – müssen die Briten zahlen! Mit einer Formalie! Sie müssen für ein paar Monate, die sie heraus­geschunden haben, an den Europa­wahlen – wie kann man so grausam sein?! – teilnehmen.
Wie werden wohl von britischer Seite Wahl­betei­ligung und Stimm­vertei­lung aus­sehen bei einer Wahl für einen unge­liebten Moloch, dessen Klauen zu entkommen sich die Mehrheit des Verei­nigten König­reichs per Referendum gewünscht hat? *grübel*

geht doch

Möglicherweise wäre es das Beste für das gesell­schaft­liche Gefüge aus Staat und Stimm­vieh, wenn vom Staat der Bunten Republik die Existenz­grund­lage der AfD zernichtet würde.

Ja, ich weiß, es gibt Aus­sagen, die ungemein polari­sierend sind, aber gerade bei diesen ist vorschnelle Auf­geregt­heit dringlichst zu vermeiden; es ist an sich selten falsch, sich eine Aussage bis zu ihrem sprach­lichen Abschluß anzu­hören oder bis zumin­dest ihre Kern­aussage verstanden ist (und sich nicht gleich beim ersten Reiz­wort krakeelend aufzu­spielen).

Wenn es am schönsten ist, soll man gehen. Das gilt viel­leicht auch für Parteien. Für unwählbare allemal. Die AfD ist zwar nicht wählbar*, bewegt aber die verbrauchten und dem vorigen Jahrtausend anhängenden Parteien, die lustlos durch die verstaubte Polit­arena traben, zu einem – wenn schon nicht Umdenken – politischen Aktio­nismus, der gar leicht mit demo­kratischen Anwand­lungen verwechselt werden kann… Würde Väter­chen Staat warten, bis sich die AfD an ihren inprak­tikablen Nörgeleien selbst auflöste (kennt jemand die Piraten­partei noch?), würden ähnlich gela­gerte Alter­nativen „verbrannt” sein (im Sinne von verbraucht bis zum gelang­weilten Abwinken).

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*) Keine Partei in der Bunten Republik zeichnet sich durch Wählbarkeit aus, weil das Parteien­system für längst vergangene poli­tische Konstel­lationen sicherlich einmal zweck­mäßig war, es aber aktuell längst nicht mehr ist.

minus = plus

Eine Mauer! Der kleine Donald will seine Mauer! Er ist besessen von der Mauer. Doch halt, er ist ja gar nicht von der Mauer besessen, sondern von der Vor­stel­lung, daß sein Wille geschehe.

Mauer. Auch die höchste (oder wahl­weise längste) Mauer beginnt im Kopf. Wurde denn nicht gerade dafür der Begriff Beton­kopf erfunden?
A propos, Betonkopf: der kleine Donald will, will, will die Mauer. Die poli­tisch anders Wollenden in den Staaten wollen sie nicht (möglicher­weise wollen sie nur ihn nicht; aber solche Gefechte werden nun mal an Stell­vertreter­objekten ausge­fochten). Doch es gibt einen Kompromiß! Da eine Mauer nicht gewollt ist, besteht er mög­licher­weise im Bau einer Anti­mauer: Man nehme eine große Fräse und mache mit ihr aus der amerikanisch-mexikanischen Grenze einen tiefen Graben (sprich eine Antimauer).
Für die Durchfahrts­rechte können – ähnlich zum Panamakanal – Gebühren erhoben werden. D. h. schon nach x‑tausend Jahren dürfte sich der Bau amorti­sieren. Zudem kann sich ein Nach­folge­prä­sident (also von Trump und nicht zwin­gend erst nach dem Ablauf der x‑tausend Jahre) blei­bende Meriten als größten Graben­zuschütter verdienen…