Knobelei

Gibt es einen signi­fikanten Unter­schied, wenn auf einer Treppe, die immer im gleichen Dreh­sinn aufwärts strebt, der mitge­führte Ballast (Regen­schirm, Einkaufs­korb, Müll­eimer etc.) in der linken oder in der rechten Hand getragen wird?

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Streikschaden

»Mehr als 10.000 Teil­nehmer, über 140 geschlos­sene Kitas, 20.000 ausgefallene Unter­richts­stunden: Die Gewerk­schaften GEW und Verdi freuen sich über den ersten der beiden Warn­streik­tage«, so wird in den Medien berichtet (Quelle: rbb24).
Da kann man nur gratu­lieren! Ob sich die Koryphäen, die für kurz­fristige „Siege” im Nano­format ihre klein­lichen Macht­gelüste sozia­lisieren, indem sie mittels millio­nen­facher Geisel­nahme die Gesamt­wirt­schaft beschädigen, wohl darüber Gedanken gemacht haben, daß sie mittel- und langfristig die Armut vergrößern?
Wer sich jetzt nicht ob einer aufblitzenden Erkenntnis mit der flachen Hand vor die Stirn schlägt, sollte sein Triller­pfeifchen hervor­kramen und sich getrost der blökenden Horde anschließen…

Katzenbuckel

Es ist schon seltsam, was der Katze in E. Schrödingers Gedanken­experiment so alles nachsagt wird, um ein Para­doxon zu kreieren (vgl. hier). Die Kurz­fassung – manch­mal sogar mit einem Ausrufe­zeichen garniert – lautet: Die Katze ist zugleich tot und lebendig.
Einen Schmarrn ist sie! Die Meßapparatur (also das Nach­gucken nach dem Öffnen der Kiste) kann nur zwei Zustände der Vital­funk­tionen der Katze messen: entweder sie lebt oder sie lebt nicht (das dazwi­schen­geschal­tete Siech­tum ist per defini­tionem kein Gegen­stand der Messung). Solange nicht gemessen bzw. nachgeschaut wird, hat die Katze keinen realen Vital­zustand. Keinen. Nicht den Zustand „lebendig”, nicht den Zustand „tot”, schon gar nicht den Zustand „tot und zugleich lebendig”. Freilich kann man sich beliebige Mischungen der beiden Eigen­zustände |φT〉 und |φLvorstellen:

|ψ〉 = cT |φT〉 + cL |φL〉.

Diese Vorstellung ist sogar nützlich, um mit Hilfe der Wahr­schein­lich­keits­ampli­tuden 〈φT|ψ〉 bzw. 〈φL|ψ〉 letzt­lich die Wahr­schein­lich­keiten dafür angeben zu können, einen der beiden möglichen „Meßwerte” anzu­treffen, also entweder „tot” oder „lebendig”. Doch diese Vorstellung ist abstrakt, als Rechen­krücke nützlich, nur eben nicht real.
Niemand käme etwa beim Stern-Gerlach Experiment auf die Idee, den (virtuellen) Misch­zustand der durch den Versuchs­aufbau möglichen Eigen­zustände – erkennbar an den beiden(!) Meßwerten ±ħ/2 – als realen Zustand (also beispiels­weise Fermionen mit einem Null-Spin) zu erwarten. Nur dem armen Kätzchen bürdet man einen solchen Unfug auf…

unwert

Demokratie meint, daß Macht und Regie­rung des Staates vom Volk ausgehen. Gemeint ist aber keines­wegs, daß die Staats­belange auf jede Indivi­dualität eines jeden Bevöl­kerungs­mitglieds Rücksicht zu nehmen habe.
Ob wohl ein Volk die Demo­kratie gar nicht verdient hat (im Sinne von: es ist es nicht wert), solange es noch einen nennens­werten Anteil an der Bevöl­kerung gibt, die obiges nicht verstanden hat, noch verstehen will oder kann?

Wanderwähler

Jetzt werde ich mal die Zeit für ein Geständnis nutzen: Ich habe eine gewisse Affinität zu Zahlen und Daten und zu deren Zusammenhängen. Es ist reizvoll und spannend zugleich, im Zahlen­salat auch Strukturen zu erkennen.
Beispielsweise sind Wahl­ergebnisse für sich allein gar nicht so attraktiv. Sie bilden die Grund­lage im wesent­lichen doch nur für zwei Ereignisse. Zum einen sind sie der Anlaß für noch mehr hohle Sprech­blasen und zum anderen für Koalitions­geplänkel und irgendwelche Sitz­verteilungen. Und doch soll in den Quoten­listen noch mehr herauslesbar sein? Und das ohne zwischen wild und suspekt changierenden Spekula- oder Inter­preta­tionen?
Ja, genau das ist möglich (und zeitigt vielleicht sogar unerwartete Einsichten)! Um nicht die Tränen der letzten Landtagswahl wieder aufzurühren, hier mal ein paar fiktive Zahlen, die allerdings gar nicht allzu weit von realen Ergebnis­listen entfernt sind (die Ähnlichkeit mit dem gutbürgerlichen Farbschema wird nicht geleugnet; die D-Partei kann als Zusammen­fassung kleiner Splitter­parteien verstanden werden).
Um das Beispiel nicht zu überfrachten, sind Veränderungen in der Populations­größe, in der Mortalitäts­rate, in der Zahl der zur Wahl stehenden Parteien, im Wahlver­halten der Neuwähler (♀♂) nicht berücksichtigt, sondern nur die Ergebnis­listen der vorigen und der nachfolgenden Wahl. Selbst unter diesen recht mageren Umständen ist es möglich, die Hauptströme der Stimmen­wanderung abzuschätzen, ohne auch nur einen Wähler nach seinem veränderten oder konstant gebliebenen Wahlverhalten zu befragen (und ggf. bewußter Fehl­infor­mation zu unterliegen). Wie es im Detail gerechnet wird, mag den hiesigen Rahmen sicherlich sprengen, aber die in der Abbildung gezeigten „Wanderrouten” sind realitätsnah.
Das Beispiel der B-Partei (rot) ist köstlich (wenn auch nicht überraschend). Etwa 5 % der vormaligen B-Wähler haben ihre Stimme der A-Partei (= vormaliger Wahlsieger) gegeben, doch 30 % lieber der E-Partei (grün). Aber auch die E-Wähler der vorigen Wahl steuern eine kleine Delikatesse bei: Ein Sechstel dieser Wähler haben offenbar das Vertrauen in die „grüne” Politik verloren und flüchten sich in eine der kleinen Parteien. Und dann ist da noch die A-Partei (schwarz). Rund 21 % der vormaligen A-Wähler wählen jetzt die C-Partei (aber inter­essanter­weise nur jeder zehnte B-Wähler).