Türen öffnen

Manchmal ist es gar nicht so verkehrt, den Menschen sich als Tür vorzu­stellen. Es gibt sie in allen denk­baren Farben, Formen und Ausprä­gungen. Manche in Norm­größe, manche recht verschroben. Manche mit Durch­blick, manche beschlagen. Manche mit spezi­ellen Aufgaben, manche höch­stens als Deko­ration. Manche frisch übertüncht, manche lädiert und von Leben gezeichnet (oder war’s der viele Rein-raus-Verkehr?). Manche leicht beweglich, manche nur unter Ächzen zu bewegen.
Und fast alle gewähren Zutritt, wenn man nur den rechten Schlüssel einsetzt.

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Stereotypen

Was in der Commedia dell’arte die stereo­typen Figuren sind (z. B. Arlecchino, Colom­bina oder Pantalone), sollte es auch für das gioco della bizzarra vita geben. Für mich könnte ich mir den zornigen alten Mann recht gut vorstellen, wobei das mit dem Zornigen nicht so recht klappen will. Wann und wie fand der Rollen­wechsel vom verträumten Schwärmer hin zum melan­cholischen Ursachen­sucher statt?

Laufbewegung

Was ist es, das uns am Laufen hält? Und damit meine ich nicht die Fitness-Attitüde, die als Zeit­fresser ins Leben integriert werden muß, weil der sonstige Alltag viel zu wenig Heraus­forderung mit sich bringt.
Was läßt uns Schritt um Schritt machen im dunklen Wald? Was motiviert den nächsten Schritt auf einer schier endlosen Straße, die aller Wahr­schein­lichkeit nach nur ins nächste Jammer­tal münden wird?
Von Jean-Paul Sartre stammt die Bemerkung: „L′enfer, c′est les autres”. Macht dieser Gedanke nicht aber die Welt als Begriff über­flüssig, da er sie mit der Hölle gleich­setzt? Was ist es, das uns in der Hölle am Laufen hält?

Hohlsprech

Vermutlich bräuchte es weniger als eine DIN A4-Seite, um eine strin­gente Argu­men­tations­kette nieder­zuschreiben, warum das Parteien­system (nicht nur) in der Bunten Republik als staat­liches Instru­ment zum Macht­erhalt de facto wertlos geworden ist. Die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern…
Seltsamerweise halten sich jedoch die Politiker­darsteller krampfhaft an den Ruder­bänken fest, an die sie sich mehr oder weniger selbst gekettet haben, um mit viel zu kurzen Paddeln oder sogar ganz ohne solche, also nur mit warmer Luft das Staats­schiff zu manövrieren. Je mehr das Schiff in den Sog des Abgrunds – metaphorisch gesprochen – dort hinten gerät, desto eifriger forcieren sie ihren seit langem schon hohl gewordenen Aktionismus.
Jüngstes Beispiel: Allein die Ankündigung, über einen rele­vanten Punkt der Politik, nämlich über Art. 16a GG, auch nur zu reden: »Wir müssen irgendwann einmal eine große öffent­liche Debatte [zum beste­henden Asyl­recht] führen« (Quelle: tagesschau.de), hat zu einem medialem Sturm­gebraus geführt, das Herrn Merz leicht hätte aus den Start­löchern zu seinem poli­tischen Neustart wehen können. Offenbar ist er aber aalglatt genug, um reumütig das politische Mantra herzubeten, das auf dem schlin­gernden Staats­schiff den Rhythmus vorgibt.

verpeilt

Ein gesundes Wahrnehmungsvermögen haben viele, möglicherweise sogar die meisten Menschen. Wobei das Attribut „gesund” hervorheben soll, daß weder die Reflexion der Umwelt noch durch die daraus hervor­gehende Beeinflussung der individuellen Befind­lichkeit Schaden am körperlichen oder geistigen Zustand erwarten lassen dürfte.
Doch es gibt Ausnahmen. Das Wahrnehmungs­vermögen einer gewissen Frau A. N.* erinnert beispiels­weise an einen Autofahrer, der rasant auf einen Abgrund zusteuert und dabei denkt: Was bin ich für ein begnadeter Fahrer! Es ist doch nicht meine Schuld, wenn direkt vor mir urplötzlich ein Abgrund auftaucht…

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*) Jede Ähnlichkeit mit der keifenden Megäre, die als Parteivorsitzende die letzten Monate genutzt hat, um eine ehemalige Volkspartei unbeirrbar in Richtung „weniger als 5 % Akzeptanz” zu steuern, ist Zufall und unbeabsichtigt.

Exklusion

Ich stöbere ganz gern mal auf WordPress-Seiten herum. Es ist lehrreich zu sehen, was andere publizieren und wie sie es tun. Inhaltliche Präferenzen setze ich nur wenige; ich lese (fast) alles. Manchmal finde ich meine Ansichten bestätigt, manchmal widerlegt. Mitunter sind Inhalt und Form eines Artikels so packend, daß ich gern noch weiterlesen würde, manchmal vergrault mich schon die erste Wortgruppe.
Sei’s drum! Warum sind auf einem öffentlichen Portal gefühlt 20 % der Seiten mit einem Paßwort geschützt? Freilich, man könnte es erbitten (und mehrheitlich vermutlich sogar erhalten), aber warum sollte ich die Katze im Sack „kaufen”?

Ob es bei dieser Zugangshürde möglicherweise um eine Vorsichtsmaßnahme im Zuge der DSGVO gehen könnte? Ach was! Das wäre so sinnig, als würde man mit einem Perlenvorhang die Schutzfunktion der Haustür ersetzen wollen, solange diese beim Schreiner ausgebessert wird…