atemlos

So, jetzt ist also nach „un­erklär­lichen” (Wie­der‑)Aus­brü­chen von SARS-CoV2-Infek­tionen die Zeit gekommen, ange­sichts der „2. Wel­le” eine neue Sau durch’s Dorf zu treiben. Bisher wurden Tröpfchen- und Schmier­infek­tion als die praktisch aus­schließ­lichen Wege zur Ver­brei­tung und auch Erlan­gung eines veri­tablen Viren­bestandes propa­giert; daher auch die „Empfeh­lungen” zu Gesichts­gardine (vgl. hier) und Hände­waschen (vgl. Schluß­satz hier).
Das neue Stichwort hingegen heißt Aerosol: »Covid-19 – Welche Rolle Aero­sole bei der Über­tragung des Corona­virus spielen – Maske und Abstand­halten: Beides gilt weiterhin als wichtige Maß­nahmen zum Schutz vor einer Corona-Infektion. Auch das Tragen eines ein­fachen Mund-Nasen-Schutzes kann einen Luft­strom deutlich mini­mieren« (Quelle: Dlf). Falls sich beim Lesen weder die Fußnägel aufge­rollt haben noch das Taschen­messer in der Hosen­tasche aufge­klappt ist, bitte das Lese­experi­ment wieder­holen. Jetzt gesehen? Noch nicht? Kleiner Tip: Die Gesichts­gardine „kann einen Luft­strom deutlich mini­mieren”.
Da ich nicht zum Hyper­venti­lieren neige (außer viel­leicht, wenn mir solcher Stuß zugemutet wird), stellt sich mein Orga­nismus in Rhythmus und Atem­tiefe ganz von allein so ein, daß die benötigte Sauer­stoff­versor­gung meines Traum­körpers garantiert ist. Die Gesichts­gardine soll, so die zitierte hoch­wissen­schaft­liche Darlegung, den dafür erfor­derlichen Luft­strom deut­lich mini­mieren. Klar, das Einatmen der Aerosol­wolken soll reduziert werden, da darf man sich bei den Neben­wirkungen (als da wären Erstickungs­symptome, wie sie vom Erwürgen her bekannt und beliebt sein dürften) nicht kleinlich zeigen…

gefährlich krank

Bloggen ist unat­traktiv geworden. Man könnte viel­leicht über Psycho­pathen schreiben, die mit ihrem Macht­umfang (nicht mit Geistes­größe zu ver­wech­seln!) größten Schaden ange­richtet haben und weiter an­rich­ten werden: Hitler oder Trump oder sonst wen. Aber man kann’s auch bleiben lassen… 😵

(un)recht

Tja, nun können wir ja recht(!) stolz sein, daß sich unsere aktuelle Recht­spre­chung auf sehr alte Wurzeln berufen kann, nämlich u. a. ger­mani­sches Stammes­recht und römi­sches Recht. Damit wären wir sicherlich vor 2000 Jahren ganz gut aufge­stellt gewesen. Doch sind wir es auch in modernen Zeiten, in denen Menschen ihre höchst suspekten Werte­vor­stel­lungen auf Kosten vieler anderer zele­brieren (vgl. u. a. hier)?

Ein Haufen von Personen, denen man wohl nur unter Zwang eine Denk­tiefe, die selbst für einen Kassenbon nicht ausrei­chend wäre, zuge­stehen mag, skandiert nicht nur undurch­dachte Phrasen, sondern prakti­ziert, aus diesen Recht­ferti­gungen ableitend, grob fahr­lässiges Ver­hal­ten. Das alles freilich abgeschirmt von der durch das Grund­gesetz garan­tierten Freiheit der Meinung.

Dabei wird zu gern „über­sehen”, daß im Wort „Meinung” ein Pos­sessiv­pro­nomen als Ge­dächt­nis­stütze enthalten ist. Meine Meinung ist frei, solange ich sie in meinem Besitz behalte (es ist Sonntag; das räumt etwas Zeit ein, über dieses Oxymoron ein wenig nach­zuden­ken). Leitet sich aus dieser Meinung eine Handlung ab, die minde­stens eine weitere Person berührt, ist der Geltungs­bereich der Meinungs­frei­heit bereits verlassen; da gelten dann andere Gesetze (bzw. sie sollten gelten, aber gelten sie in einem histo­risch befan­genen Rechts­system?).

Warn-App

Lernfähigkeit ist ihre Sache offenbar nicht! Die Rede ist von der Spezies Mensch. Je nach geistiger und vor allem poli­tischer Ver­fas­sung betet sie inbrünstig für das Wahr­werden eines heißen Wunsches oder beschließt das praktische Erreicht-haben eines Zieles (bevor­zugt in irgend­welchen Massen­auf­läufen anläß­lich irgend­eines 5‑Jahres-Plans).
Zwischen diesen beiden extremen Polen gibt es beliebige Abstu­fungen; manchmal genügt nämlich auch ein schlichtes Verkünden: »Die Initiative „Quer­denken 711“ aus Stuttgart will an diesem Sams­tag […] unter dem Motto „Das Ende der Pandemie – Tag der Freiheit“ bundes­weit Teil­nehmer mobi­lisieren« (Quelle: SZ). Nun gut, mit dem Finger zu schnipsen und daraufhin irgendein Ende zu postu­lieren, ist die eine Seite. Die andere Seite ist, ob sich dieses Schnipsen nach der all­fäl­ligen Inku­bations­zeit in der Corona-Infektions­stati­stik nieder­schlägt oder eben nicht. In rund zwei Wochen könnte man mehr wissen, wenn dieses „Frei­land”‑Expe­ri­ment stati­stisch sauber durch­geführt würde (d. h. doppel­blind in den Vergleichs­gruppen „mit” und „ohne” Schutz­maß­nahmen; aber das könnte in der tech­ni­schen Umsetzung etwas schwierig werden…). Bis dahin wird man sich wohl auf Warn-App und Laut­stärke ver­las­sen müssen (wer am laute­sten brüllt, hat recht).
Vielleicht bräuchte es mal eine Warn-App, die die Konta­mina­tion mit geistigem Dünn­schiß regi­striert… 🤔

ungerechtfertigt

Twitter überrascht, wenn man den Medien Glauben schenken darf, mit einer Nachricht, die in Blogistan einem Geburts­tags­präsent gleich­kommt: »Twitter hat angekündigt, Nutzer­konten […] zu sperren. Etwa 150.000 Konten seien betroffen, so der Online-Dienst, 7000 seien bereits entfernt worden. Die Maßnahme begrün­dete Twitter damit, dass die [… Inhalte dieser Kon­ten …] gegen die Richt­linien des Unter­nehmens [ver­stießen]« (Quelle: tages­schau.de).
Und was soll daran nun Beson­deres sein, wo doch hin­läng­lich bekannt ist, daß *iro­nie ein* Zensur eine Grund­feste der freien Meinungs­äußerung *iro­nie aus* ist? Die beson­dere Deli­ka­tesse entfaltet dieses „Zucker­stück­chen” nicht dadurch, wer oder was dort zensiert wird, sondern welche Be­grün­dung für diesen Will­kür­akt her­halten muß, nämlich die ‘Richt­linien des Unter­neh­mens’. Diese Unter­nehmens­richt­linien sind nämlich deshalb und nur deshalb eine *iro­nie ein* mora­lische Instanz, die den Stein­tafeln vom Berg Sinai gleich­kommt, weil ihre auto­ritäre Weisungs­gewalt in regel­mäßigen Abständen von einer Ethik­kommis­sion beglaubigt wird *ironie aus*.

ertappt

Darf von Demagogie gesprochen werden, wenn Begriff­lich­keiten von Dingen oder Vorgängen, für die kein kausaler Zusam­men­hang nach­weis­bar ist, aus dem Kontext (sozial, histo­risch, poli­tisch etc.) heraus­gelöst und mit Ver­satz­stücken aus der verbalen Schatz­truhe, auf deren Etikett Feind­bild steht, zu einem sämigen Schleim zusam­men­gerührt werden?
Das gibt es ja gar nicht?! Oh, doch! Ein kurzer Blick auf die (neurotische?) Profi­lierungs­süchtelei von E. Högl ist beredt genug. An der aktuellen Posse ist nütz­liches Material für anthro­po­logisch-soziale Studien zu finden: 1. Framing[…] ein Riesen­fehler”, 2. Generosität (Machia­velli läßt grüßen)[…] intensiv disku­tieren” und 3. Imagepflege, aber bedeu­tungs­voll zu sein ist – frei nach G. Ch. Lich­ten­berg – etwas anderes, als ein ernst­haftes Gesicht zu machen.

Politsprech

Tja, das ist eine komische Geschichte: Das schmucke Auto zu Schrott gefahren, dann aber mit dicken Backen so tun, als könne niemand sonst den Schaden beheben. Das könnte ohne weiteres als Kurz­dar­stel­lung des M&M‑Treffens auf Schloß Mese­berg durch­gehen, wenn man den Medien Glauben schenken darf. Wobei beiden Ms das Wasser politisch mehr oder weniger bis zum Hals steht, dem tricoloren M nach dem jüngsten Wahl­ergebnis mögli­cher­weise etwas mehr und dem schwar­zrot­goldenen vielleicht etwas weniger.
Und dann lispelt Frau Kanzler u. a. diese bedeu­tungs­schwan­geren Worte in die Mikro­phone: »Wenn Deutsch­land und Frank­reich einig sind, ist nicht Europa sich einig. Aber wenn Deutsch­land und Frank­reich sich uneinig sind, dann ist es mit der Einig­keit Europas nicht besonders gut bestellt« (Quelle: tagesschau.de). Der erste Satz – wo mag das Pfarrers­töch­terchen ihre Deutsch­kennt­nisse aufge­schnappt haben? – besagt in prosa gesprochen: „Wir beiden Macht­menschen wissen sehr wohl, daß wir über die Inter­essen unserer europä­ischen Nachbarn hinweg regieren, aber allem voran müssen unsere Ärsche gerettet werden.” Und damit erschließt sich auch sofort die (wahre) Bedeutung des zweiten Satzes: „Eigent­lich mögen wir uns zwar nicht, aber wenn wir jetzt nicht bilate­ralen Burg­frieden halten, werden die anderen niemals nach unserer Pfeife tanzen”.

Wahnsinn

Wer kennt sie nicht, die ein­stein­sche Behaup­tung¹: »Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergeb­nisse zu erwarten«? Aller­dings dürfte ceteris paribus aber auch kein allzu großer Abstand vom Wahn­sinn vorliegen, wenn unter praktisch unver­änderten (also gleichen!) Bedin­gungen ein Para­digmen­wechsel durch­gepaukt wird.
Stichwort: Corona-Maßnahmen. Nach der Komplett­paralyse² des gesamten Wirtschafts- und Sozial­gefüges wurden von Seiten der Obrig­keits­kaste vorsichtig tastende Locke­rungs­schritte unter­nommen; immer unter der Maßgabe, sie sofort zurück­nehmen zu müssen, wenn sie die viro­lo­gische Lage ver­schlech­tern würden – eine sinnvolle Strategie. Doch seit Tagen über­schlagen sich die Locke­rungs­maß­nahmen, obwohl ein Corona-Hotspot nach dem anderen aufflammt.
Was ist passiert? Fürchten die Mario­netten der Obrig­keits­kaste (vulgo: die Poli­tiker), daß der Druck im Kessel zu einer immensen Explo­sions­gefahr ange­schwollen ist, der sie mit einem großen Knall wegfegen könnte? Dann doch lieber Zuge­ständ­nisse, die diametral zu allem bisher Gesagten stehen, um das gemeine Stimm­vieh bei Laune zu halten? Vor etwa 200 Jah­ren sagte Friedrich v. Müller: »Vom Wahn­sinn gab Goethe die einfache Defi­nition, daß er darin bestehe, wenn man von der wahren Beschaf­fen­heit der Gegen­stände und Ver­hält­nisse, mit denen man es zu tun habe, weder Kenntnis habe noch nehmen wolle, diese Beschaf­fen­heit hart­näckig igno­riere«³, was mögli­cher­weise die bessere Alter­native zur ein­stein­schen Behauptung ist.

—————————
1) Da dürfte dem Meister der (unzu­lässigen?) Ontolo­gisierung (siehe ART) ein ganz großer Wurf gelungen sein. Ist es denn überhaupt – panta rhei – möglich, zweimal das Gleiche zu tun? Zumindest dürfte es sehr schwer­fallen, zweimal in den gleichen Fluß zu steigen.
2) Ob die praktizierte Radikalität wirklich erfor­derlich war, steht auf einem anderen Blatt. Sie entsprang offenbar aus dem ängst­lichen Versuch, nur ja nicht – koste es, was es wolle, und seien es auch Menschen­leben – von einer Infek­tions­welle über­rollt zu werden.
3) Quelle: https://beruhmte-zitate

Satiremagazin

Na, sieh mal einer an: Noch am Wochen­ende hat Onkel Hotte getönt, wegen der in der taz veröf­fent­lichten Sudelei Anzeige zu erstatten. Doch nachdem Königin ◊Angela I. von Mann zu Mann mit ihm gesprochen hat, wird munter zurück­gerudert: »Seehofer erstattet keine Anzeige gegen „taz“-Autorin« (Quelle: JF).
Darf eine „Zeitung” eigentlich alles oder sollte sie nicht eher der Serio­sität ver­pflichtet sein, mit der Fakten ermittelt und publi­ziert und ggf., darauf aufbauend, Blick­winkel erweitert werden? Was die taz dort (und nicht nur aktuell) voll­führt, hat m. E. mit Journa­lismus absolut nichts zu tun. Nach meinem Dafür­halten wäre der aktuelle Sudel-Ausbruch (und wohl auch die noch kommenden) recht entspannt hin­nehm­bar, wenn sich diese „Zeitung” ab sofort umbe­nennen würde: SaTire­mAgaZin. Denn Satire darf ja be­kannt­lich alles…