Medizinindustrie

Ab dem Moment, an dem der Kardio­logie sagte, er würde mich nur medi­zinisch, nicht aber ethisch beraten, verschwendete ich keine Aufmerk­samkeit mehr an die ärzt­liche Konsul­tation. Wie wahr­schein­lich ist es, unter Scheu­klappen hervor einen flüchtigen Blick auf das Wesent­liche am komplexen System Mensch zu erhaschen?

Therapie

Heute prasselten die dummen, gedanken- wie rück­sichts­losen Anfein­dungen nur so auf mich hernieder. Ich wollte kein Anzeichen von Schwäche zeigen und zog stumm Schutz­wälle um mich, merkte aber am Ende des Arbeits­tages, daß mir ein Panzer gewachsen war, undurch­dringlich und hart wie Granit. Ich brauchte Tschai­kowskys 6. Symphony, um mich wieder als Mensch zu fühlen und endlich wieder atmen zu können…

verzerrt

Eigentlich muß man Mitleid haben mit dieser schwedischen Göre. Nun hat sie sich in Madrid anläßlich des Klima­gipfels zu einer Marien– – pardon! – Greta-Erscheinung herab­gelassen und sogar mehrfach das Wort an sich gerissen, und doch ging kein Riß durch den Vorhang im Tempel…
Seltsam, wie sich das Wort ὑστέρα in die Asso­ziations­maschine drängelt! Das ist altgriechisch, heißt Gebär­mutter und ist zugleich die Sprach­wurzel für unser heutiges Wort Hysterie. Eine Sechzehn­jährige, die auf der Atti­tüde eines vier­jährigen Mädchens verharrt, statt den biolo­gischen Gegeben­heiten den dringend notwen­digen Raum zu geben, der für die seelische Entwicklung unent­behrlich ist…

Doch für ihr jüngstes Schaustück muß man der schwedischen Göre direkt dankbar sein (siehe u. a. hier). Ja, sie ist im Zug gefahren. Ja, der Zug war voll. Ja, die Zwitscher­nachricht an ihre Entourage dürfte der Wahrheit entsprochen haben: »Und ich bin endlich auf dem Heimweg!« Und schon haben wir ein Beispiel, wie durch schlichtes Weglassen von Informa­tionen die Realität deutlich verzerrt werden kann. Wie glaubhaft kann generell solch eine Person sein? Was sagt es über die Zeitge­nossen, die einer solchen Person weitaus mehr Aufmerk­samkeit zuwenden, als für ein einmaliges Aha-Erlebnis notwendig wäre?
Die Geschichtsbücher werden dereinst (auch) von dieser Skurrilität berichten: die Ratten­fängerin von Hammeln.

seelenlos

Indem der Mensch mit seiner Umwelt inter­agiert, verän­dert sich die Wahr­nehmung dieser seiner Umwelt. Und Inter­aktion findet schon dann statt, wenn sie mit fragenden, schul­meister­lichen, roman­tisch verträumten oder blinden Augen angeschaut wird oder man nur an sie denkt.
Wenn der schauende Mensch aber beseelt ist, muß er dann nicht einen Abglanz der Seele im Besehenen, also in der Umwelt finden? Und zwar in jedem bedachten Ding dieser Umwelt. Somit hätte jeder Mensch zumindest soviel Seele wie ein Stein; manche aber auch kaum mehr.