Narrenhagen.004

Derzeit verbringe ich pro Tag 0,0014 % meiner vermuteten Lebens­erwartung mit einer inten­siven Schulung in „Abwehr von Geld­wäsche und Terror­finan­zierung”. Der Bank, die diese Schulung sponsert, gefällt es, bestehende und poten­tielle Kunden mit „Straf­punkten” zu bele­gen, die in gar nicht so seltenen Fällen zum Abbruch bzw. der voraus­eilenden Verhin­derung von Geschäfts­beziehungen führen. Solche Malus-Punkte gibt es u. a. beispiels­weise im Zusam­menhang mit der geograph­ischen Herkunft des (potentiellen) Kunden (♀♂), ihm nahe­stehender Personen oder finan­zieller Berater.
Kurz: Die Herkunft kann zu Benach­teiligung führen, nämlich zu einer Vorver­urteilung. Ob das wohl vom Grund­gesetz (speziell Art. 3.3) gedeckt ist?

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Glatteis

Wenn es draußen eisig kalt ist und zudem noch regnet, also auf den kahlen, kalten Schädel regnet, spricht man dann von Glatz­eis?

minus = plus

Eine Mauer! Der kleine Donald will seine Mauer! Er ist besessen von der Mauer. Doch halt, er ist ja gar nicht von der Mauer besessen, sondern von der Vor­stel­lung, daß sein Wille geschehe.

Mauer. Auch die höchste (oder wahl­weise längste) Mauer beginnt im Kopf. Wurde denn nicht gerade dafür der Begriff Beton­kopf erfunden?
A propos, Betonkopf: der kleine Donald will, will, will die Mauer. Die poli­tisch anders Wollenden in den Staaten wollen sie nicht (möglicher­weise wollen sie nur ihn nicht; aber solche Gefechte werden nun mal an Stell­vertreter­objekten ausge­fochten). Doch es gibt einen Kompromiß! Da eine Mauer nicht gewollt ist, besteht er mög­licher­weise im Bau einer Anti­mauer: Man nehme eine große Fräse und mache mit ihr aus der amerikanisch-mexikanischen Grenze einen tiefen Graben (sprich eine Antimauer).
Für die Durchfahrts­rechte können – ähnlich zum Panamakanal – Gebühren erhoben werden. D. h. schon nach x‑tausend Jahren dürfte sich der Bau amorti­sieren. Zudem kann sich ein Nach­folge­prä­sident (also von Trump und nicht zwin­gend erst nach dem Ablauf der x‑tausend Jahre) blei­bende Meriten als größten Graben­zuschütter verdienen…

alle 11 Minuten

Wieder so eine Werbung, die mich zu allem Möglichen animiert, aber nun wohl am aller­wenig­sten gerade zu dem, was mög­licher­weise inten­diert sein könnte. Kann denn das Sprüchlein: „Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single […]” wirk­lich als Wer­bung für etwas verstanden werden? Mich zumindest spricht es als Werbung gegen etwas an. Schließ­lich drängen sich (minde­stens) drei Inter­preta­tionen auf, die alle­samt nicht gerade für das Kuppel­portal sprechen.

Was nützt es eigent­lich, wenn nur ein Single sich verliebt? Gibt es denn unter den Zeit­genossen nicht schon viel zuviele Selbst­verliebte?

Oder soll dafür geworben werden, daß alle paar Minu­ten eine schmach­tende Liebe erblüht, die nur leider unerwidert bleibt?

Zumindest scheint die Zeit­spanne, die es im Durch­schnitt braucht, bis ein in Liebe schwel­gendes Paar sich findet, so wenig werbe­wirksam zu sein, daß sie schamvoll unerwähnt bleibt…

Literatur

Also schön, Literatur wird es wohl immer geben, solange es den Menschen gibt. Aber wie ist das mit der schönen Literatur (sprich Belle­tristik)? Im Buch­laden findet man sowas sogar noch, falls es dort einen Winkel gibt, der mit Klassik über­schrieben ist. Aber sonst?
Ob sich wohl die Gewohnheiten soweit geändert haben, daß es für Belle­tristik keine saftigen, nähr­stoff­reichen Böden mehr gibt, sondern nur noch karge Ödnis? Weil sich in unserer schnelle­bigen, ober­fläch­lichen Zeit kaum noch jemand die Mühe macht, Tiefes zu heben und auf­zuar­beiten? Weil Anstrengung und Nutzen in keinem akzep­tablen Verhältnis stehen? Weder beim Schreiben, noch beim Konsu­mieren des Geschrie­benen, vom Verstehen des Gelesenen (dem Verstehen­wollen wie dem Verstehen­können) ganz zu schweigen.

geben und nehmen

Das alte Jahr ist beinahe schon zu Ende. Was das neue Jahr wohl bringen mag? Doch ist denn gerade diese Frage nicht unlogisch, nämlich diametral zur Erfahrung und zu allen Wahr­schein­lich­keiten? Ist sie letzt­lich nicht ein wenig oberflächlich?
Sind denn die Jahre, die etwas brachten, nicht längst abgelöst von denen, die unbarm­herzig etwas nehmen: die Haare, die Zähne, die Gesund­heit, Freunde und Lebens­gefährten und eben auch den Glauben daran, daß Jahre etwas (Ange­nehmes) brächten…