atemlos

So, jetzt ist also nach „un­erklär­lichen” (Wie­der‑)Aus­brü­chen von SARS-CoV2-Infek­tionen die Zeit gekommen, ange­sichts der „2. Wel­le” eine neue Sau durch’s Dorf zu treiben. Bisher wurden Tröpfchen- und Schmier­infek­tion als die praktisch aus­schließ­lichen Wege zur Ver­brei­tung und auch Erlan­gung eines veri­tablen Viren­bestandes propa­giert; daher auch die „Empfeh­lungen” zu Gesichts­gardine (vgl. hier) und Hände­waschen (vgl. Schluß­satz hier).
Das neue Stichwort hingegen heißt Aerosol: »Covid-19 – Welche Rolle Aero­sole bei der Über­tragung des Corona­virus spielen – Maske und Abstand­halten: Beides gilt weiterhin als wichtige Maß­nahmen zum Schutz vor einer Corona-Infektion. Auch das Tragen eines ein­fachen Mund-Nasen-Schutzes kann einen Luft­strom deutlich mini­mieren« (Quelle: Dlf). Falls sich beim Lesen weder die Fußnägel aufge­rollt haben noch das Taschen­messer in der Hosen­tasche aufge­klappt ist, bitte das Lese­experi­ment wieder­holen. Jetzt gesehen? Noch nicht? Kleiner Tip: Die Gesichts­gardine „kann einen Luft­strom deutlich mini­mieren”.
Da ich nicht zum Hyper­venti­lieren neige (außer viel­leicht, wenn mir solcher Stuß zugemutet wird), stellt sich mein Orga­nismus in Rhythmus und Atem­tiefe ganz von allein so ein, daß die benötigte Sauer­stoff­versor­gung meines Traum­körpers garantiert ist. Die Gesichts­gardine soll, so die zitierte hoch­wissen­schaft­liche Darlegung, den dafür erfor­derlichen Luft­strom deut­lich mini­mieren. Klar, das Einatmen der Aerosol­wolken soll reduziert werden, da darf man sich bei den Neben­wirkungen (als da wären Erstickungs­symptome, wie sie vom Erwürgen her bekannt und beliebt sein dürften) nicht kleinlich zeigen…

unklug

Wenn der Verstand in theore­tisch-abstrak­ten Dingen kor­reliert wäre mit Vernunft (oder Klugheit oder Weisheit), würde heut­zutage dann „Nicht diesen, sondern Bar­ra­bam” [also das – höre z. B. hier – Bevor­teilen eines Asozialen] aus­ge­schlos­sen sein?

(un)recht

Tja, nun können wir ja recht(!) stolz sein, daß sich unsere aktuelle Recht­spre­chung auf sehr alte Wurzeln berufen kann, nämlich u. a. ger­mani­sches Stammes­recht und römi­sches Recht. Damit wären wir sicherlich vor 2000 Jahren ganz gut aufge­stellt gewesen. Doch sind wir es auch in modernen Zeiten, in denen Menschen ihre höchst suspekten Werte­vor­stel­lungen auf Kosten vieler anderer zele­brieren (vgl. u. a. hier)?

Ein Haufen von Personen, denen man wohl nur unter Zwang eine Denk­tiefe, die selbst für einen Kassenbon nicht ausrei­chend wäre, zuge­stehen mag, skandiert nicht nur undurch­dachte Phrasen, sondern prakti­ziert, aus diesen Recht­ferti­gungen ableitend, grob fahr­lässiges Ver­hal­ten. Das alles freilich abgeschirmt von der durch das Grund­gesetz garan­tierten Freiheit der Meinung.

Dabei wird zu gern „über­sehen”, daß im Wort „Meinung” ein Pos­sessiv­pro­nomen als Ge­dächt­nis­stütze enthalten ist. Meine Meinung ist frei, solange ich sie in meinem Besitz behalte (es ist Sonntag; das räumt etwas Zeit ein, über dieses Oxymoron ein wenig nach­zuden­ken). Leitet sich aus dieser Meinung eine Handlung ab, die minde­stens eine weitere Person berührt, ist der Geltungs­bereich der Meinungs­frei­heit bereits verlassen; da gelten dann andere Gesetze (bzw. sie sollten gelten, aber gelten sie in einem histo­risch befan­genen Rechts­system?).

Warn-App

Lernfähigkeit ist ihre Sache offenbar nicht! Die Rede ist von der Spezies Mensch. Je nach geistiger und vor allem poli­tischer Ver­fas­sung betet sie inbrünstig für das Wahr­werden eines heißen Wunsches oder beschließt das praktische Erreicht-haben eines Zieles (bevor­zugt in irgend­welchen Massen­auf­läufen anläß­lich irgend­eines 5‑Jahres-Plans).
Zwischen diesen beiden extremen Polen gibt es beliebige Abstu­fungen; manchmal genügt nämlich auch ein schlichtes Verkünden: »Die Initiative „Quer­denken 711“ aus Stuttgart will an diesem Sams­tag […] unter dem Motto „Das Ende der Pandemie – Tag der Freiheit“ bundes­weit Teil­nehmer mobi­lisieren« (Quelle: SZ). Nun gut, mit dem Finger zu schnipsen und daraufhin irgendein Ende zu postu­lieren, ist die eine Seite. Die andere Seite ist, ob sich dieses Schnipsen nach der all­fäl­ligen Inku­bations­zeit in der Corona-Infektions­stati­stik nieder­schlägt oder eben nicht. In rund zwei Wochen könnte man mehr wissen, wenn dieses „Frei­land”‑Expe­ri­ment stati­stisch sauber durch­geführt würde (d. h. doppel­blind in den Vergleichs­gruppen „mit” und „ohne” Schutz­maß­nahmen; aber das könnte in der tech­ni­schen Umsetzung etwas schwierig werden…). Bis dahin wird man sich wohl auf Warn-App und Laut­stärke ver­las­sen müssen (wer am laute­sten brüllt, hat recht).
Vielleicht bräuchte es mal eine Warn-App, die die Konta­mina­tion mit geistigem Dünn­schiß regi­striert… 🤔

Zeitkapsel

Kino aus der Anfangs­zeit dieser dar­stel­len­den Kunst hat mit dem heutigen Kino sicher­lich nichts mehr gemein. Keine zehn Pferde würden mich dazu bringen, mir einen heutigen Film anzu­schauen, der vor Äkschn nur so strotzt. Aber zwischen den Bio­scop‑Film­streif­chen der Gebrüder Skla­da­nowsky und dem Wahr­neh­mungs­reiz‑Tsu­nami, der an heutigen Film­kon­sumen­ten ent­fes­selt wird, um deren abge­stumpf­te und nur noch mittels Groß­kali­bers berühr­bare Sinne anzu­regen, gab es auch Kino­filme, die zu recht den dar­stel­len­den Künsten zuzu­rechnen sind (Beto­nung auf Kunst).
Diese sind recht leicht daran zu erkennen, daß sie zum einen etwas zu sagen haben und daß zum anderen die cinea­stischen Hilfs­mittel Werk­zeuge zum Hervor­heben eben dieser Botschaft und nicht etwa reiße­rische Ange­bereien sind, die völlig belang­lose und beliebig aus­tausch­bare „Hand­lungen” als Alibi für ihre narziß­tische Selbst­dar­stel­lung mißbrauchen. Damit sind aber derartige „Kunst”-Filme immer auch Doku­mente ihrer Zeit. Das sind moderne Filme zwar auch; nur sind in heutiger Zeit offen­bar andere Dinge wichtig…

Und dann kommt gerade ein Film in die Kinos, zu dem u. a. in einer Rezen­sion folgendes zu lesen ist: »Was wäre noch über einen Film zu sagen, der schon vor seinem Kino­start so viel allge­meine Aner­ken­nung bekommen hat, mit Festival-Beifall, guten Kritiken und Preisen bedacht wurde?« (Quelle: zeit.de; Hervor­hebung nach­träg­lich hinzu­gefügt). Ja, es geht um die jüngste Ver­filmung eines „Sitten­gemäldes”, das auf den Roman Berlin Ale­xan­der­platz (1929 von Alfred Döblin) zurück­geht. Auch Romane sind Zeugen der Zeit, in der der Autor sein Kunst­werk schuf. Doch sollte man wirk­lich davon aus­gehen, daß die über­lie­ferte Zeit­kapsel besser wird, wenn sie nach rund 90 Jah­ren mit Versatz­stücken der aktu­ellen Mode­erschei­nungen, zu denen durchaus auch poli­tischer Unfug und sinn­be­freite Massen­hysterie gezählt gehören, „ange­reichert” wird?

Lieferkettengesetz

Nun gut, diese Spezies nennt sich „wissender Mensch” und nicht etwa denkender Mensch oder verste­hender Mensch. So können die Hirn­wichse­reien und geistigen Ergüsse, von denen der eine oder andere auf dieser Sammlung von Text­schnip­seln, die den Namen Blog nun nicht unbedingt verdient, unter der Kategorie „Narren­hagen” Erwähnung findet, nicht wirklich überraschen. Ja, auch das Thema Liefer­ketten­gesetz gehört in diese Kategorie.
Ich sehe mich im Super­markt eine Tüte Reis­körner auswählen. Und freilich will ich einen lücken­losen Nachweis darüber haben, auf welchen Wegen dieses (meistens, außer viel­leicht im Hoch­zeits­spalier) Nahrungs­mittel hier ins Regal gekommen ist. Ich erwarte eine Art Beipack­zettel mit Fakten zu Produ­zenten und, detailliert, jeden Produk­tions­schritt, zu Lieferanten und Zwischen­händlern, zu den Trans­port­wegen und Distri­butions­mecha­nismen. Und das alles nicht etwa nur für das Produkt, also die Tüte mit Reis­körnern, sondern für jedes einzelne Reiskorn. Es wäre doch verheerend, wenn die komplette Charge konta­miniert wäre von einem Reiskorn, dessen Reis­bauer sich, basierend auf welch verquasten Vor­stel­lungen auch immer, nicht als würdig erwiese, den ethisch-mora­lischen Gott­wesen, dort am anderen Ende der Welt, in diesem kleinen Land von nicht einmal 360 Tsd. km², Atzung zu liefern.
Ich sehe Einkäufer die Konti­nente bereisen, die mit der Uner­bitt­lich­keit histo­rischer Polit­kommis­sare Informa­tionen zum Umfeld des aktu­ellen Handels­gegen­standes „beschaffen”. Genügen diese Informa­tionen einem geheiligten Anforderungs­katalog, darf der Handel verhandelt werden. Elementare Verstöße ziehen den sofortigen Abbruch aller Geschäfts­beziehungen und einen (praktisch nicht mehr tilg­baren) Eintrag in ein Sünden­register nach sich. Falls es jedoch zu Verhand­lungen kommt, stehen sie unter dem Motto: Was immer als Preis aufge­rufen wird, wir bieten das Dreifache. Nicht laut gesprochen wird freilich die Recht­ferti­gung: Die gutmen­schelnden Gottwesen am Ende der Handels­kette wollen sich ein ruhiges Gewissen erkaufen; dafür ist kein Preis zu hoch, auch der nicht, das Prekariat im eigenen Land dafür bluten zu lassen.
Ich sehe Politiker­darsteller, die nach außen hui und nach innen pfui agieren. Deren Kontroll­wahn mittler­weile so weit geht, weltweit alles zu kontrol­lieren, nach höchst anmaßendem Werte­maßstab zu be- und vor allem zu verur­teilen. Kinder­arbeit beispiels­weise in einer mittel­asiati­schen Teppich­knüpferei ist grausam, ohne Zweifel. Ist es aber weniger grausam, diesen Kindern, die womöglich den Haupt­anteil am Über­leben ihrer Familie beitragen, die Absatz­märkte zu kappen und sie „reinen Gewissens” mitsamt ihrer Familie verhungern zu lassen?

Pedanterie

So um das Jahr 1930 herum schrieb Robert Musil in seinem Roman Der Mann ohne Eigen­schaften folgende Sätze: »Genauigkeit, als mensch­liche Haltung, verlangt auch ein genaues Tun und Sein. Sie verlangt Tun und Sein im Sinne eines maxi­malen An­spruchs. Allein hier ist eine Unter­schei­dung zu machen.
Denn in Wirk­lich­keit gibt es ja nicht nur die phan­tasti­sche Genauig­keit […], sondern auch eine pedan­tische, und diese beiden unter­scheiden sich dadurch, daß sich die phanta­stische an die Tatsachen hält und die pedan­tische an Phan­tasie­gebilde. […] Es gibt also in Wirk­lich­keit zwei Geistes­verfas­sungen, die einander nicht nur bekämpfen, sondern die gewöhnlich, was schlimmer ist, neben­ein­ander bestehen, ohne ein Wort zu wechseln, außer daß sie sich gegen­seitig versichern, sie seien beide wün­schens­wert, jede auf ihrem Platz. Die eine begnügt sich damit, genau zu sein, und hält sich an die Tatsachen; die andere begnügt sich nicht damit, sondern schaut immer auf das Ganze und leitet ihre Erkennt­nisse von so­genann­ten ewigen und großen Wahr­heiten her. Die eine gewinnt dabei an Erfolg, und die andere an Umfang und Würde. Es ist klar, daß ein Pessimist auch sagen könnte, die Ergeb­nisse der einen seien nichts wert und die der anderen nicht wahr
« (Quelle: Der Mann ohne Eigen­schaften, Band I, Lizenz­ausgabe des Verlages Volk und Welt, Berlin 1980).
Und nun, knapp einhundert Jahre später, sei ganz schlicht die naive Frage erlaubt, ob die aktu­elle Gene­rali­sierung von Rassis­musvor­würfen, von ge­schlechter­spezi­fischem Aktio­nismus, von Mutter­sprach­mord oder die rüc­kwirkende Geschichts­berei­nigung eher zum Stich­wort Genauigkeit oder nicht viel­leicht doch zur Pedanterie zu zählen ist?

Nullnummer

Nach wie vertrete ich die Meinung, dass die Regie­rung der Bunten Republik in bezug auf SARS-CoV‑2 eher durch Inkom­petenz und Fehler glänzt als durch souve­ränes Krisen­mana­gement. Aber, doch wohl nur in der Anfangs­phase? Ja, da ganz augen­fällig! Doch mitt­ler­weile sind sechs Monate vergangen, in denen das Poten­tial bestand zum Analy­sieren, Verstehen und, daraus abge­leitet, zum Etab­lieren eines Sets wirk­samer Aktionen. Nun ist eine Mög­lich­keit das eine, deren Umsetzung in Realität aber etwas ganz anderes. So tönt es jetzt angesichts der – Uiuiui! – ominösen zweiten Welle aus Regie­rungs­kreisen etwa so: »Bei einem neuen Corona-Ausbruch sollen die Menschen des betrof­fenen Land­kreises diesen nicht mehr verlassen dürfen« (Quelle: BR24).
Wirklich!? Wer soll das kontrol­lieren? Wie und an welchem Grenz- und Kon­troll­punkt welcher Land­kreis­grenze soll kon­trol­liert werden? Was geschieht mit ille­galen Grenz­über­tretern?

likes

Der gestrige Artikel hat mich 3 follower gekostet. Ist dieser 2,2 %‑Verlust nun als hoch einzu­schätzen oder gar als zu hoch? Da nach meinem Empfinden die über­wie­gende Mehrheit der „Ich-werde-Follower”-Aktionen eh nur Tit4Tat-Aktionen sind, messe ich diesem Teil der WP‑Sta­tistik so gar keine Bedeu­tung bei, da ich absolut keine mate­ri­ellen Vorteile davon habe und sich mein Ego von Belang­losig­keiten nicht pampern läßt. Aber wie – um im Thema zu bleiben – sieht es mit likes aus, dem pikto­graphi­schen Äqui­valent des Applauses?
Für die jüngsten 10 Artikel sind in der Graphik die Anzahl der Aufrufe der Anzahl der spen­dierten likes gegen­über­ge­stellt:
Im Mittel – das ist die gestrichelte Linie im Chart – kommen auf 100 Aufrufe 31 likes (zumindest kamen so viele bei den letzten zehn Artikeln). Diesen Nektar für die Seele schlürfe ich mit wohligstem Vergnügen😌 und danke recht herzlich dafür😊! Und nun die Frage an die Amateur-Sherlocks: Welcher von den 10 gezeigten Punkten steht für den eingangs erwähnten Artikel mit der gekün­digten Gefolg­schaft? 🤔