*** for future

Es war gestern, als mir eine an einem Liefer­wagen ange­brachte Werbe­bot­schaft durchs Gesichts­feld fuhr. Es war eine „*** for future”-Botschaft. Gestern war zwar Freitag, aber an der Stelle der der drei Sternchen stand nicht der Wochentag. Und plötzlich hatte ich die Idee, im welt­weiten Netz nach dem „for future”-Slogan zu suchen, während allerdings „friday” und Spiel­arten davon ausge­schlossen bleiben sollten: 190 Mio. Ergebnisse in 0,31 s…

Und nun frage ich mich, was denn wohl die tiefe Bedeutung einer „*** for future”-Botschaft sein könnte. Praktisch alles, was im Jetzt passiert, mani­festiert sich in der Zukunft (genauer: in der Zukunft der jetzigen Gegen­wart). Korrekter­weise muß sogar das Wort „praktisch” gestrichen werden, denn selbst eine Geschichts­fälschung ändert ja nicht die Geschichte an sich (also die Vergan­genheit), sondern höchstens die Geschichts­auffassung, wie sie in Zukunft verstanden werden soll; kurz: Alles, was im Jetzt passiert, mani­festiert sich in der jetzigen Zukunft.
Mithin ist die Etikettierung von was auch immer mit einer „*** for future”-Überschrift ein ernst­zuneh­mender Hinweis darauf, daß es wohl nicht um ratio­nale Sachlichkeit gehen wird, sondern mögli­cher­weise eher um demago­gische Wort­hülsen. Und das scheint kein Einzel­fall zu sein, sondern – siehe oben – millionenfach geübter Brauch.

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Durchblick

Gefühlt war das heute ein Halb­marathon. Indoor, also im Super­markt. Auf der Suche nach dem Regal, in dem sich Brillen­putz­tücher versteckt haben könnten. Wo genau sollte man da eigentlich suchen? Allge­mein bei Putz­mitteln oder doch lieber speziell bei Glas­reinigern? Gibt es davon deshalb so unüber­sehbar viele, weil es so viel durch eine Glas­scheibe hindurch zu sehen geben könnte? Irgendwie konnte ich in der Abteilung der Putz­helfer­lein nicht fündig (oder besser blickig) werden.
Also ab in die Papier­abteilung. Aber nicht in die für nasale, orale oder rektale Weich-doch-haltbar-Papiere. Auch nicht in die für Schreibpapiere, denn es soll ja um (besseres) Gucken gehen, wenn auch um besseres Gucken fürs Schreiben. Bleibt also nur noch – wenn es schon um besseres Gucken geht – die Abteilung mit Linsen­gerichten. Doch auch dort nur Irrungen und Wirrungen.
Von dem, was ich suchte, war nichts zu sehen. Wie sollte es auch, schließlich brauchte ich die Brillen­putz­tücher ja gerade deshalb, weil meine Augen­gläser aussahen und so durch­sichtig waren wie Salami­scheiben… 😉

Präzedenzfall(e)

Na also, nun wissen wir es: Wer beim Einparken bei der Hafen­einfahrt rempelt und sich zudem über geltendes nationales und inter­nationales Recht hinweg­setzt, kann sowohl das Kapitäns­patent behalten als auch nicht nur straffrei, sondern sogar als Held aus der Sache hervorgehen.
Man muß nur publikums­wirksam von einer Notlage faseln, die a) nicht vorhanden war und b) als Kick fürs Ego ange­strebt und überhaupt erst herbei­geführt wurde. Dann noch den Sprach­schatz auf genau die Reiz­worte redu­zieren, die bei den Gutmenschen pawlow­sche Reflexe auslösen – sprich: Seenot, Boots­flüchtlinge, Migranten… –, und schon ist man wieder auf freiem Fuß und kann auch gleich die Zugabe(?) ankündigen.
Die Entscheidung, keine freiheits­entzie­henden Maß­nahmen gegen sie zu verhängen, empfinde sie als großen Gewinn für die Solida­rität mit Flücht­lingen, Migranten und Asyl­bewerbern und gegen die Krimi­nalisierung der Helfer (Quelle: welt), also so eine Art Ra(c)ketendrohung?

verrückte Krieger

Wenn der Imperator eines hegemonie­süchtigen Volkes eine Gelegenheit sucht, um mal wieder einen Krieg vom Zaun zu brechen, braucht es keine Fakten. Es reichen unbe­wiesene Behaup­tungen, die durch Twitter-Gedaddel zu Fakten erhoben werden. Und dann die US-Drohne, die in fremdem Hoheits­gebiet oder vielleicht auch außer­halb von diesem abgeschossen wurde.
Tja, das hat sich der orange-gesichtige Diktator so sicherlich nicht vorgestellt, daß sein Kriegs­spielzeug offenbar recht angreifbar ist. Da möchte man wohl doch lieber (noch) keinen Krieg mit führen. Das Aussetzen des Kriegs­beginns ist keine humanitäre Geste, sondern wohl eher der Angst geschuldet, mit milliarden­schwerem „Spielzeug” weniger militä­rischen Vorteil als viel­leicht recht herben Image­verlust zu erleben.
Insofern ist der Vorwurf „geistiger Behin­derung” (siehe u. a. hier) sicher­lich nicht gerecht­fertigt. Verzerrtes Welt­bild würde es wohl eher treffen, dürfte aber beim Schniepel­vergleich zweier α-Tierchen nicht die gewünschte propa­gandi­stische Wucht entfalten. Anderer­seits ist, da Rohani offen­kundig von einer geistigen Behinderung ausgeht, sein Kommuni­kations­gebaren doch recht unverständlich…

Wurzel des Übels

Das Maas-Männchen hat wieder zuge­schlagen: »Zeigen wir, dass wir mehr sind als die Rechts­radikalen, die Anti­semiten, die Spalter« (Quelle: deutschlandfunk). Wem?! Wem will er das zeigen? Will er der „normalen” Mehrheit etwas zeigen? Die weiß es doch aber längst, weiß es sogar mehrheitlich. Oder will einer Minderheit etwas zeigen? Die weiß es doch aber auch, da sie sich gezielt gegen die Mehrheit richtet. Wem will er also etwas zeigen und warum?
Ist Rechtsradikalismus wirklich(!) ein Problem oder wird es – Hand aufs Herz! – gerade mal wieder zu einem solchen gemacht? Sind denn Feind­bilder nicht immer gut (ja geradezu dafür erfunden worden), um demago­gische Ziele einpeit­schen zu können?
Die maasianischen Auslassungen würden auch bzw. gerade funktio­nieren, wenn er das Attribut „rechts” vor Radi­kalismus bzw. Terror weglassen würde. Ja, es sind Radi­kalismus und Terror (und noch ein paar andere), die den Status quo infrage stellen. Ob da etwas nun von links oder rechts, von oben oder unten kommt, ist unwesentlich. Wesent­lich ist die Bedeutung: Radi­kalismus kommt von radix (lat., Wurzel), will also das Übel bei der Wurzel packen.
Die Frage lautet doch nicht, ob es Radi­kalismus gibt. In einer leben­digen Gesell­schafts­struktur muß es ihn geben, nur in Dikta­turen nicht. Dort wird aller Terror (vom lat. Schrecken abge­leitet) einge­setzt, um von jedweder Form des Angriffs auf die Diktatur abzu­schrecken. Auch Hirn­wäsche mit Horror­szenarien ist ein solches Mittel, beispiels­weise durch den Einsatz absurder Feind­bilder. Ob sich das Maas-Männchen bewußt ist, an welchem Pulverfaß er so inbrünstig zündelt?

flügellahme Glucke

Ganz ehrlich, jetzt bin ich aber so richtig enttäuscht von Königin ◊Angela I.: »200 Jugend­liche waren zur Diskus­sion mit Angela Merkel in den großen Saal der Kaiser­pfalz in Goslar gekommen« (Quelle: tagesschau.de); unter anderem sei es wohl auch um das „Vernichtung der CDU”-Video gegangen…
Wo Frau Kanzler bisher eine Meisterin des Reagierens war, um macht­sichernd auf das Tritt­brett aufzu­springen, das zuerst und am weitesten aus den Wogen des poli­tischen Gewühles hervor­ragt, wenn der Sturm im Wasser­glas so langsam abflaut, hat sie in Goslar versucht, aus Schei*e Bonbons zu machen. Ein paar Reiz­worte, freilich auch das erhabenste (wenngleich sprachlich unsinnigste), nämlich Klima­schutz, die auf sprach­lich höchst frag­würdigem Niveau (=Baby-Sprech) durch den Raum waberten. Jugend­sprach­mimikry. Oder wollte Frau Kanzler mit ihrer Sprech­weise vermitteln, was sie von den intel­lektuellen Fähig­keiten der Jugend­lichen hielt?
Und alles hübsch unkonkret. Nun ja, so funktio­nieren Politiker­darsteller halt. Und alles hübsch unpersönlich: man hat versäumt…, man hätte sich austauschen müssen…, man müsse offen reagieren…

unerträglich

Wieder so eine Nachricht, bei der ich feucht werde: »Eine Wirt­schaft, die dem Wohle der Menschen dient, hat Bundes­kanz­lerin Angela Merkel auf der Jubi­läums­tagung der Inter­nationalen Arbeits­organi­sation (ILO) gefordert. Die Kanzlerin [… sprach …] sich für menschen­würdige Arbeits­bedingungen überall auf der Welt aus. […] „Die Wirt­schaft hat den Menschen zu dienen und nicht umgekehrt”, sagte Merkel« (Quelle: Zeit.de, Hervor­hebung nach­träglich einge­fügt). Eine Sprech­blase, die offen­kundig gar nicht groß genug sein kann, die überall auf der Welt Gültig­keit haben soll (wenn­gleich still­schweigend Erde gelesen werden sollte).
Wie sinnentleert die merkelsche Phrase ist, läßt sich an einer Nachricht abschätzen, die fast zeit­gleich durch die Medien lief: »Noch immer müssten 152 Millionen Mädchen und Jungen – fast jedes zehnte Kind auf der Welt – arbeiten, um zum Über­leben ihrer Familien beizu­tragen, erklärte Unicef in Köln. Die meisten Betrof­fenen gebe es in Afrika. Insgesamt leide fast die Hälfte der Kinder unter Arbeits­bedingungen, die gefährlich oder ausbeu­terisch seien« (Quelle: deutschlandfunk.de, Hervor­hebung nach­träglich einge­fügt). Mal abgesehen davon, daß sich die Redak­teure hier ein pracht­volles Selbsttor rein­ge­zimmert haben, schließlich wird jeder(!) ausgebeutet, der (♀♂) sich verdingen muß; gerade das erzeugt ja den Profit der Ausbeu­tenden, stellt es dennoch das Eiapo­peia-Gesäusel des Pfarrer­töch­terchens arg infrage.

Sollte eine Politiker­darstel­lerin wirklich bis zum bitteren Ende in ihrem Amt geduldet werden, wenn ihre politischen Aussagen Härte und Zähigkeit von Schaum, nämlich millionen­fachen Sprech­blasen, besitzen?