Politsprech

Tja, das ist eine komische Geschichte: Das schmucke Auto zu Schrott gefahren, dann aber mit dicken Backen so tun, als könne niemand sonst den Schaden beheben. Das könnte ohne weiteres als Kurz­dar­stel­lung des M&M‑Treffens auf Schloß Mese­berg durch­gehen, wenn man den Medien Glauben schenken darf. Wobei beiden Ms das Wasser politisch mehr oder weniger bis zum Hals steht, dem tricoloren M nach dem jüngsten Wahl­ergebnis mögli­cher­weise etwas mehr und dem schwar­zrot­goldenen vielleicht etwas weniger.
Und dann lispelt Frau Kanzler u. a. diese bedeu­tungs­schwan­geren Worte in die Mikro­phone: »Wenn Deutsch­land und Frank­reich einig sind, ist nicht Europa sich einig. Aber wenn Deutsch­land und Frank­reich sich uneinig sind, dann ist es mit der Einig­keit Europas nicht besonders gut bestellt« (Quelle: tagesschau.de). Der erste Satz – wo mag das Pfarrers­töch­terchen ihre Deutsch­kennt­nisse aufge­schnappt haben? – besagt in prosa gesprochen: „Wir beiden Macht­menschen wissen sehr wohl, daß wir über die Inter­essen unserer europä­ischen Nachbarn hinweg regieren, aber allem voran müssen unsere Ärsche gerettet werden.” Und damit erschließt sich auch sofort die (wahre) Bedeutung des zweiten Satzes: „Eigent­lich mögen wir uns zwar nicht, aber wenn wir jetzt nicht bilate­ralen Burg­frieden halten, werden die anderen niemals nach unserer Pfeife tanzen”.

[blondyonly] Sprachfaschisten

Beinahe hatte ich die Hoffnung schon aufge­geben, jemanden z. B. bei WordPress zu finden, der die Verge­waltigung, die unserer Mutter­sprache angetan wird, nicht still­schweigend hinnimmt. 😁

Seelenhygiene

Es ist wohl schon immer so gewesen, aber von Zeit zu Zeit merkt man es halt besonders. Dieser stechende, brennende und brutale Schmerz im Kopf, wenn so wie heute wieder jemand bei Heise  fordert, daß man beim Umgang mit Computersystemen nicht mehr White List und Black List oder Master und Slave nutzen solle. Schließlich wären das ja rassischtisch motivierte Begriffe. Man weiß garnicht wohin man zuerst kotzen soll. Als könnte eine Farbe rassistisch sein. Als gäbe es nicht immernoch auch schwarze Sklavenhalter (Stichwort: Boko Haram). Als hätte Sklaverei etwas mit Rassismus zu tun. Echten Arschlöchern ist doch die Hautfarbe egal!

Diese Sprachfaschisten haben keine Ahnung von Sprache. Nicht von der Entstehung und auch sonst nicht. Trotzdem, oder besser deswegen, wollen sie die Sprache verbiegen, verstümmeln und zerstören. Ich lese keine Texte mit Binnen-i oder *in oder solchem Scheiß. Nicht aus Prinzip, sondern weil ich es nicht kann. Die gendergerechten Texte…

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gleichdeutig

Ist denn eine aus Bronze oder einem anderen Material verfertigte Skulptur etwas anderes als ein Gedicht? Beides sind Abbilder. Beide sind der Ästhetik verpflichtet (auch wenn diese manchmal vom Zorn oder was auch immer des Bildners überdeckt ist). Bei beiden steht der mentale Nutzen höher als der materielle. Und beide setzen zu allererst auf Ambiguität der Ausdeutung…

Giftlisten

Nicht erst, seit der Goldfasan – der immer wieder von sich aus Indizien liefert, die sich beim besten Willen kaum anders inter­pre­tieren lassen, als daß ein schweres mentales und vor allem soziales Handicap vorliegen könnte – einen heiligen Krieg gegen Falsch­meldungen bzw. das, was er ex cathedra als fake news erklärt, führt (vgl. hier), stellt sich die Frage, ob Politiker und (Meinungs)-Dikta­toren nicht a priori ohne Inhalts­prüfung publi­zieren können sollten. So würden sie zumindest der all­fälligen Negativ-Indi­zierung entgehen. Was zählt eigentlich mehr, die Autorität oder eine beliebig will­kür­liche Etiket­tierung? Und wenn die Fragerei schon losgeht, gibt es durchaus noch deut­lich mehr Klärungs­bedarf.
Wer entscheidet in den sozialen Medien, ob und in welcher Aus­prägungs­stärke bestimmte Merkmale einzelner Elemente einer „Gift”-Liste erfüllt sind? Wer legt fest, welche Elemente (Falsch­meldung, Gewaltaufruf, Haßtirade etc.) einer „Gift”-Liste zuge­ordnet sein müssen? Wer verant­wortet das Etablieren von „Gift”-Listen nicht nur als passiven(!) Informa­tions­speicher, sondern als gezielt einge­setztes Mittel der Mani­pulation?

Ist der Einsatz von „Gift”-Listen als ultima ratio nicht letztlich die Bankrotterklärung für das aktuell praktizierte moralisch-ethische Konzept einer Gesellschaft?

Gurkenmaske

Damit die befoh­lene Gesichts­gardine auch *ironie ein* wirklich schützt *ironie aus*, muß sie sorgfältig um Mund und Nase drapiert werden. Es genügt nicht, das Doppel­kinn damit zu stützen; man muß sie schon auch über die Nase, sprich Gurke, ziehen. Selt­samer­weise habe ich im Internet unter dem Stich­wort Gurken­maske etwas ganz anderes gefunden als Mund-Nasen-Schutze. 😁

unverständlich

Also gut, ich höre die Worte. Sie werden im Nach­richten­block eines Radio­senders verlesen. Ich höre Nach­richten­texte und verstehe deren Semantik, aber ihr Inhalt erschließt sich mir nicht… 🤔
Es geht um die aktuellen Proteste gegen die derzeitig geltenden Corona-Maß­nahmen. Bis hierhin ist es einfach: Der moderne Mensch weiß nicht nur grund­sätz­lich alles besser, sondern muß sein Besser­men­schentum unbe­dingt an die große Glocke hängen. Argu­menta­tive Ausein­ander­setzung mit Verant­wort­lichen genügt dem Drang nach markt­schreie­rischer Selbst­darstel­lung bei weitem nicht und wäre zudem viel zu zeit- und kraft­raubend. Da ist es doch deutlich einfacher, sich einer blökenden Herde anzu­schließen. Öffent­liches, wenngleich diffuses Dagegen­sein in der Masse ist immer gut. Lektion gelernt.
Doch dann vermeldet der Nach­richten­text, daß an den Corona-Demos auch Personen teil­nehmen würden, die von der Obrig­keits­kaste nicht goutiert werden; da sind dann Wort­fetzen wie „popu­listisch”, „rechts” oder „Situation mißb­rauchen” zu hören. Was soll ein solcher Text besagen? Ist die Sehn­sucht so groß, Personen endlich mal wieder nach beliebiger Willkür(!) zu stigma­tisieren, um ihnen die Grund­rechte (vgl. GG Art. 3) zu verweigern?

Verbotskultur

Es gibt Themen, die man in Deutsch­land (darauf möchte ich mich vorerst beschränken) einfach nicht ansprechen darf. Sie öffent­lich aus- oder anzu­sprechen ist ein absolutes Tabu. Sie nicht zu erwähnen ist nicht etwa eine Frage höflicher Zurück­haltung, sondern Folge einer, ach, so bekannten deutschen Verbots­kultur.
Hitler war ein Mensch. Ein Aussage­satz, mehr nicht, ihn jedoch öffentlich zu gebrauchen kommt poli­tischem Selbst­mord gleich. Was soll das? Wer könnte wohl einen Nutzen davon haben, die Sprache (immerhin die siame­sische Schwe­ster des Denkens) derartig zu tabu­isieren, daß einfache Aussage­sätze nicht mehr möglich sind, weil sie einer bestens andres­sierten Selbst­zensur zum Opfer fallen?

Ein Beispiel aus der jüngsten Geschichte: »Wir retten in Deutschland möglicher­weise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären« (Quelle: StN.DE), gesprochen von Boris Palmer. Ein Aussage­satz, der in seiner Zuge­spitzt­heit (vgl. ‘sowieso’) formal-logisch inkorrekt ist, zugleich aber auch wach­rütteln soll. Ist es angesichts knapper Ressourcen sinn­voll, alles(!) aufs Spiel zu setzen für die Wohl­fahrt einzelner? Wie könnte jemals eine optimale Lösung gefunden werden, wenn allein das Benennen möglicher Alter­nativen als schlimmer Tabu­bruch gesehen wird, mit dem drako­nische Strafen gerecht­fertigt werden sollen?
Was die Grünen da machen, ist mir voll­kommen egal! Nicht gleich­gültig ist mir jedoch, daß – nicht nur an diesem einen Beispiel fest­gemacht – die Streit­kultur in Deutsch­land (und keines­falls nur die poli­tische) unter dogma­tischen Fesseln derartig geknebelt ist, daß sich das merkelsche ‘alternativlos’ als die einzig zulässige Sicht­weise ergibt.

dumm

Das Buch, Die Psychologie der Dummheit (ISBN 978‑3-7423-1067‑5), sprang mich im Buchladen förmlich an. Ein Buch, das sich, nimmt man das Wort ‘Psycho­logie’ aus seinem Titel ernst, wissen­schaft­lich mit der Dummheit zu beschäf­tigen verspricht. Tante Wiki murmelt zustim­mende Worte, denn sie weiß, daß es sich bei der Psycho­logie um eine empirische Wissen­schaft handelt, die sich mit mensch­lichem Erleben und Verhalten befaßt.
Böser Fehler! Ich hätte gewarnt sein müssen, aber offenbar entwickelt die text­liche Nähe der Begriffe Psycho­logie und Dummheit in einem Buch­titel einen starken Kauf-Anreiz. Zumindest bei mir zeigte sich dieses Verhalten. Was wohl ein Ψchologe darüber zu berichten wüßte?

Sollte man nicht davon ausgehen können, daß eine Wissen­schaft, gerade weil sie das empi­rische Level zu über­winden außer­stande ist, sich exakter Begriff­lich­keiten bedienen müsse? Aber Anspruch und Wirk­lich­keit klaffen schon im Buch­titel ausein­ander! Denn es geht auf den 330 Seiten des Buches mitnichten um ‘Die Psycho­logie der Dummheit’, sondern besten­falls um eine psycho­logische Sicht auf Dumm­heiten.
Der Herausgeber, Jan-François Marmion, hat 29 Auto­ren (♀♂) zwischen den beiden Buch­deckeln zusammen­gebracht, die mit Auszügen aus ihren Publi­kationen und auch Interviews zu Wort kommen. Und es herrscht ein heil­loses Durch­einander von Begriffen. Gewisser­maßen herrscht „Einigkeit” darüber, daß das Begehen einer Dummheit nichts Wesent­liches über die Intel­ligenz desjenigen aussagt, der eine Dummheit begeht bzw. beging. Ab dann wird’s konfus. Die Begriffe purzeln munter durch­einander, alle regnen hagel­dicht aus den Höhen irgend­welcher Elfen­bein­türme jenseits jedweder konsens­fähigen Deklaration – hier wünschte man sich einen ordnenden Ariadne­faden, den anzu­bringen der Heraus­geber leider verabsäumt hat.
Keiner der versammelten Autoren äußert sich dazu, ob eine Dummheit nicht einfach nur aus einem Irrtum (oder mehreren davon) entstanden ist und dieser völlig normale Irrtum, der – errare humanum est – an sich absolut nicht der Rede wert ist, erst von den Mitmenschen als eine Dummheit abgestempelt wird.

Kurz: Zwischen den Buch­deckeln lassen sich einige Artikel finden, die zu publi­zieren durchaus als eine Dummheit anzusehen ist.

aus Falschem lernen

Da ist mir heute morgen ein inspi­rierender Blog-Beitrag begegnet; hier, im erlauchten Kreis der Word­Presser! 😉  Nun mag ich diesen inspi­rierenden Blog-Artikel weder re-bloggen noch per Verlinkung zu ihm weisen, da mich der übrige Blog-Kontext von solchen Gefällig­keiten abhält. Jedoch ein darin enthal­tener youtube-Link ist beachtlich (zu finden unter der Kennung ‘x-t-5hBXXkg’ bei youtube.com):

    • Inhaltlich geht es um ein Thema, das sehr dringend ange­sprochen gehört! Aber die positive Absicht wird durch arrogante Herab­lassung deutlich ins Negative verkehrt. Zudem sollte man, grammati­kalisch so neben der Spur stehend, das Maul weit weniger aufreißen.
    • Wohltuend ist der o. g. Einwurf genau an der Stelle, wo der Politik das Polemi­sieren der wissens­befreiten Art vorg­eworfen wird.
    • Doch wie lautet eigent­lich die Alter­native? Gibt es überhaupt eine Alter­native jenseits des Gesamt­bildes, die zugleich aber auch prakti­kabel und sub­stanziell, also nach­haltig ist? Und nein, mit diesen Schlag­wörtern sind keine Treffer fürs Bullshit-Bingo gemeint!
    • Wird nicht, da das Gesamt­bild per se nicht über­schaubar ist, immer nur eine kleine Auswahl von Einzel­bildern favorisiert, wobei der Mäzen (= Geld(!)­geber) bestimmt, welche das sind?
    • Und ist das In-den-Vordergrund-rücken des Wissens – was auch immer für solches gehalten wird – nicht auch nur eine will­kür­liche Favori­sierung? Welches Organ ist in einem gesunden Organismus der Favorit? Was ist wichtiger, das Herz, die Leber, das Nerven­system, das Blut, die Darmflora…?

kompakt

Ist schon komisch: ein Text und minde­stens drei Asso­zia­tionen; zu Ohren gekommen via BR5:

Komischerweise erinnert mich diese Nachricht an eine nicht mehr ganz junge, aber noch immer aktuelle Meldung: »Das Bundes­kabinett hat beschlossen, die Auslands­einsätze der Bundes­wehr zu verlängern. Bis zu 70 Soldaten sollen zwei UN-Missionen in Krisen­regionen Afrikas unter­stützen. Das letzte Wort hat aber der Bundestag« (Quelle: tagesschau.de). Nun gut, dieser Artikel ist zwei Wochen alt und von Auslands­einsätzen ist in der BR-Nachricht auch nicht die Rede, aber dennoch drängt sich die Asso­ziation in den Vorder­grund, nämlich wer unseren reprä­sentie­renden Poli­tiker­darstel­lern das Mandat erteilt hat, im Ausland Krieg zu spielen.
Mit der zweiten Asso­ziation wird es noch viel grimmiger: Die oben zitierte Anfrage ist ja a priori böse, da sie auf eine AfD-Anfrage zurück­geht. Doch vor ziemlich genau einem Jahr gab es eine ähnliche Anfrage (siehe hier); diese wurde aller­dings von der SPD losge­treten und blieb – auch? – frei von Konsequenzen.
Und die dritte und gruse­ligste Asso­ziation: Es sind nur Soldaten betroffen! Solda­tinnen (und andere -innen und -ösen) sind immer positiv konnotiert, es sei denn, sie müssen seelisch mal wieder gepampert werden.