atemlos

So, jetzt ist also nach „un­erklär­lichen” (Wie­der‑)Aus­brü­chen von SARS-CoV2-Infek­tionen die Zeit gekommen, ange­sichts der „2. Wel­le” eine neue Sau durch’s Dorf zu treiben. Bisher wurden Tröpfchen- und Schmier­infek­tion als die praktisch aus­schließ­lichen Wege zur Ver­brei­tung und auch Erlan­gung eines veri­tablen Viren­bestandes propa­giert; daher auch die „Empfeh­lungen” zu Gesichts­gardine (vgl. hier) und Hände­waschen (vgl. Schluß­satz hier).
Das neue Stichwort hingegen heißt Aerosol: »Covid-19 – Welche Rolle Aero­sole bei der Über­tragung des Corona­virus spielen – Maske und Abstand­halten: Beides gilt weiterhin als wichtige Maß­nahmen zum Schutz vor einer Corona-Infektion. Auch das Tragen eines ein­fachen Mund-Nasen-Schutzes kann einen Luft­strom deutlich mini­mieren« (Quelle: Dlf). Falls sich beim Lesen weder die Fußnägel aufge­rollt haben noch das Taschen­messer in der Hosen­tasche aufge­klappt ist, bitte das Lese­experi­ment wieder­holen. Jetzt gesehen? Noch nicht? Kleiner Tip: Die Gesichts­gardine „kann einen Luft­strom deutlich mini­mieren”.
Da ich nicht zum Hyper­venti­lieren neige (außer viel­leicht, wenn mir solcher Stuß zugemutet wird), stellt sich mein Orga­nismus in Rhythmus und Atem­tiefe ganz von allein so ein, daß die benötigte Sauer­stoff­versor­gung meines Traum­körpers garantiert ist. Die Gesichts­gardine soll, so die zitierte hoch­wissen­schaft­liche Darlegung, den dafür erfor­derlichen Luft­strom deut­lich mini­mieren. Klar, das Einatmen der Aerosol­wolken soll reduziert werden, da darf man sich bei den Neben­wirkungen (als da wären Erstickungs­symptome, wie sie vom Erwürgen her bekannt und beliebt sein dürften) nicht kleinlich zeigen…

Zeitkapsel

Kino aus der Anfangs­zeit dieser dar­stel­len­den Kunst hat mit dem heutigen Kino sicher­lich nichts mehr gemein. Keine zehn Pferde würden mich dazu bringen, mir einen heutigen Film anzu­schauen, der vor Äkschn nur so strotzt. Aber zwischen den Bio­scop‑Film­streif­chen der Gebrüder Skla­da­nowsky und dem Wahr­neh­mungs­reiz‑Tsu­nami, der an heutigen Film­kon­sumen­ten ent­fes­selt wird, um deren abge­stumpf­te und nur noch mittels Groß­kali­bers berühr­bare Sinne anzu­regen, gab es auch Kino­filme, die zu recht den dar­stel­len­den Künsten zuzu­rechnen sind (Beto­nung auf Kunst).
Diese sind recht leicht daran zu erkennen, daß sie zum einen etwas zu sagen haben und daß zum anderen die cinea­stischen Hilfs­mittel Werk­zeuge zum Hervor­heben eben dieser Botschaft und nicht etwa reiße­rische Ange­bereien sind, die völlig belang­lose und beliebig aus­tausch­bare „Hand­lungen” als Alibi für ihre narziß­tische Selbst­dar­stel­lung mißbrauchen. Damit sind aber derartige „Kunst”-Filme immer auch Doku­mente ihrer Zeit. Das sind moderne Filme zwar auch; nur sind in heutiger Zeit offen­bar andere Dinge wichtig…

Und dann kommt gerade ein Film in die Kinos, zu dem u. a. in einer Rezen­sion folgendes zu lesen ist: »Was wäre noch über einen Film zu sagen, der schon vor seinem Kino­start so viel allge­meine Aner­ken­nung bekommen hat, mit Festival-Beifall, guten Kritiken und Preisen bedacht wurde?« (Quelle: zeit.de; Hervor­hebung nach­träg­lich hinzu­gefügt). Ja, es geht um die jüngste Ver­filmung eines „Sitten­gemäldes”, das auf den Roman Berlin Ale­xan­der­platz (1929 von Alfred Döblin) zurück­geht. Auch Romane sind Zeugen der Zeit, in der der Autor sein Kunst­werk schuf. Doch sollte man wirk­lich davon aus­gehen, daß die über­lie­ferte Zeit­kapsel besser wird, wenn sie nach rund 90 Jah­ren mit Versatz­stücken der aktu­ellen Mode­erschei­nungen, zu denen durchaus auch poli­tischer Unfug und sinn­be­freite Massen­hysterie gezählt gehören, „ange­reichert” wird?

ungerechtfertigt

Twitter überrascht, wenn man den Medien Glauben schenken darf, mit einer Nachricht, die in Blogistan einem Geburts­tags­präsent gleich­kommt: »Twitter hat angekündigt, Nutzer­konten […] zu sperren. Etwa 150.000 Konten seien betroffen, so der Online-Dienst, 7000 seien bereits entfernt worden. Die Maßnahme begrün­dete Twitter damit, dass die [… Inhalte dieser Kon­ten …] gegen die Richt­linien des Unter­nehmens [ver­stießen]« (Quelle: tages­schau.de).
Und was soll daran nun Beson­deres sein, wo doch hin­läng­lich bekannt ist, daß *iro­nie ein* Zensur eine Grund­feste der freien Meinungs­äußerung *iro­nie aus* ist? Die beson­dere Deli­ka­tesse entfaltet dieses „Zucker­stück­chen” nicht dadurch, wer oder was dort zensiert wird, sondern welche Be­grün­dung für diesen Will­kür­akt her­halten muß, nämlich die ‘Richt­linien des Unter­neh­mens’. Diese Unter­nehmens­richt­linien sind nämlich deshalb und nur deshalb eine *iro­nie ein* mora­lische Instanz, die den Stein­tafeln vom Berg Sinai gleich­kommt, weil ihre auto­ritäre Weisungs­gewalt in regel­mäßigen Abständen von einer Ethik­kommis­sion beglaubigt wird *ironie aus*.

Satiremagazin

Na, sieh mal einer an: Noch am Wochen­ende hat Onkel Hotte getönt, wegen der in der taz veröf­fent­lichten Sudelei Anzeige zu erstatten. Doch nachdem Königin ◊Angela I. von Mann zu Mann mit ihm gesprochen hat, wird munter zurück­gerudert: »Seehofer erstattet keine Anzeige gegen „taz“-Autorin« (Quelle: JF).
Darf eine „Zeitung” eigentlich alles oder sollte sie nicht eher der Serio­sität ver­pflichtet sein, mit der Fakten ermittelt und publi­ziert und ggf., darauf aufbauend, Blick­winkel erweitert werden? Was die taz dort (und nicht nur aktuell) voll­führt, hat m. E. mit Journa­lismus absolut nichts zu tun. Nach meinem Dafür­halten wäre der aktuelle Sudel-Ausbruch (und wohl auch die noch kommenden) recht entspannt hin­nehm­bar, wenn sich diese „Zeitung” ab sofort umbe­nennen würde: SaTire­mAgaZin. Denn Satire darf ja be­kannt­lich alles…

Erfolg

Was mich brennend inter­essiert, ist, welchen Einfluß die mit großem Tamtam unters Volk gestreute Covid19-Warn‑App ganz konkret, also auf seriöse Weise stati­stisch relevant ermittelt, auf den Verlauf der aktuellen Epidemie hat. Das iNet hält sich im Moment noch bedeckt, was bei den momentan geschätzten Inku­bations­zeiten (noch) nicht verwun­derlich ist. Aller­dings müßte es – bereits jetzt! – eine reprä­senta­tive Kontroll­gruppe geben. Was weiß denn eine der Such­maschinen zu diesem Thema?Die obere Ergebnis­liste resultiert im wesent­lichen aus Propa­ganda­texten, die im Zusam­menhang mit der Vertei­lungs­kam­pagne der Warn‑App stehen, wobei sich die Texte etwa die Waage halten, die zum einen stolz über das erfolg­reiche Roll-out berichten und die zum anderen Zwang aufbauen sollen gegen­über den Verwei­gerern der voll­kommen frei­willig nutz­baren App. 😒
Da knapp 30‑tau­send Artikel nicht so recht komfor­tabel zum eingangs skizzierten Thema zu durch­forsten sind, habe ich in einem zweiten Versuch die Abfrage ein wenig einge­schränkt (unterer Teil der Abb.). Es würde mich schon ein bißchen wundern, wenn das obligate stati­stische Material nach der aktuellen Funk­stille urplötzlich aus ergie­bigen Quellen zu sprudeln begänne.
Honni soit qui mal y pense.

mikroskopisch

Der Kauf dieses Kaugummi­dös­chens hat unfaßbar lange gedauert. Korrek­ter­weise muß ich einge­stehen, daß es nicht der Kauf als solcher war, sondern das Auswählen dieses Artikels, der Zeit, Zeit und nochmals Zeit gekostet hat. Denn es steht nicht auf dem Deckel, welcher Inhalt enthalten sein mag. Auch auf der Vorder­ansicht nicht, nicht auf der linken Seite oder auf der rechten, auch nicht am Boden des Kunst­stoff­kanister­chens. Aber auf der Rück­seite ist – endlich, endlich – was zu lesen:Zumindest könnte man was lesen, wenn man zusätzlich zur Einkaufs­standard­ausrüstung (Gesichts­gardine, Einkaufs­zettel etc.) auch noch eine nütz­liche kleine Erwei­terung, nämlich ein Elek­tronen­mikro­skop von wenigstens 300 kV, auf dem Boller­wagen hinter sich her schlurrt. Der Schriftzug, den es zu entdecken gilt, besitzt eine Länge von gerade einmal ¼ des Durch­messers eines Euro­stückes (btw: auf meinem Bild­schirm glänzt der im Photo gezeigte Euro recht genau in Origi­nal­größe).
Wenn sich die Kreativlinge der Verpackungs­verun­stal­tung noch ein bißchen mehr Mühe geben, sollten sie auch eine Schrift­größe zwischen 2 und 2,5 DTP hin­bekommen…

Ohne mich!

Nein, ich werde die Coro­na-App nicht herun­ter­laden! Das im wesent­lichen aus zwei Gründen. Zum einen möchte ich, solange es irgend geht, meine Spur im iNet so flach wie möglich halten¹. Zum anderen möchte ich weder als Täter noch als Opfer in Frage kommen können, wenn aufgrund der App-An­wendung die Hexenjagd (oder wahl­weise eine Flut von Zivil­rechts­klagen) beginnt.
Um es unmißverständlich zu sagen: Die Daten­sicher­heit sehe ich nicht als rele­vantes Ableh­nungs­kri­terium. Die Kon­struk­teure der Coro­na‑App haben sich konkret zu diesem Punkt sicher­lich sehr viel Mühe gegeben. Ging ja auch kaum anders, da eine breite Akzep­tanz erreicht werden mußte. Trotzdem ist es in durchaus nennens­wertem Umfang möglich, ganz konkret, mit Namen und Adresse, Personen zu identi­fizieren, von denen man im Fall des Falles ein paar gekrönte Viren geerbt hat. Stichwort: Input-Output-Analyse an einer Black Box.
Wer corona‑infiziert ist, kann, muß aber nicht, in seiner App diesen Posi­tiv‑Sta­tus hinter­legen. Frei­lich wird (mehr­heit­lich) dieser Status auch hin­ter­legt, ansonsten würde das App‑Kon­zept² konter­kariert. Träfe meine App auf eine fremde (und uniden­tifizier­bare!) App mit einem Posi­tiv‑Status, würde meine App einen ent­sprechenden Warn­hinweis generieren. Da ich die epidemie­dämpfenden Verhal­tens­regeln aller­dings ernst nehme (speziell Mindest­abstand und Vermeidung großer Menschen­haufen), ist es sehr wohl möglich, einen Menschen aus dem Personen­kreis zuzu­ordnen, mit dem ich jüngst Kontakt hatte. Und schon gibt es jemanden, den ich vor den Kadi zerren kann³. Pikanter­weise ist die Irrtums­wahr­schein­lichkeit für die Zuord­nung der Viren­schleuder relativ hoch, denn mein Infekt muß mit dem infi­zierten App-Träger gar nichts zu tun haben (Stich­wort: schein­bare Kausa­lität). Aber das macht die Sache keineswegs besser, wenn man das Pech hatte, auf einen klage­wütigen Mitmen­schen getroffen zu sein.

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¹) Für die Installation einer App auf meinem Wisch‑Händi setzt das Betriebs­system einen Gugel‑Chrome Account voraus… 😱
²) siehe u. a. „Wie funktioniert die App?” in Ruhrnach­richten vom 17.06.2020
³) Eine der Lieblingsbeschäftigungen in Dt-Land ist ja – wozu ist man schließlich recht­schutz­versichert? – das Rechthaben.

Pause

Der Editor, der neuerdings den Bloggern (♀♂) zugemutet wird, ist von so miserabler Qualität, daß ich erst einmal eine (ggf. längere) Pause einlegen werde. In der Zwischenzeit sind vielleicht die katastrophalsten Borniertheiten ausgebessert, um sich wieder den beabsichtigten Inhalten zuwenden zu können und nicht mit einem absurd gestalteten Editor ringen zu müssen…
👎👎👎😖🤮

verteufelt

Ein Wort per se kann nicht falsch sein. Es kommt auf den Kontext an, in dem es verwendet wird. Wenn es allerdings einen heißen Favoriten für ein Wort geben sollte, das in prak­tisch jedem Kontext mangel­haft ist, so dürfte es das Wort Verschwö­rungs­theorie sein.
Man sollte ganz gelassen davon ausgehen, daß die Komponente ‘Theorie’ in der Mehrheit der Fälle besser nicht verwendet werden sollte, sondern treffender ‘Vermutung’ oder ‘Behauptung’. Die beiden letzt­ge­nannten Begriffe unter­scheiden nicht etwa nur aus stili­stischer Sicht. Während eine Behauptung inhaltlich völlig willkürlich sein kann, liegen einer Vermutung Annahmen zugrunde (wenn A1 und A2 und … An, dann …). Beiden Behaup­tungs­typen ist gemein, daß sie auf allge­mein­gültigen Begriff­lich­keiten aufsetzen¹.
Gänzlich anders kommt die Theorie daher. Sie funktioniert nur in einem Set von anderen bewiesenen oder zumindest prinzipiell beweis­baren – falls die Zeit des Beweises noch nicht gekommen ist, aber ihrer­seits beweis­bar(!) kommen muß – Begriffen, Kategorien und Regeln zwischen diesen. Eine Theorie basiert auf einem logisch konsi­stenten Grund­gerüst, das seine Legiti­mation einzig aus der Beweis­barkeit bezieht.
Kurz: Was gegenwärtig landläufig so als Verschwö­rungs­theorie tituliert wird, ist besten­falls Vermutung, aber niemals eine Theorie.

Zur Zeit ist ein Büchlein hoch im Schwange, in dem ein – per acclamationem – Guru das gesell­schaft­liche Wesen von Verschwö­rungs­theorien mit bedeu­tungs­vollem Augen­aufschlag offenbart². Dieses Buch ist für meinen(!) Geschmack so grottig, daß ich es nach dem Durch­arbeiten mitsamt den Hunderten von Rand­glossen entsorgt habe. Als Sonder­müll, versteht sich, da es selbst als Recycling-Papier eine Zumutung für die Öffent­lichkeit wäre.

Im übrigen findet aktuell eine inter­essante Begriffs­verschiebung statt. Die Obrig­keits­kaste bemüht sich derzeit sehr intensiv um die Umbenennung als Ver­schwörungs­mythos. Damit soll vom Fleck weg klar­werden, daß alle diese Vermu­tungen spinnert und komplett aus der Luft gegriffen sind. Denn eines darf – bei Strafe ewiger Knechtung – niemals vergessen werden: Die Obrig­keits­kaste verwendet immer Feind­bild‑Kli­schees, um zu mani­pulieren und um sich um die Offen­legung klarer, nach­voll­zieh­barer Zusam­men­hänge zu drücken.

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¹) Das Aussprechen der Vermutung: „In einer Stunde wird es regnen.” unterstellt, daß der Adressat weiß, was Regen oder was eine Stunde ist. Dabei kommt es überhaupt nicht auf die wissenschaftliche Bedeutung der verwendeten Begriffe an. Sie werden verwendet, ohne ihre Definition zu hinterfragen. Es ist beispielsweise nicht von Bedeutung, daß eine  Stunde das 3600‑fache einer Sekunde gemäß SI‑Konzept ist.
²) »Nichts ist, wie es scheint«, ISBN: 978‑3-518‑07360‑5