unklug

Wenn der Verstand in theore­tisch-abstrak­ten Dingen kor­reliert wäre mit Vernunft (oder Klugheit oder Weisheit), würde heut­zutage dann „Nicht diesen, sondern Bar­ra­bam” [also das – höre z. B. hier – Bevor­teilen eines Asozialen] aus­ge­schlos­sen sein?

gefesselt

Mag ja sein, daß es die Mis­sio­nare der Aufklärung gut gemeint hatten, als sie den Menschen von (haupt­säch­lich) geistigen Ketten befreien wollten. Aber ist denn diese Spezies zu wert­freiem Denken über­haupt in der Lage? Letzt­lich wurden die Ketten zwar abge­nommen, aber der ver­meint­lich freie Geist nicht aus dem Kerker geführt, so daß er sich, ohne lange zu zögern, freiwillig wieder an die Kette legte (so eine Art drei­facher Selbst­fesse­lung aus Intoleranz, Neid und dümm­lichem Vor­urteil).

Störfaktor Mensch

Die Regierung der bunten deut­schen Republik – wir reden von einer reprä­senta­tiven Demo­kratie – ist der Wohl­fahrt der Bevöl­kerung verp­flich­tet, denn von einem Teil davon, nämlich dem gemeinen Stimm­vieh, bezieht sie die Wahl­ergeb­nisse, die ihre (Un‍-)Taten legi­ti­mieren. Späte­stens in Krisen­zeiten lassen sich Sach­ver­stand und Kompe­tenz erkennen, oder eben das Ausmaß ihres Fehlens.
Über den Bundesminister vermelden die Medien: »¹Bundes­wirt­schafts­mini­ster Altmaier hat den Anstieg der Corona‍-Neu­infek­tionen in Deutsch­land als wich­tiges Warn­zeichen bezeichnet. ²Die wirt­schaft­liche Erholung werde dadurch gefährdet. ³Der Aufschwung deute sich bereits an und werde in der zweiten Jahres­hälfte an Tempo gewinnen. Altmaier warnte aber, ⁴alles stehe unter dem Vorbe­halt der Gesund­heit der Menschen. ⁵Deshalb seien die stei­genden Fall­zahlen beun­ruhi­gend« (Quelle: BR24).
Der erstgenannte vermeldete Satz erschüttert durch seine absolut nichts­sagende Hohl­heit. Dafür entschädigt aber der zweite Satz: Die wirt­schaft­liche Erholung ist gefährdet, nicht etwa die Gesund­heit der Menschen. Es ist doch immer wieder wohl­tuend, zu hören, wem die Regie­rung sich ver­pflich­tet fühlt. Nachdem die Regie­rung als coro­na‍-be­glei­tende Maß­nahme nichts Eili­geres zu tun hatte, als die Wirt­schaft an und Teile davon in den Ruin zu treiben, liegt das Haupt­augen­merk jetzt – vgl. Satz 3 aus der zitierten Nach­richt – offenbar darauf, die bereits jetzt unüber­seh­baren Schäden möglichst schnell zu über­schminken (also die wahren(?) Macht­haber im Lande zu besänf­tigen).
Dann kommt das Löffel­chen Honig, mit dem das gemeine Stimm­vieh die bittere Medizin gefügig schlucken soll: alles vorbe­halt­lich der Gesund­heit der Menschen. Um der Menschen willen? Hm, naja, der fünfte Satz deutet auf den Blick­winkel, von dem aus eine Antwort gefunden werden könnte: Worauf bezieht sich das ‘deshalb’? Auf die wirt­schaft­liche Erholung (Satz 2) und den Auf­schwung (Satz 3), die durch den Stör­faktor Mensch nicht erwar­tungs­gemäß voran­getrieben werden können? Oder doch eher auf den Vorbe­halt (Satz 4) der Rück­sicht­nahme auf die Ge­sund­heit der Bevöl­kerung? Doch auch diese Lesart degradiert den Menschen zu einem störenden Term in der Rechnung des Wirt­schafts­mini­sters…

Datenverlust

Heute wandelte mich in der Frühe ein unbän­diges Verlangen an, in eine uralte CD „reinzu­hören”. Ein Potpourri „medita­tiver Musik”: Air (D‑Dur BWV 1068), Adagio aus dem Konzert für Violine und Streich­orche­ster (E‑Dur BWV 1042), Adagio aus dem Konzert für Violine und Orche­ster Nr. 1 (g‑moll op. 26 Max Bruch), Thaïs-Medi­tation (Jules Massenet), Largo aus Symphonie Nr. 9 (e‑moll op. 95 Antonín Dvořák)…
Doch, o Schreck! Das Abspiel­gerät für CDs verwei­gerte den Dienst. Selber schuld – schon klar! – wer fummelt denn noch mit Alter­tümern rum, die schon bei den Dino­sauriern als gnadenlos verstaubt und veraltet galten? Irgendwie ver­blüf­fend, nicht wahr, einen Fuß­ab­druck eines Dinos können wir heute durchaus noch lesen, eine CD nach ein paar Septennaten nicht mehr. Doch zumin­dest die Schul­digen haben sicht­bare Spuren hinter­lassen; sowas wie kleine Mond­krater zieren die sonst noch recht kratzer­arme CD‑Ober­fläche:Oder handelt es sich eher um kleine Schwarze Löcher, da aus ihnen beim besten Willen keine In­forma­tion (mehr) heraus­zuholen ist? 🤔

Wahnsinn

Wer kennt sie nicht, die ein­stein­sche Behaup­tung¹: »Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergeb­nisse zu erwarten«? Aller­dings dürfte ceteris paribus aber auch kein allzu großer Abstand vom Wahn­sinn vorliegen, wenn unter praktisch unver­änderten (also gleichen!) Bedin­gungen ein Para­digmen­wechsel durch­gepaukt wird.
Stichwort: Corona-Maßnahmen. Nach der Komplett­paralyse² des gesamten Wirtschafts- und Sozial­gefüges wurden von Seiten der Obrig­keits­kaste vorsichtig tastende Locke­rungs­schritte unter­nommen; immer unter der Maßgabe, sie sofort zurück­nehmen zu müssen, wenn sie die viro­lo­gische Lage ver­schlech­tern würden – eine sinnvolle Strategie. Doch seit Tagen über­schlagen sich die Locke­rungs­maß­nahmen, obwohl ein Corona-Hotspot nach dem anderen aufflammt.
Was ist passiert? Fürchten die Mario­netten der Obrig­keits­kaste (vulgo: die Poli­tiker), daß der Druck im Kessel zu einer immensen Explo­sions­gefahr ange­schwollen ist, der sie mit einem großen Knall wegfegen könnte? Dann doch lieber Zuge­ständ­nisse, die diametral zu allem bisher Gesagten stehen, um das gemeine Stimm­vieh bei Laune zu halten? Vor etwa 200 Jah­ren sagte Friedrich v. Müller: »Vom Wahn­sinn gab Goethe die einfache Defi­nition, daß er darin bestehe, wenn man von der wahren Beschaf­fen­heit der Gegen­stände und Ver­hält­nisse, mit denen man es zu tun habe, weder Kenntnis habe noch nehmen wolle, diese Beschaf­fen­heit hart­näckig igno­riere«³, was mögli­cher­weise die bessere Alter­native zur ein­stein­schen Behauptung ist.

—————————
1) Da dürfte dem Meister der (unzu­lässigen?) Ontolo­gisierung (siehe ART) ein ganz großer Wurf gelungen sein. Ist es denn überhaupt – panta rhei – möglich, zweimal das Gleiche zu tun? Zumindest dürfte es sehr schwer­fallen, zweimal in den gleichen Fluß zu steigen.
2) Ob die praktizierte Radikalität wirklich erfor­derlich war, steht auf einem anderen Blatt. Sie entsprang offenbar aus dem ängst­lichen Versuch, nur ja nicht – koste es, was es wolle, und seien es auch Menschen­leben – von einer Infek­tions­welle über­rollt zu werden.
3) Quelle: https://beruhmte-zitate

Erfolg

Was mich brennend inter­essiert, ist, welchen Einfluß die mit großem Tamtam unters Volk gestreute Covid19-Warn‑App ganz konkret, also auf seriöse Weise stati­stisch relevant ermittelt, auf den Verlauf der aktuellen Epidemie hat. Das iNet hält sich im Moment noch bedeckt, was bei den momentan geschätzten Inku­bations­zeiten (noch) nicht verwun­derlich ist. Aller­dings müßte es – bereits jetzt! – eine reprä­senta­tive Kontroll­gruppe geben. Was weiß denn eine der Such­maschinen zu diesem Thema?Die obere Ergebnis­liste resultiert im wesent­lichen aus Propa­ganda­texten, die im Zusam­menhang mit der Vertei­lungs­kam­pagne der Warn‑App stehen, wobei sich die Texte etwa die Waage halten, die zum einen stolz über das erfolg­reiche Roll-out berichten und die zum anderen Zwang aufbauen sollen gegen­über den Verwei­gerern der voll­kommen frei­willig nutz­baren App. 😒
Da knapp 30‑tau­send Artikel nicht so recht komfor­tabel zum eingangs skizzierten Thema zu durch­forsten sind, habe ich in einem zweiten Versuch die Abfrage ein wenig einge­schränkt (unterer Teil der Abb.). Es würde mich schon ein bißchen wundern, wenn das obligate stati­stische Material nach der aktuellen Funk­stille urplötzlich aus ergie­bigen Quellen zu sprudeln begänne.
Honni soit qui mal y pense.

Doppelirrtum

Sind denn in einem Staat, der als reprä­senta­tive Demo­kratie etiket­tiert ist, poli­tische Demon­stra­tionen im Grunde genommen tat­säch­lich etwas anderes als eine Bekundung einer struktu­rellen Fehl­funktion eben dieser Regierungs­form? Und das, obwohl – delikaterweise – die Mehrheit der Demon­stranten das Wesen der repräsen­tativen Demo­kratie wohl kaum verstanden haben dürfte.

verschätzt

Einzelne Ereignisse können per se nicht allge­mein­gültig sein. Ich versuch’s trotzdem mal 😁. Seit den ersten Abstands­empfeh­lungen anläßlich der Coro­na‑Krise frage ich mich, weshalb so viele Menschen arge Probleme damit haben, 1½ m abzu­schätzen. Nun wissen die Anthro­pologen seit längerem, daß die Vertreter der Spezies Mensch erstaun­liche Parallelen zu nackten Hühnern¹ aufweisen. Hinzu kommt – speziell bei den männ­lichen Ver­tretern – ein Hang dazu, sich lebens­wichtige Maß­ein­heiten anhand von Körper­maßen vorzu­stellen (Spanne, Finger, Fuß, Elle…), alter­nativ beispiels­weise Preis­angaben und Volumina in Bier­einheiten.
Und was hat das wohl mit Einmeter­fünfzig zu tun? Nun, wenn der Nach­richten­sprecher (♀♂) eine solche Zahl verkündet, rechnet das Unter­bewußt­sein sie sofort in Penis­längen um (sagen wir: 10 PL). Und schon ist klar, warum so mancher Gockel den Nahraum seiner Mit­menschen pene­triert, obwohl er doch ganz diszi­pliniert einen Abstand von 10 PL einhält. 😖

——————————
1) Stichworte: das Gehen auf zwei Beinen, stundenlanges Scharren im Nest, nervtötendes Gackern wegen geringster Nichtigkeiten, kopfloses Hin-und-her-Flattern, Flugunfähigkeit etc.

ertappt

Eine App zum Tracken [engl.: zum Nach­ver­folgen] von Trägern, nämlich Trägern der App bzw. des be·äpp·elten Wisch­tele­phons und zugleich Trägern von Viren?!
Hm, naja, zumindest hat es „ewig” gedauert, bis zu erfahren war, welche In­forma­tion solch eine Tracking-App über­haupt anbieten würde. Sie soll nämlich darüber Auskunft geben (können), ob das eigene Wisch­tele­phon in viro­logisch relev­anten Abstand gekommen ist zum Wisch­tele­phon einer infi­zierten Person, ob also ein erhöhtes Viren­risiko besteht.

So, das sollte man erst mal sacken lassen: Bisher wurde immer beteuert, Händis ließen sich aller­höch­stens ganz grob orten, indem die Zelle ermit­telt wird, in der das Händi Funk­kontakt zu einer Sende- und Empfangs­anlage unter­hält. Jetzt aber kommt – zumindest für den aufmerk­samen Leser – heraus, daß die Auflösungs­genauigkeit wohl deutlich unter 1½ m liegen dürfte (das wäre nämlich der aktuelle viro­logisch rele­vante Abstand). Nochmal zum Mitschreiben: Tech­nisch dürften Händis prak­tisch punkt­genau ortbar sein.

Wo sind die „klugen Köpfe”, die effi­ziente Gegen­maß­nahmen ergreifen würden? Sind sie an Neben­kriegs­schau­plätzen gebunden, an denen schmucke Gesichts­gardinen drapiert werden, die mit viro­logischem Schutz absolut nichts zu haben?