Menschen im Vakuum

Aus TBBT stammt ein Physi­ker­witz: »Ein Geflü­gel­bauer ist besorgt, weil seine Hühner auf­gehört haben, Eier zu legen. Da er das Problem nicht lösen kann, bietet ihm einer seiner Freunde, ein Physiker, Hilfe an. Der Physiker kommt auf die Farm, nimmt mit kompli­zierten Geräten eine Menge Messungen vor und analy­siert dann die Daten. Nach einigen Tagen ruft er dann seinen Freund, den Geflü­gel­bauern, an: „Okay, ich habe eine Lösung für dein Problem, aber es funk­tio­niert nur mit kugel­förmigen Hühnern im Vakuum”« (Quelle: wiki).

Das ist wirklich ein Witz! Auch aus TBBT stammt eine echt cooper­sche Be­grün­dung: »Das war ein Witz. Es ist witzig, weil es wahr ist« (Quelle: wowikon). Doch es ist nicht nur ein Witz, sondern ein unfaßbar guter! 😃

Und die Wahrheit?! Späte­stens seit der Auf­klä­rung, seit dem Postulat vom „Guten im Menschen”, sind moralisch-ethische Konzepte entwickelt und daraus Hand­lungs­maximen und Gebote abge­leitet worden, die allesamt, wenn über­haupt, nur mit kugel­förmigen Menschen im Vakuum funk­tio­nieren, nicht aber unter realen Bedin­gungen wie etwa Konkur­renz­kampf, „Futter­neid” und be­grenz­ten und sich erschöp­fenden Res­sourcen…

unklug

Wenn der Verstand in theore­tisch-abstrak­ten Dingen kor­reliert wäre mit Vernunft (oder Klugheit oder Weisheit), würde heut­zutage dann „Nicht diesen, sondern Bar­ra­bam” [also das – höre z. B. hier – Bevor­teilen eines Asozialen] aus­ge­schlos­sen sein?

Warn-App

Lernfähigkeit ist ihre Sache offenbar nicht! Die Rede ist von der Spezies Mensch. Je nach geistiger und vor allem poli­tischer Ver­fas­sung betet sie inbrünstig für das Wahr­werden eines heißen Wunsches oder beschließt das praktische Erreicht-haben eines Zieles (bevor­zugt in irgend­welchen Massen­auf­läufen anläß­lich irgend­eines 5‑Jahres-Plans).
Zwischen diesen beiden extremen Polen gibt es beliebige Abstu­fungen; manchmal genügt nämlich auch ein schlichtes Verkünden: »Die Initiative „Quer­denken 711“ aus Stuttgart will an diesem Sams­tag […] unter dem Motto „Das Ende der Pandemie – Tag der Freiheit“ bundes­weit Teil­nehmer mobi­lisieren« (Quelle: SZ). Nun gut, mit dem Finger zu schnipsen und daraufhin irgendein Ende zu postu­lieren, ist die eine Seite. Die andere Seite ist, ob sich dieses Schnipsen nach der all­fäl­ligen Inku­bations­zeit in der Corona-Infektions­stati­stik nieder­schlägt oder eben nicht. In rund zwei Wochen könnte man mehr wissen, wenn dieses „Frei­land”‑Expe­ri­ment stati­stisch sauber durch­geführt würde (d. h. doppel­blind in den Vergleichs­gruppen „mit” und „ohne” Schutz­maß­nahmen; aber das könnte in der tech­ni­schen Umsetzung etwas schwierig werden…). Bis dahin wird man sich wohl auf Warn-App und Laut­stärke ver­las­sen müssen (wer am laute­sten brüllt, hat recht).
Vielleicht bräuchte es mal eine Warn-App, die die Konta­mina­tion mit geistigem Dünn­schiß regi­striert… 🤔

Zeitkapsel

Kino aus der Anfangs­zeit dieser dar­stel­len­den Kunst hat mit dem heutigen Kino sicher­lich nichts mehr gemein. Keine zehn Pferde würden mich dazu bringen, mir einen heutigen Film anzu­schauen, der vor Äkschn nur so strotzt. Aber zwischen den Bio­scop‑Film­streif­chen der Gebrüder Skla­da­nowsky und dem Wahr­neh­mungs­reiz‑Tsu­nami, der an heutigen Film­kon­sumen­ten ent­fes­selt wird, um deren abge­stumpf­te und nur noch mittels Groß­kali­bers berühr­bare Sinne anzu­regen, gab es auch Kino­filme, die zu recht den dar­stel­len­den Künsten zuzu­rechnen sind (Beto­nung auf Kunst).
Diese sind recht leicht daran zu erkennen, daß sie zum einen etwas zu sagen haben und daß zum anderen die cinea­stischen Hilfs­mittel Werk­zeuge zum Hervor­heben eben dieser Botschaft und nicht etwa reiße­rische Ange­bereien sind, die völlig belang­lose und beliebig aus­tausch­bare „Hand­lungen” als Alibi für ihre narziß­tische Selbst­dar­stel­lung mißbrauchen. Damit sind aber derartige „Kunst”-Filme immer auch Doku­mente ihrer Zeit. Das sind moderne Filme zwar auch; nur sind in heutiger Zeit offen­bar andere Dinge wichtig…

Und dann kommt gerade ein Film in die Kinos, zu dem u. a. in einer Rezen­sion folgendes zu lesen ist: »Was wäre noch über einen Film zu sagen, der schon vor seinem Kino­start so viel allge­meine Aner­ken­nung bekommen hat, mit Festival-Beifall, guten Kritiken und Preisen bedacht wurde?« (Quelle: zeit.de; Hervor­hebung nach­träg­lich hinzu­gefügt). Ja, es geht um die jüngste Ver­filmung eines „Sitten­gemäldes”, das auf den Roman Berlin Ale­xan­der­platz (1929 von Alfred Döblin) zurück­geht. Auch Romane sind Zeugen der Zeit, in der der Autor sein Kunst­werk schuf. Doch sollte man wirk­lich davon aus­gehen, daß die über­lie­ferte Zeit­kapsel besser wird, wenn sie nach rund 90 Jah­ren mit Versatz­stücken der aktu­ellen Mode­erschei­nungen, zu denen durchaus auch poli­tischer Unfug und sinn­be­freite Massen­hysterie gezählt gehören, „ange­reichert” wird?

ungerechtfertigt

Twitter überrascht, wenn man den Medien Glauben schenken darf, mit einer Nachricht, die in Blogistan einem Geburts­tags­präsent gleich­kommt: »Twitter hat angekündigt, Nutzer­konten […] zu sperren. Etwa 150.000 Konten seien betroffen, so der Online-Dienst, 7000 seien bereits entfernt worden. Die Maßnahme begrün­dete Twitter damit, dass die [… Inhalte dieser Kon­ten …] gegen die Richt­linien des Unter­nehmens [ver­stießen]« (Quelle: tages­schau.de).
Und was soll daran nun Beson­deres sein, wo doch hin­läng­lich bekannt ist, daß *iro­nie ein* Zensur eine Grund­feste der freien Meinungs­äußerung *iro­nie aus* ist? Die beson­dere Deli­ka­tesse entfaltet dieses „Zucker­stück­chen” nicht dadurch, wer oder was dort zensiert wird, sondern welche Be­grün­dung für diesen Will­kür­akt her­halten muß, nämlich die ‘Richt­linien des Unter­neh­mens’. Diese Unter­nehmens­richt­linien sind nämlich deshalb und nur deshalb eine *iro­nie ein* mora­lische Instanz, die den Stein­tafeln vom Berg Sinai gleich­kommt, weil ihre auto­ritäre Weisungs­gewalt in regel­mäßigen Abständen von einer Ethik­kommis­sion beglaubigt wird *ironie aus*.

Toleranz

»Kramp-Karrenbauer äußert sich besorgt über rechte Tendenzen«, ist seit längerem aus den Medien zu hören: »Bundes­vertei­digungs­mini­sterin Kramp-Kar­ren­bauer hat sich […] tief besorgt über rechts­radikale Tendenzen in den deutschen Sicher­heits­organen gezeigt. […] Wenn [… Personen], die er­kenn­bar rechts­extre­mistisch sind und gegen die Verfassung kämpfen, dann ge­fähr­det das laut Kramp-Kar­ren­bauer die Stabi­lität der gesamten Demo­kratie« (Quelle: BR24).
Fragen: Muß eine Demo­kratie, sofern sie diesen Namen verdient hat und nicht nur als hohle Wort­hülse trägt, nicht auch so tole­rant sein, poli­ti­sche Meinungen ertragen zu können und auch zu wollen, die vom Main­stream abweichen? Ist es nicht ein Zeichen von Diktatur, alle ab­weichen­den Ansichten unter ein einheit­liches Denk­schema (nämlich das der ver­meint­lichen Mehr­heit, das aber in Wirk­lich­keit von den Mario­netten der Obrig­keits­kaste dominiert ist) zu zwingen?
Freilich sind bei Verstößen gegen das Grund­gesetz oder bei anderen justiti­ablen Ver­feh­lungen die Mittel des Staats­appa­rates ein­zuset­zen und an­zuwen­den. Dieser Auftrag ist Bestand­teil der reprä­senta­tiven Demo­kratie. Aber er ist kein Frei­brief für eine Gedan­ken­dik­tatur! Oder in Kurz­fassung: Aufklärung und poli­tischer Dialog sind ok, Vor­ver­urtei­lung aufgrund von poli­tischer Grenz­ziehung ist es nicht.

ertappt

Darf von Demagogie gesprochen werden, wenn Begriff­lich­keiten von Dingen oder Vorgängen, für die kein kausaler Zusam­men­hang nach­weis­bar ist, aus dem Kontext (sozial, histo­risch, poli­tisch etc.) heraus­gelöst und mit Ver­satz­stücken aus der verbalen Schatz­truhe, auf deren Etikett Feind­bild steht, zu einem sämigen Schleim zusam­men­gerührt werden?
Das gibt es ja gar nicht?! Oh, doch! Ein kurzer Blick auf die (neurotische?) Profi­lierungs­süchtelei von E. Högl ist beredt genug. An der aktuellen Posse ist nütz­liches Material für anthro­po­logisch-soziale Studien zu finden: 1. Framing[…] ein Riesen­fehler”, 2. Generosität (Machia­velli läßt grüßen)[…] intensiv disku­tieren” und 3. Imagepflege, aber bedeu­tungs­voll zu sein ist – frei nach G. Ch. Lich­ten­berg – etwas anderes, als ein ernst­haftes Gesicht zu machen.

Politsprech

Tja, das ist eine komische Geschichte: Das schmucke Auto zu Schrott gefahren, dann aber mit dicken Backen so tun, als könne niemand sonst den Schaden beheben. Das könnte ohne weiteres als Kurz­dar­stel­lung des M&M‑Treffens auf Schloß Mese­berg durch­gehen, wenn man den Medien Glauben schenken darf. Wobei beiden Ms das Wasser politisch mehr oder weniger bis zum Hals steht, dem tricoloren M nach dem jüngsten Wahl­ergebnis mögli­cher­weise etwas mehr und dem schwar­zrot­goldenen vielleicht etwas weniger.
Und dann lispelt Frau Kanzler u. a. diese bedeu­tungs­schwan­geren Worte in die Mikro­phone: »Wenn Deutsch­land und Frank­reich einig sind, ist nicht Europa sich einig. Aber wenn Deutsch­land und Frank­reich sich uneinig sind, dann ist es mit der Einig­keit Europas nicht besonders gut bestellt« (Quelle: tagesschau.de). Der erste Satz – wo mag das Pfarrers­töch­terchen ihre Deutsch­kennt­nisse aufge­schnappt haben? – besagt in prosa gesprochen: „Wir beiden Macht­menschen wissen sehr wohl, daß wir über die Inter­essen unserer europä­ischen Nachbarn hinweg regieren, aber allem voran müssen unsere Ärsche gerettet werden.” Und damit erschließt sich auch sofort die (wahre) Bedeutung des zweiten Satzes: „Eigent­lich mögen wir uns zwar nicht, aber wenn wir jetzt nicht bilate­ralen Burg­frieden halten, werden die anderen niemals nach unserer Pfeife tanzen”.

Erfolg

Was mich brennend inter­essiert, ist, welchen Einfluß die mit großem Tamtam unters Volk gestreute Covid19-Warn‑App ganz konkret, also auf seriöse Weise stati­stisch relevant ermittelt, auf den Verlauf der aktuellen Epidemie hat. Das iNet hält sich im Moment noch bedeckt, was bei den momentan geschätzten Inku­bations­zeiten (noch) nicht verwun­derlich ist. Aller­dings müßte es – bereits jetzt! – eine reprä­senta­tive Kontroll­gruppe geben. Was weiß denn eine der Such­maschinen zu diesem Thema?Die obere Ergebnis­liste resultiert im wesent­lichen aus Propa­ganda­texten, die im Zusam­menhang mit der Vertei­lungs­kam­pagne der Warn‑App stehen, wobei sich die Texte etwa die Waage halten, die zum einen stolz über das erfolg­reiche Roll-out berichten und die zum anderen Zwang aufbauen sollen gegen­über den Verwei­gerern der voll­kommen frei­willig nutz­baren App. 😒
Da knapp 30‑tau­send Artikel nicht so recht komfor­tabel zum eingangs skizzierten Thema zu durch­forsten sind, habe ich in einem zweiten Versuch die Abfrage ein wenig einge­schränkt (unterer Teil der Abb.). Es würde mich schon ein bißchen wundern, wenn das obligate stati­stische Material nach der aktuellen Funk­stille urplötzlich aus ergie­bigen Quellen zu sprudeln begänne.
Honni soit qui mal y pense.