Frage

Bei den Algo­rithmen, die aus Konsum­verhalten und Auslagen­besichtigung indi­viduelle Werbe­strategien ableiten (sollen), gehe ich derzeit – das mag sich in Bälde ändern, aber ich meine aktuelle Qualitäten – von Oberfläch­lichkeiten ohne jeden Tiefgang aus. Es scheint, als hätte Rudi Ment diese Algo­rithmen konzipiert.
Wenn ich beispiels­weise auf einer Porno-Webseite herumsurfe, wird mein Mail-Account überflutet mit allfäl­ligen SPAM-Mails zu Viagra oder Penis­verlän­gerungen (irgend­wann werde ich mir mal beim Spazie­ren­gehen auf das gute Stück treten). Aber wo bleibt die Werbung für das Buch Mormon oder für das „Jack·the·Ripper”-Starterset oder so?

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Wahl-o-mat

Irgend so ein öffentlich-rechtlicher Radio­sender hat heute früh mit vor Ergrif­fenheit dahin­schmel­zender Stimme gesäuselt, daß der Wahl-o-mat (Europawahl) noch nie so regen Zuspruch fand wie in diesem Jahr…
Warum drängen sich nach einer solchen poli­tischen Null­aus­sage prompt etliche Fragen in den Mittel­punkt der Aufmerk­samkeit? Welcher bemer­kenswerte(!) Fakt soll vermittelt werden? Oder geht es, obwohl Nachrich­tenbeitrag, doch um Werbung? Werbung für mehr Wahl-o-mat oder weniger? Braucht es diese Krücke, weil von den Wählern (♀♂) ange­nommen wird, sie könnten in den Wahl­programmen keine signi­fikanten Unter­schiede wahr­nehmen? Gibt es überhaupt signi­fikante Unter­schiede? Werden nur die Wähler als profillos angesehen oder gilt das auch für die sich zur Wahl stellenden Parteien?
Wieviel Manipulations­potential steckt eigentlich in den Algorithmen solcher Software?

Killer-Sudoku

Da habe ich mir mal wieder ein Sudoku-Heft­chen geleistet. Es war das Werbe­stich­wort „Inklusive Killer Sudokus”, das mich zugreifen ließ.
Die zugrunde liegende Idee ist recht inter­essant. Es werden nicht mehr einzelne Zahlen vorge­geben, sondern die Summen der Zahlen in verschie­denen Zell­bereichen, die jeweils aus zusammen­hängenden Einzel­zellen, welche über ihre Seiten (nicht Ecken) benach­bart sind, gebildet werden. Solche Zell­bereiche sind im hier gezeigten Beispiel jeweils farblich hervor­gehoben. Mehr als vier Farben braucht es nicht, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Was wollte ich noch sagen? Ach ja, der Name mag zwar reißerisch sein, ist aber gänz­lich über­zogen. Es handelt sich ledig­lich um eine nied­liche kleine Spiel­variante. Gekillt wird höch­stens die hibbelige Freude an einer ernst­haften Heraus­forderung…

Narrenhagen.005

Wenn urplötzlich jemand um die Ecke böge und den un­wider­leg­baren Beweis erbrächte, daß es sich beim Men­schen um eine recht närrische Spezies handelt – und nein, karne­vali­stische Akti­vitäten sind absolut nicht gemeint; obwohl?! –, wäre ich nicht sonder­lich über­rascht. Die Indizien zählen schließ­lich nach Legion.
Allerdings gibt es ein Indiz, dem allein beinahe schon ulti­mative Beweis­kraft zukommt, nämlich dem Ansagen der eigenen Sende­frequenzen von Radio­sendern. Ja, für wen denn? Wer die Ansage hören kann, benutzt eine der Sende­frequenzen bereits. Und wer noch keine davon kennt, kann den ver­meint­lichen Service doch gar nicht hören…

alle 11 Minuten

Wieder so eine Werbung, die mich zu allem Möglichen animiert, aber nun wohl am aller­wenig­sten gerade zu dem, was mög­licher­weise inten­diert sein könnte. Kann denn das Sprüchlein: „Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single […]” wirk­lich als Wer­bung für etwas verstanden werden? Mich zumindest spricht es als Werbung gegen etwas an. Schließ­lich drängen sich (minde­stens) drei Inter­preta­tionen auf, die alle­samt nicht gerade für das Kuppel­portal sprechen.

Was nützt es eigent­lich, wenn nur ein Single sich verliebt? Gibt es denn unter den Zeit­genossen nicht schon viel zuviele Selbst­verliebte?

Oder soll dafür geworben werden, daß alle paar Minu­ten eine schmach­tende Liebe erblüht, die nur leider unerwidert bleibt?

Zumindest scheint die Zeit­spanne, die es im Durch­schnitt braucht, bis ein in Liebe schwel­gendes Paar sich findet, so wenig werbe­wirksam zu sein, daß sie schamvoll unerwähnt bleibt…

miese Qualität

Vor ein paar Tagen ist mir dieses Bild – ich nenne es einfach mal „Vollversammlung in der Morgenstunde” – über den Weg gelaufen:

Kaum eine Woche später hat sich nach obiger Vollversammlung nicht viel geändert, nur das Haus, die Tageszeit und, wie es Orff so schön vertonte: O Fortuna velut Luna statu variabilis”:

Eigentlich ist das ja wie in der großen Politik, wenn nicht spätestens an diesen beiden Bildern offensichtlich würde, daß die Händikamera trotz aller hochlobenden Werbeversprechungen eine recht miserable Qualität aufweist. Schade aber auch.