Sprachgewalt

Hoffentlich findet sich mal jemand, der (♀♂) die Irrungen und Wirrungen um den „Fall Maaßen” (die Mehrdeutigkeit – Verhandlungssache, fallen – ist beabsichtigt) sachlich und frei von demagogischem Gekeife aufarbeitet. Bis dahin will ich mich auf meinen „Merkzettel” verlassen:

  1. Was genau hat der oberste Verfassungsschützer zu beschützen, wo es gar keine Verfassung gibt, sondern nur ein Grundgesetz?
  2. Ist eigentlich erwiesen, daß das Video, das öffentlich (in Zwitschermedien) dazu gebraucht wurde, Menschenhatz zu „beweisen”, authentisch ist? Zeigt es das, was behauptet wurde, oder stimmt Maaßens ‘vorsichtige Einschätzung’?
  3. Bezieht sich die mit politischem Krakeel vorgetragene Anschuldigung möglicherweise auf einen Fliegenschiß im Vergleich zur übrigen erbrachten Leistung im Verfassungsschutz? Ist die mörderliche(!) Überbewertung eines behaupteten, aber längst nicht erwiesenen Fehltritts nur eine Denunziation oder Mobbing oder möglicherweise doch Menschenhatz?
    Und was haben, falls Maaßens Video-Aussage kein Einzelfall war, die regierenden Kontrollinstanzen unternommen, um verfassungsschützendes Fehlverhalten zu korrigieren? Was genau hätte dann das Faß zum Überlaufen gebracht; eine sachlich angemessene Einschätzung eines Videos allein doch wohl kaum?
  4. Gerät jemand, der sich nicht der gegenwärtigen Sprachdiktatur unterwirft, automatisch in die Mühle der sprachgebenden Demagogen? Oder betrifft das nur Personen, mit denen der Koalitionsgegner(!) politische Spielchen spielen möchte, etwa um von eigenen Fehlleistungen abzulenken?
  5. Erweiterung zu Punkt d: Frau Nahles hat lautstark herumkrakeelt, daß Herr Maaßen auf seinem Posten das Vertrauen verspielt habe und deshalb gehen müsse. Nach dem ersten Versuch, die quengelnde Göre zu beruhigen, indem Maaßen aus der Schußline geholt und auf einen anderen Posten versetzt wird, mußte die kleine Andrea erfahren, daß das politische Gekläffe, das sie zur Rückendeckung ihrer politischen Intrigen heraufbeschworen hatte, sich plötzlich gegen sie selbst wandte. Mit dem Mut der Verzweifelten gab sie zu, Fehler gemacht und Vertrauen verspielt zu haben. Also genau das, was sie kurz vorher Herrn Maaßen vorgeworfen hat, soll bei ihr als Tugend gelten, wärend es für das Kaltstellen eines Koalitionsgegners die Generalabsolution erteilt.
    Ganz nebenbei: Ob wohl das hirnlose Gebelfere auch dann stattgefunden hätte, wenn der Posten, der entsprechend der ersten Gesamtlösung für die Versetzung Maaßens freizuräumen war, von einer AfD-Person besetzt gewesen wäre?
  6. An welcher Stelle kam Rache als treibende Agens ins Spiel? Da standrechtliches Erschießen irgendwie nicht möglich war, mußte eine Versetzung Maaßens her, aber diese gefälligst nur mit einer finanziellen Verschlechterung. Und das noch immer ohne Schuldbeweis! Es genügt, wenn der politische Mob seine Parolen skandiert! Nein, es geht dabei nicht um den „braunen Rand” der Gesellschaft, sondern um die Regierungsparteien und möglicherweise um das gemeine Stimmvieh.

12 Kommentare zu „Sprachgewalt

  1. zu b) Es ist völlig klar, dass das Video k e i n e Menschenhatz zeigt. Wer das nicht sieht, ist ideologisch verblendet. Die Medien sind die Ursache für diese Verblendung Sie verblenden die Öffentlichkeit, indem sie systematisch ein falsches Bild liefern. Warum sie das gegenwärtig in einem bis dato in Deutschland nicht gekannten Ausmaß tun, ist die Frage.

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    1. Ja, ich teile Deine Einschätzung über das Video (übrigens: selbst wenn es tatsächlich eine Menschenhatz zeigen würde, wäre noch lange nicht erwiesen, ob nicht eine Schauspieltruppe gefilmt wurde).
      Aber ich glaube nicht, daß die Medien ‘die Ursache für diese Verblendung’ sind. Ja, sie tragen ihr Scherflein bei; und vielleicht haben sie sogar den Auftrag, das kritische Denkvermögen nicht allzu sehr zu schulen – um das mal vorsichtig zu formulieren. Doch wie sieht es mit dem Anteil derer aus, die es sich mit ihren Vorurteilen recht muckelig einrichten und gar nicht „erwachen” wollen? Begehren sie nicht „mentales Fast-Food” als hauptsächliches NahrungsInformationsangebot, selbst wenn es weder gesund noch frisch noch inhaltsreich ist?

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      1. Die Medien vermitteln im Wesentlichen das, was Realität in unserer modernen Welt bedeutet.Wenn man nun auch nur eines dieser Qualitätsmedien rezipiert, wird nach kürzester Zeit klar, dass in einer bestimmten Richtung agitiert wird. Wie soll sich der einfache Mann dieser permanenten Beeinflussung entziehen? Zumal die „Medienweisheiten“ schon längst ins Bildlungssystem eingezogen sind (z. B. Madonna statt Bach im Musikunterreicht). Es kommt hinzu, dass die größten Mediengläubigen unsere Akademiker sind, insofern gerade noch beim Volk oftmals ein gesunder Menschenverstand vorliegt. Was aber treibt Journalisten, Redakteure, „Kunstschaffende“, Akademiker usw. an, sich derart in die Tasche zu lügen? Ich stimme zu, Faulheit ist da sicher auch eine Erklärung, man hat sich in gewissen Denkgewohnheiten bequem eingerichtet (profitiert auch davon), aber woher kommen diese Denkgewohnheiten, womit wir wieder bei den Medien sind.

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        1. Ist es nicht seltsam, daß wir – kühn behauptet, aber nicht abwegig, weil belegbar – über gleiches schreiben und sogar (weitgehend) gleiches meinen, wenngleich wir es mit gänzlich anderen Worten beschreiben? Beispielsweise stimme ich den Äußerungen in Deinem jüngsten Kommentar weitestgehend zu, nur dem ersten Satz nicht: »Die Medien vermitteln im Wesentlichen das, was Realität in unserer modernen Welt bedeutet«. Vermitteln die Medien wirklich, was Realität ist? Oder nicht vielleicht eher das, was Realität sein soll bzw. gefälligst zu sein hat?

          Wahrscheinlich ist diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten. Möglicherweise finden sich beide „Strömungen”. Aber in welchem Verhältnis? Wie schnell (wenn überhaupt) ändert sich dieses?
          Es gilt als erwiesen, daß das menschliche Gehirn sich gern an Mehrheitsmeinungen orientiert. Das dürfte ein energetisch sinnvolles Erbe sein, das sich aus grauer Vorzeit erhalten hat. Aber – keine voreiligen Schlüsse! –, sich an der Mehrheit zu orientieren heißt nicht automatisch, uniform im Mainstream zu treiben. Wer wider den Stachel löcken möchte, muß als Orientierungshilfe schon wissen, wo der Mainstream fließt…
          Und die Medien erscheinen allein durch ihre Infrastruktur als Mehrheitsmeinungsbild der monolithischen Art. Also etwas, das mehrheitlich allzu gern als Instanz akzeptiert wird, die allmächtige Autorität zu besitzen verspricht, wenn man erst die Nische gefunden hat, die den eigenen Präferenzen (oder sollte ich statt Präferenz doch lieber Vorurteil schreiben?) am besten entspricht. Und genau nur in diesem Sinne mag ich zustimmen, daß in der modernen Welt die Medien die Realität vermitteln.

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  2. Faulheit (man denkt weiter in den üblichen Schablonen) mag eine Rolle spielen. Aber wer schafft die Schablonen, wobei wir wieder bei den Medien sind. Übrigenes reichen diese Schablonen bis weit in das Bildungssystem, Madonna statt Bach im Musikunterricht! Ganze Schulklassen strömen in Filme wie „Fack ju Göhte“. … Früher gab es eine gewisse Vielfalt, der „Spiegel“ war nicht die „Bild-Zeitung“, heute sind die Qualitätsmedien politisch weitgehend gleichgeschaltet.Vielleicht sollte man sich mal die Eigentumsstrukturen ansehen, wem gehört RTL? .

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    1. Tja, da hst Du ein großes Wort gelassen ausgesprochen. Wahrscheinlich ist unsere Welt in ihrer aktuellen Simplifizierung noch viel zu kompliziert, um sich noch zusätzliche Fragen zu ihrer Komplexität zu stellen. Wahrscheinlich stellt das Simple und Flache bereits eine dramatische Überforderung dar. :-/

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  3. Es wird in den Qualitätsmedien ständig und an vielen unerwarteten, sozusagen unauffälligen, aber desto wirksameren Stellen manipuliert. Am Sonntag im „Tatort“ oder war es der „Polizeiruf“ behauptet ein Beschuldigter von nichts gewusst zu haben. Daraufhin die Kommissarin: „Ja, wie Wehrmacht!“

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  4. Du schreibst unter Punkt a.: „… wo es gar keine Verfassung gibt, sondern nur ein Grundgesetz?“

    Welche Artikel des GG würdest Du geändert, ergänzt oder gestrichen sehen wollen, damit aus unserer Verfassung, dem Grundgesetz, etwas wird, das auch Du als Verfassung akzeptieren könntest ?

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    1. Zitat: »Das Grundgesetz [ist] eben keine Verfassung. Und es wurde […] nicht vom Volk in einem Referendum ratifiziert.«

      Im übrigen halte ich die Frage nach den „mutierenden” Veränderungen am Grundgesetz für ebenso sinnig wie die Frage: Was sollte man an einer Makrele ändern, damit sie zum Fischadler wird.

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  5. Im Hintergrund sieht man eine S-Bahn-Haltestelle. Einige Menschen sind gerannt, um ihre S-Bahn zum Job-Center noch zu erreichen, um einer Geldsperre zuvor zu kommen. Die Glatzköppe, die hinterher rannten, trugen ihnen nur die vergessenen Rucksäcke mit den Bewerbungsschreiben hinterher, die sie vorlegen müssen, um weiterhin in der sozialen Hängematte zu schwimmen .. Dabei gibt es Arbeit genug, wenn man nur arbeiten will und nicht morgens schon bloggen .. und das in allen Sparten.

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    1. Ganz genau: wer arbeitslos ist, ist selber schuld; und faul und asozial sowieso. 👿

      Die Interpretation des Geschehens auf dem fraglichen Video dürfte kaum Anhänger finden (wenn sie nicht sogar einen shitstorm heraufbeschwört). Dennoch finde ich sie außerordentlich inspirierend, da sie handgreiflich das Vorhandensein (und freilich auch Ausnutzen) von Interpretationsspielräumen illustriert.

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