Ohne mich!

Nein, ich werde die Coro­na-App nicht herun­ter­laden! Das im wesent­lichen aus zwei Gründen. Zum einen möchte ich, solange es irgend geht, meine Spur im iNet so flach wie möglich halten¹. Zum anderen möchte ich weder als Täter noch als Opfer in Frage kommen können, wenn aufgrund der App-An­wendung die Hexenjagd (oder wahl­weise eine Flut von Zivil­rechts­klagen) beginnt.
Um es unmißverständlich zu sagen: Die Daten­sicher­heit sehe ich nicht als rele­vantes Ableh­nungs­kri­terium. Die Kon­struk­teure der Coro­na‑App haben sich konkret zu diesem Punkt sicher­lich sehr viel Mühe gegeben. Ging ja auch kaum anders, da eine breite Akzep­tanz erreicht werden mußte. Trotzdem ist es in durchaus nennens­wertem Umfang möglich, ganz konkret, mit Namen und Adresse, Personen zu identi­fizieren, von denen man im Fall des Falles ein paar gekrönte Viren geerbt hat. Stichwort: Input-Output-Analyse an einer Black Box.
Wer corona‑infiziert ist, kann, muß aber nicht, in seiner App diesen Posi­tiv‑Sta­tus hinter­legen. Frei­lich wird (mehr­heit­lich) dieser Status auch hin­ter­legt, ansonsten würde das App‑Kon­zept² konter­kariert. Träfe meine App auf eine fremde (und uniden­tifizier­bare!) App mit einem Posi­tiv‑Status, würde meine App einen ent­sprechenden Warn­hinweis generieren. Da ich die epidemie­dämpfenden Verhal­tens­regeln aller­dings ernst nehme (speziell Mindest­abstand und Vermeidung großer Menschen­haufen), ist es sehr wohl möglich, einen Menschen aus dem Personen­kreis zuzu­ordnen, mit dem ich jüngst Kontakt hatte. Und schon gibt es jemanden, den ich vor den Kadi zerren kann³. Pikanter­weise ist die Irrtums­wahr­schein­lichkeit für die Zuord­nung der Viren­schleuder relativ hoch, denn mein Infekt muß mit dem infi­zierten App-Träger gar nichts zu tun haben (Stich­wort: schein­bare Kausa­lität). Aber das macht die Sache keineswegs besser, wenn man das Pech hatte, auf einen klage­wütigen Mitmen­schen getroffen zu sein.

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¹) Für die Installation einer App auf meinem Wisch‑Händi setzt das Betriebs­system einen Gugel‑Chrome Account voraus… 😱
²) siehe u. a. „Wie funktioniert die App?” in Ruhrnach­richten vom 17.06.2020
³) Eine der Lieblingsbeschäftigungen in Dt-Land ist ja – wozu ist man schließlich recht­schutz­versichert? – das Rechthaben.

39 Kommentare zu „Ohne mich!

  1. Zum Glück ist mein Gerät technisch so veraltet, dass man diese App damit nicht benutzen kann. 😄
    Aber, wieso kostet diese App mich als steuerzahlenden Souverän 68 Millionen Euro? Es gibt kleine indische Software-Klitschen, die programmieren dir das für 5000 Euro! 🤔

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  2. Hallo, auf das Thema habe ich gewartet 🙂

    * wenn du eine Positivmeldung einem sehr engen Personenkreis zuordnen kannst, dann bist du nur mit Menschen zusammen, die du kennst. Dann kannst du das auch ohne App zuordnen, man spricht ja miteinander. Und dann bist du aber nicht die Zielgruppe der App: Personen die am öffentlichen Leben teilnehmen oder teilnehmen müssen und mit fremden in Kontakt treten. Dafür ist die App gut geeignet und sinnvoll wie ich finde.
    * Input-Output-Analyse verstehe ich. Im Fall der Warn-App allerdings sehe ich nicht, wie das gehen soll. Aber sei es drum.

    Ich an deiner Stelle würde die App auch nicht nutzen. Weil keinen nennenswerten Mehrwert.

    In meiner Situation: ich komme auch mit Menschen zusammen, die ich nicht kenne. Das Blackbox-Argument leuchtet in diesem Fall nicht ein (bin aber für Erklärung/Ausführung offen). -> ich nutze die App.

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    1. … warum auch nicht: suum cuique.

      Zu Deiner Frage gleich mal eine Gegenfrage (ist bekanntermaßen unhöflich, aber durchaus nützlich): Wem nützt diese App? Ist es vielleicht deren Endanwender? Er erfährt, daß er mit Telephonen zusammengekommen ist, deren Nutzer nachgewiesenermaßen corona-infiziert sind. Diese Information habe ich aber auch ohne diese App. Zumindest darf ich ruhigen Gewissens davon ausgehen, sobald ich Menschenansammlungen kontaktiere. Aber es geht noch weiter: Es ist keineswegs sicher, daß ein Infizierter andere sicher ansteckt. Im Gegenteil, wer erfahren hat, daß er Virenträger ist, sollte sich – sofern keine kriminelle Energie im Spiel ist – dezent zurückhalten, am besten in Quarantäne begeben. In diesem Fall ist die Ansteckungsgefahr deutlich geringer(!) als im „toten Winkel” der App, nämlich wenn Virenträger, die noch nicht als solche identifiziert sind, unwissend (auch von der App noch nicht gewußt) ganze Gruppen von Menschen anstecken können.
      Kurz: Die Corona-App ist aus virologischer Sicht praktisch wertlos, dafür aber entschieden zu teuer. Allerdings ist sie als anthropologisches Studienobjekt für die Obrigkeitskaste immens wichtig.

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  3. „Zu Deiner Frage gleich mal eine Gegenfrage (ist bekanntermaßen unhöflich, aber durchaus nützlich)“
    In Kommentarfunktionen, die eine Plattform zum Diskutieren bieten, finde ich das nicht unhöflich.

    „Wem nützt diese App? Ist es vielleicht deren Endanwender?“
    Ja. Und der Gesellschaft.

    „Er erfährt, daß er mit Telephonen zusammengekommen ist, deren Nutzer nachgewiesenermaßen corona-infiziert sind. Diese Information habe ich aber auch ohne diese App. Zumindest darf ich ruhigen Gewissens davon ausgehen, sobald ich Menschenansammlungen kontaktiere.“
    Sehe ich anderst. Wenn ich auf die Love-Parade gehe, mag das stimmen. Wenn ich aber nur mit 20-30 Personen verkehre, nicht unbedingt. Da kommt dann die Abwägung des Risikos ins Spiel. Die App ist eine Lösung.

    „Es ist keineswegs sicher, daß ein Infizierter andere sicher ansteckt. Im Gegenteil, wer erfahren hat, daß er Virenträger ist, sollte sich – sofern keine kriminelle Energie im Spiel ist – dezent zurückhalten, am besten in Quarantäne begeben. “
    Absolut. Noch besser ist es aber, wenn sich die Leute, mit denen er verkehrt hat, auch zurückhalten. Muss ja nicht gleich Quarantäne sein. Aber doch zumindest ein paar Tage lang Ansammlungen in geschlossenen Räumen meiden. Das senkt das Risiko enorm. Und es tut ja nun nicht so weh. Okay, jetzt spreche ich von mir und projeziere das auf die Allgemeinheit! 😉

    „In diesem Fall ist die Ansteckungsgefahr deutlich geringer(!) als im „toten Winkel” der App, nämlich wenn Virenträger, die noch nicht als solche identifiziert sind, unwissend (auch von der App noch nicht gewußt) ganze Gruppen von Menschen anstecken können.“
    Naja. Die App sorgt zumindest dafür, dass ich weiß, dass ich ein erhöhtes Risiko darstelle. Wenn dann nur ein paar Tage gewonnen sind, ist das schon ein großer Nutzen.

    „Die Corona-App ist aus virologischer Sicht praktisch wertlos, dafür aber entschieden zu teuer.“
    Aus gesellschaftlicher Sicht nicht unbedingt wertlos. Ob zu teuer. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Mag sein.

    „Allerdings ist sie als anthropologisches Studienobjekt für die Obrigkeitskaste immens wichtig.“
    Wenn mit Obrigkeitskaste die ökonomische Elite gemeint ist. Die hat mit den Daten über Android, Messenger und co deutlich effektivere Methoden und Möglichkeiten.
    Wenn mit Obrigkeitskaste die politische Elite gemeint ist. Die hat mit ihren Geheimdiensten deutlich effektivere Methoden. Wenn auch nicht so umfassend wie die andere Gruppe. Oder wie die VR China. Da gilt es, wachsam zu bleiben, dass es nicht in diese Richtung geht. So, wie die Diskussion bei uns in Deutschland lebt, habe ich da derzeit wenig Furcht.

    Ich finde die Umsetzung und das Angebot (hier in D) gut gemacht. Wir entscheiden nun alle, ob wir das so annehmen oder eben nicht. Gibt ja auch wirklich auch paar Kritikpunkte. Das ist dann persönliche Abwägung, was man tut. Und das ist gut so. Wir leben ja noch in einem freien Land. Finde ich zumindest.

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        1. … Mitvollendsüberzeugter… Vollendsmitüberzeugter… Übervollendsmitüberzeugter… Irgendwie gestaltet sich die Korrektur meines Tippfehlers schwieriger als gedacht.

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        2. Ja, genau! Vor der gleichen Schwierigkeit stand ich auch, als ich mit kühnem Schwung ein paar Buchstaben unter den Worttorso streuen wollte, um klammheimlich eine kleine Retusche anzubringen. Aber nun sind ja alle alle Klarheiten beseitigt… 😆

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        3. Alles weg und trotzdem diese Fülle – beseitigt stelle ich mir irgendwie anders vor … *** muss mal schauen, ob die Welt sich noch in die richtige Richtung dreht …***

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        4. 😊😃😊
          Also, wenn ich die Wahl habe, nehme ich mich doch lieber in zwölf. Nein, nicht wegen der Apostel oder der Geschworenen oder des dreckigen Dutzends oder der Stunden, die durch Glas rinnen. Nein, es ist wegen der Teilbarkeit, so kann ich meine Achtsamkeit viel besser aufteilen. Na, nun ist mir ja erst recht schawindelig zumute. 😉

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        5. Die Apostel und das ungewaschene Dutzend waren so was von klar, als ich die Zwölf auftauchen sah, jedoch die Geschorenen mit einem Gläschen Sand, damit habe ich nicht gerechnet – allerhand!
          So nehme ich mich ab heute in die Zwölf, kann zur Not handeln bis zur Acht,
          mit Schawindel kämpfe ich sowieso immer,
          hat uns vom Thema etwas entfernt und doch weiter gebracht …

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  4. Also sobald es die App für Windows Mobile 6 gibt, werde ich mich mal damit beschäftigen. Aber mal ehrlich: irgendwas muss doch getan werden. Einfach normal weiterleben und gucken was passiert, ist nicht gut für die Umfragewerte. Außerdem ist das doch eine kostenlose App und wenn die doch bald alle haben muss man die doch haben wollen. Ein Mißbrauch oder eine Nutzung abseits der Zweckbindung ist für mich in Deutschland jedenfalls undenkbar. Gabs ja vorher auch nicht (außer vielleicht die neue PKZ, diverse unzulässige Fahndungsmethoden u.ä.)

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    1. Ja, genau mit dieser „Logik”, nämlich: »irgendwas muss doch getan werden«, wird sinnentleertem Aktionismus Tür und Tor geöffnet, von den Kosten für die Steuerzahler ganz zu schweigen (stimmt schon, die App kostet selbst nix, aber deren Entwicklung wird aus dem Staatshaushalt, also Steuergeldern bezahlt). Nein, es muß nicht irgendwas getan werden, sondern das Richtige! Und diese Corona-App ist aus medizinischer oder virologischer Sicht sicher nicht das Richtige, sondern eher Rüsche am Nachthemd, mehr nicht. Allerdings ist sie für die Obrigkeitskaste sehr wertvoll, denn diese konnte einerseits austesten, wie weit sie mit dem tumben Stimmvieh gehen kann (ja, Umfragewerte haben ein erhebliches politisches Gewicht), d.h. bei welchen Reizworten der kritische Verstand eingelullt wird. Und zum anderen läuft gerade ein Feldversuch, wie man flächendeckend Tracking-Software möglichst effizient verteilen kann…

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      1. 😉 Ich hoffen Du verlässt dich nicht darauf, daß ich jede Ironie und jeden Zynismus meinerseits markiere. Kann ich mir nicht leisten, weil dann der Text unleserlich würde.
        Hab mir übrigens gestern mal alle deine Beiträge aus Absurdistan zu Gemüte geführt. Sehr schön! Ich habe irgendwie das Gefühl, daß da ein Seelenverwandter am Werk ist.

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        1. Da hattest Du ja ’ne ganze Menge Arbeit. 😃
          Vielen Dank für soviel Interesse!
          Und ja, auch ich hatte beim Stöbern auf Deinem Blog ein ähnliches Gefühl. 😌

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  5. Ich nutze die App. Renne in Krankenhäusern und Arztpraxen rum. Spreche mit vielen Menschen. Ist schon interessant für mich zu wissen, wie nah ich dem Virus schon war oder ob ich schon rumrennende Infektionsquelle bin. Dann kann ich mich testen lassen und im Zweifelsfall aus dem Verkehr ziehen. Das mache ich gern für euch.
    Auch wenn einige nichts dergleichen für mich und andere tun, hoffe ich auf andere, die es auch tun.

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    1. Hätte ich nicht gerade eben Deinen/Ihren Artikel über das langsame Lesen gelesen, wäre wohl eine 1-Satz-Antwort aus meinen Fingern in die Klaviatur geflossen. Etwa so: Es gibt keinen Grund, ernste Themen nicht durchaus auch mal in lockerer Form anzusprechen. Nun stehe ich vor neun Wörtern, einer Zahl, zwei Satzzeichen und keinem Angriffspunkt, um in semantische Tiefen hinabzusteigen. Und dieses Spannungsfeld finde ich nun wieder süß.😊

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